
Zwischen Spielzeugkisten und Krypton: Das Wochenende, an dem „Supergirl“ abstürzte
Während „Toy Story 5“ die Kinocharts dominiert, erlebt das DC-Universum mit „Supergirl“ einen herben Rückschlag – und ein Michael-Jackson-Biopic bricht alle Rekorde.
Noch in der Woche vor dem Start standen sie in den Eingangshallen amerikanischer Baseballstadien: aufwendig gestaltete „Supergirl“-Ausstellungsstücke, Teil einer rekordverdächtigen Werbekampagne, die Warner Bros. mit Marken wie Cold Stone Creamery über das ganze Land gespannt hatte. Die Botschaft war unübersehbar – hier sollte eine neue Heldin das Kinojahr prägen. Wenige Tage später, am Sonntagmorgen nach dem Eröffnungswochenende, zeichneten die ersten Schätzungen der Studios ein anderes Bild. In den Sälen, in denen der von Craig Gillespie inszenierte Film lief, blieben die Reihen lichter als erwartet. 38 Millionen Dollar spielte „Supergirl“ in den USA und Kanada ein, weltweit waren es 68 Millionen – weit entfernt von den ursprünglich anvisierten 55 Millionen allein auf dem nordamerikanischen Markt. Währenddessen zog „Toy Story 5“ in seiner zweiten Woche mit weiteren 70 Millionen Dollar unbeirrt seine Kreise und summierte sich global auf 585 Millionen.
Die Zahlen markieren nicht nur einen kommerziellen Fehlstart für einen Film, dessen Produktionskosten Branchenquellen zufolge bei mindestens 170 Millionen Dollar lagen, hinzu kamen Marketingausgaben von geschätzten 100 Millionen. Sie sind auch Ausdruck einer tieferliegenden Verschiebung. In konservativen US-Medien wurde die Schuld rasch bei Hauptdarstellerin Milly Alcock gesucht, die in Interviews vor dem Start von einer „seltsamen Besitzergreifung“ weiblicher Körper gesprochen und damit eine polarisierte Debatte ausgelöst hatte. Aus Hollywood selbst kamen unterdessen nüchternere Töne: David A. Gross, Berater für Franchise-Ökonomie, verwies darauf, dass das Superheldengenre insgesamt nicht mehr die Zugkraft der Vor-Pandemie-Jahre besitze – die jährlichen Einspielergebnisse lägen rund 3,5 Milliarden Dollar unter den Höchstständen von 2017 bis 2019. Besonders weiblich geführte Superheldenfilme, so Gross, hätten nach fulminanten Erfolgen wie „Wonder Woman“ und „Captain Marvel“ einen plötzlichen und noch immer unerklärten Einbruch erlitten.
Während das DC-Universum mit dem für Oktober angekündigten, deutlich günstiger produzierten „Clayface“ auf Schadensbegrenzung setzt, entfaltet sich auf der anderen Seite des Kinosaals eine gegenläufige Geschichte. Das Biopic „Michael“ über Michael Jackson, mit seinem Neffen Jaafar Jackson in der Titelrolle, hat sich in seinem zehnten Wochenende mit weltweit 977,4 Millionen Dollar zur umsatzstärksten Filmbiografie aller Zeiten aufgeschwungen – vorbei an „Oppenheimer“ und „Bohemian Rhapsody“. In Brasilien, Frankreich und Mexiko überflügelte der Film die Laufzeitbeständigkeit von Freddie Mercurys Leinwandleben, in den USA ist er die erfolgreichste Biografie der Kinogeschichte. Die Erwartung, als zweiter Film des Jahres 2026 die Milliardenmarke zu durchbrechen, ist greifbar.
Dieser Erfolg strahlt weit über die Leinwand hinaus. Auf der R&B Digital Song Sales Chart von Billboard, die digitale Einzelverkäufe misst, kletterte Jacksons „Billie Jean“ in dieser Woche erstmals auf Platz eins – nach 57 Wochen in den Rängen und fast 13 Jahren nach dem ersten Eintrag in die Liste. Sieben der zehn Plätze der Hitliste werden derzeit von Liedern des 2009 verstorbenen Sängers belegt, ein gespenstisches Echo einer Pop-Ära, das sich mit der Kraft des Kinos neu materialisiert. In den leeren Reihen der „Supergirl“-Vorstellungen und den vollen Charts einer digitalen Jukebox liegt so die flüchtige Momentaufnahme eines Kulturmarktes, der seine eigenen Gesetze immer wieder neu verhandelt.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Der Start von Supergirl war ein katastrophaler Misserfolg, der weit hinter den Erwartungen zurückblieb und sogar hinter einem berüchtigten Marvel-Flop landete. Das Ergebnis gilt als weiteres Symptom für den Niedergang Hollywoods, dem vorgeworfen wird, minderwertige Produkte abzuliefern, die das Publikum vertreiben. Im Gegensatz dazu erlebt das Erbe von Michael Jackson eine Wiedergeburt: Eine alte Single kehrt dank der Dynamik des Biopics an die Chartspitze zurück.
Das Michael-Jackson-Biopic schrieb Geschichte, indem es zum umsatzstärksten Biografiefilm aller Zeiten wurde und Oppenheimer überholte. Unterdessen startete Supergirl auf dem zweiten Platz an den Kinokassen, konnte die Dominanz von Toy Story 5 nicht brechen, erzielte aber dennoch ein solides weltweites Einspielergebnis.
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