
Alijew bestätigt geheimes Treffen deutscher und russischer Ex-Funktionäre in Baku
Der aserbaidschanische Präsident sprach von einer nicht autorisierten Zusammenkunft, Kanzler Merz verneinte Kenntnis – während Berlin und Baku ihre Energiepartnerschaft vertiefen.
Während eines offiziellen Besuchs in Berlin hat der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew die Existenz eines geheimen Treffens ehemaliger hochrangiger deutscher und russischer Amtsträger in Baku bestätigt. Die Zusammenkunft habe nach seinen Angaben zwischen dem 12. und 14. Juli ohne Wissen der aserbaidschanischen Behörden stattgefunden. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte auf der gemeinsamen Pressekonferenz, ihm sei von einem solchen Treffen nichts bekannt und die Bundesregierung sei daran nicht beteiligt gewesen. Alijew fügte hinzu, sollten solche Kontakte zur Beendigung des Krieges in der Ukraine beitragen, könne man sie nur begrüßen.
Nach Darstellung Alijews reisten auf deutscher Seite der frühere brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck und der ehemalige Chef des Bundeskanzleramts Ronald Pofalla an, während für Russland der frühere Premierminister und heutige Gazprom-Aufsichtsratsvorsitzende Wiktor Subkow sowie der Leiter des Präsidialrats für Menschenrechte, Waleri Fadejew, nach Baku kamen. Aus Moskau verlautete zunächst keine offizielle Stellungnahme; der Kreml hatte zuvor mehrfach Gesprächsbereitschaft signalisiert, jedoch keine praktischen Schritte des Westens erkannt. In europäischen Hauptstädten wird die nicht autorisierte Nutzung aserbaidschanischen Territoriums als Indiz für die anhaltende Suche nach informellen Gesprächskanälen gewertet, die parallel zu den offiziellen Positionen verlaufen.
Die Enthüllung fiel in einen Besuch, der vor allem der Vertiefung der Energiepartnerschaft diente. Deutschland ist nach dem weitgehenden Wegfall russischer Gaslieferungen bestrebt, seine Importe zu diversifizieren. Alijew bot eine Ausweitung der Lieferungen an, machte jedoch zur Bedingung, dass europäische Banken wieder Investitionen in fossile Infrastrukturprojekte finanzieren. Zugleich verwies er darauf, dass Russland nach Ausfällen in seinen Raffinerien infolge ukrainischer Drohnenangriffe nicht mehr in der Lage sei, seine traditionellen Partner vollständig zu beliefern. Aus Berliner Sicht wird Aserbaidschan daher als ein Baustein der Energieversorgungssicherheit betrachtet, auch wenn menschenrechtliche Bedenken fortbestehen.
Die Vorgänge unterstreichen das Nebeneinander von offizieller Distanz und informellen Sondierungen im deutsch-russischen Verhältnis. Während die Bundesregierung die Verantwortung für fehlende Friedensverhandlungen offiziell in Moskau verortet, deuten die Kontakte ehemaliger Spitzenbeamter auf ein fortbestehendes Interesse an Gesprächskanälen hin. Das Dossier bleibt in Bewegung: Konkrete offizielle Verhandlungen sind nicht angekündigt, doch die unterzeichnete strategische Partnerschaftserklärung zwischen Berlin und Baku sowie die angekündigten bilateralen Konsultationen zu Energie und Handel bilden den Rahmen für die nächsten faktischen Schritte.
| Russische & GUS-Presse | −0.20 | neutral |
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| Kontinentaleuropäische Presse | 0.00 | neutral |
Russland begrüßt vorsichtig die Zeichen des Dialogs, warnt Baku jedoch davor, sich von Moskau zu entfernen.
Die russische Presse projiziert sich als verantwortungsvoller Friedensstifter, indem sie das geheime Treffen als Friedensinitiative darstellt, während sie gleichzeitig die europäische Orientierung Aserbaidschans kritisiert, um die Erzählung von westlicher Unzuverlässigkeit zu verstärken.
Die russische Presse lässt die spezifischen Namen der Teilnehmer und die Tatsache weg, dass das Treffen ohne Wissen Aserbaidschans stattfand, was die Erzählung eines transparenten Friedensbemühens erschweren würde.
Europa nimmt das geheime Treffen zur Kenntnis, distanziert sich jedoch und konzentriert sich stattdessen auf das Energieabkommen mit Baku.
Die europäische Presse universalisiert das Ereignis, indem sie das geheime Treffen als routinemäßiges diplomatisches Vorkommnis behandelt und die offizielle Leugnung betont, wodurch es normalisiert und geopolitische Spannungen abgelenkt werden.
Die europäischen Medien lassen die kritischen russischen Reaktionen und die detaillierten Identitäten der Teilnehmer weg, was eine zusätzliche Ebene geopolitischer Spannungen hinzufügen würde.
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