
Afrikas Rekord und die Schattenseiten des neuen WM-Formats
Die Vorrunde der ersten 48er-WM endet mit einem historischen Erfolg für Afrika, doch die Aufstockung und die Drittplatzierten-Regelung sorgen für Kontroversen.
Die Gruppenphase der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist beendet, und sie hinterlässt ein zwiespältiges Bild. 32 Mannschaften haben die K.-o.-Runde erreicht, darunter neun der zehn afrikanischen Teilnehmer – ein Rekord, der die bisherige Bestmarke von zwei Teams weit übertrifft. Nur Tunesien schied aus, während Überraschungen wie Kap Verde, die Demokratische Republik Kongo und Ghana zu den acht besten Gruppendritten zählen. Aus europäischer Sicht verlief die Vorrunde ohne größere Erschütterungen: 13 der 16 UEFA-Vertreter zogen weiter, darunter Turnierfavoriten wie Frankreich, Spanien und die Niederlande. Asien hingegen erlebte ein Debakel; mit Japan und Australien überstanden lediglich zwei von neun Mannschaften die Gruppenphase.
Der sportliche Verlauf nährte die Debatte um das aufgeblähte Format. Kap Verde, der Inselstaat mit einer halben Million Einwohnern, trotzte Spanien ein torloses Remis ab und rang Uruguay ein 2:2 ab, ehe ein Unentschieden gegen Saudi-Arabien den zweiten Gruppenplatz sicherte. Der 40-jährige Torhüter Vozinha wurde zur Social-Media-Sensation, seine Mutter konnte dank eines kurzfristig erteilten US-Visums anreisen. Auch die bosnische Nationalelf, erstmals in der K.-o.-Runde, und die gastgebenden Verbände aus Mexiko, Kanada und den USA nutzten die Gunst der Stunde. Doch die Kehrseite: Weil auch die acht besten Gruppendritten weiterkamen, mangelte es vielen Partien an echter Drucksituation. Vier Teams standen bereits vor dem letzten Spieltag als Gruppensieger fest, fünf waren vorzeitig ausgeschieden. Begegnungen wie Österreich gegen Algerien oder Paraguay gegen Australien gerieten in den Verdacht taktischer Absprachen, und selbst Spitzenmannschaften wie Argentinien oder Norwegen schonten in bedeutungslos gewordenen dritten Spielen ihre Stammkräfte.
Aus afrikanischer Perspektive überwiegt der Stolz. Verbandspräsident Patrice Motsepe führte den Erfolg auf jahrelange Investitionen in Nachwuchs, Trainer und Infrastruktur zurück. Thierry Henry, als Experte für Fox Sports tätig, verwies zudem auf die frühzeitige Einbindung von Doppelstaatlern. In europäischen Kommentaren wird der sportliche Mehrwert der Aufstockung unterschiedlich bewertet. Während die Süddeutsche Zeitung von einem „vollen Erfolg“ spricht und die „kleinen Helden“ würdigt, kritisiert Il Fatto Quotidiano die „verworrene Formel“ der Drittplatzierten und berichtet von Überlegungen innerhalb der FIFA, das Turnier gar auf 64 Teams zu erweitern, um die umstrittene Regelung abzuschaffen.
Die Buchmacher und Prognosemodelle sehen Frankreich nach drei souveränen Gruppensiegen als Topfavoriten. Die Opta-Simulationen geben Les Bleus eine Titelchance von 18,7 Prozent, vor Argentinien (16,3) und Spanien (13,5). Goldman Sachs taxiert Frankreich sogar auf 22,4 Prozent. Brasilien, das im Achtelfinale auf Japan trifft, rangiert mit knapp sieben Prozent auf Platz fünf. Der deutsche Ökonom Joachim Klement, der die letzten drei Weltmeister korrekt vorhersagte, setzt diesmal auf die Niederlande – ein Außenseitertipp mit System.
Die K.-o.-Phase hat bereits begonnen: Südafrika unterlag Kanada durch ein Tor in der Nachspielzeit. Am Dienstag trifft Marokko auf die Niederlande, die Elfenbeinküste auf Norwegen. Kap Verde fordert Argentinien heraus, England bekommt es mit der Demokratischen Republik Kongo zu tun. Der Modus mit 32 Teams im Achtelfinale entspricht nun der Größe früherer Weltmeisterschaften – die eigentliche Bewährungsprobe für das neue Format steht also erst bevor.
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Neun von zehn afrikanischen Teams haben die Runde der letzten 32 erreicht – eine Rekordleistung, die die Fußballgeschichte neu schreibt. Der Kontinent feiert einen Moment des Stolzes und der Genugtuung und sieht darin den Beweis, dass der Abstand zu den traditionellen Mächten schrumpft. Die Leistung eröffnet konkrete Aussichten auf eine stärkere Vertretung bei künftigen Turnieren.
Noch nie standen so viele afrikanische Teams in der Runde der letzten 32 einer WM: neun von zehn, nur Tunesien schied aus. Neben etablierten Größen wie Marokko und Senegal bereichern Überraschungen wie Kap Verde das Bild eines aufstrebenden Kontinents. Die europäische Dominanz bleibt, doch Afrika spielt eine unerwartete Hauptrolle.
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