
Sommerreiseverkehr: Baustellen und neue Kontrollen belasten Europas Infrastruktur
Während in Italien und Spanien Bahnstrecken saniert werden und Flughäfen unter dem neuen Einreisesystem ächzen, treiben die USA den Bau einer Hightech-Grenzanlage voran.
Mit dem Beginn der Sommerferien in mehreren europäischen Ländern geraten zentrale Verkehrsadern unter Druck. In Italien führt eine Häufung von Bauarbeiten im Hochgeschwindigkeitsnetz zu erheblichen Verzögerungen. Vom 5. bis 10. Juli wird der Knoten Florenz wegen der Erneuerung einer Brücke teilweise gesperrt; die Fahrzeit auf der Strecke Mailand–Rom kann sich um bis zu zweieinhalb Stunden verlängern. Nach Angaben des Infrastrukturbetreibers RFI sind derzeit täglich mehr als 1300 Baustellen im gesamten italienischen Schienennetz aktiv. Auch in Spanien verzeichnet der Bahnverkehr einen leichten Rückgang: Laut dem Netzbetreiber Adif werden am ersten Ferienwochenende rund 3125 Hochgeschwindigkeits- und Fernzüge verkehren, 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Als Ursache gelten betriebliche Einschränkungen infolge der Unfälle von Adamuz und Gelida, die die Kapazität der Schnellfahrkorridore verringert haben.
Die politische Auseinandersetzung um die Lage der italienischen Eisenbahnen spitzt sich zu. Die oppositionelle Demokratische Partei beziffert die seit Jahresbeginn aufgelaufenen Verspätungen auf knapp 3,9 Millionen Minuten – umgerechnet mehr als sieben Jahre verlorene Lebenszeit – und spricht von einem „Sommer in der Hölle“ für Fahrgäste. Verkehrsminister Matteo Salvini hält dem entgegen, die Pünktlichkeitsquote liege im Hochgeschwindigkeitsverkehr bei 80 Prozent, im Regionalverkehr bei 91 Prozent, und bezeichnet das italienische System als das beste Europas. Aus Sicht der Regierung in Rom sind die Beeinträchtigungen vorübergehende Folgen eines Rekordniveaus an Investitionen und Baustellen.
Parallel dazu wachsen an mehreren europäischen Flughäfen die Belastungen durch das schrittweise eingeführte Entry/Exit-System (EES). Besonders betroffen sind nach Branchenangaben die Airports in Lissabon, Amsterdam, Rom und auf Kreta. In Lissabon kam es in den vergangenen Monaten wiederholt zu mehrstündigen Wartezeiten bei der Passkontrolle; in Amsterdam führte ein Deckeneinsturz über einer Sicherheitsschleuse Ende Juni zu stundenlangen Schlangen. Italienische Behörden erwägen laut Medienberichten eine zeitweise Aussetzung der biometrischen Grenzkontrollen, um ein drohendes Chaos an den Flughäfen Rom-Fiumicino und Ciampino abzuwenden. In Spanien hingegen steigt der Flugverkehr deutlich: Der Flughafenbetreiber Aena meldet für das erste Ferienwochenende 22.290 geplante Flüge, ein Plus von 4,47 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Drehkreuze Madrid-Barajas und Barcelona-El Prat verzeichnen die höchste Frequenz; Aena kündigte an, die Slot-Vergabe ab 2027 neu zu ordnen, um Engpässe in Spitzenzeiten zu entschärfen.
Jenseits des europäischen Reiseverkehrs treibt die US-Regierung ein eigenes Infrastrukturprojekt voran. Mit einem vom Kongress bewilligten Budget von 46 Milliarden Dollar errichtet die Grenzschutzbehörde CBP nach eigenen Angaben derzeit rund zehn Kilometer „intelligente Mauer“ pro Woche. Die Anlage kombiniert neun Meter hohe Stahlzäune mit Sensoren, Kameras und Überwachungstürmen; in Flussabschnitten werden zylindrische Sperrbojen eingesetzt. Aus Sicht der Behörde ermöglicht die Technologie einen effizienteren Einsatz der Grenzpatrouillen. Bürgerrechtsorganisationen wie die Southern Border Communities Coalition kritisieren hingegen eine Militarisierung der Grenzregion und warnen vor den Auswirkungen auf lokale Gemeinden. Die erste Bauphase soll nach Angaben des Heimatschutzministeriums bis Mitte 2027 abgeschlossen sein.
| Russische & GUS-Presse | +0.30 | aligned |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | 0.00 | neutral |
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.10 | neutral |
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