
Zahlungsausfälle und Kreditklemme: Schwellenländer unter finanziellem Druck
Steigende Kreditrisiken in Argentinien, staatliche Verdrängungseffekte in Bangladesch und wachsender Verschuldungsbedarf der brasilianischen Industrie zeichnen ein besorgniserregendes Bild der Finanzstabilität in aufstrebenden Volkswirtschaften.
In Argentinien schrillen bei Banken und Aufsichtsbehörden die Alarmglocken. Die Zahlungsmoral privater Haushalte hat sich in den vergangenen Monaten spürbar verschlechtert, insbesondere bei Konsumentenkrediten und Kreditkartenforderungen. Analysten führen den Anstieg der notleidenden Kredite auf die anhaltende Kluft zwischen stagnierenden Einkommen und steigenden Lebenshaltungskosten zurück. Viele Familien hatten zuvor verstärkt auf Kredite zurückgegriffen, um ihren Alltag zu finanzieren, geraten nun aber in einen Teufelskreis aus teurer werdenden Finanzierungen und wachsenden Zahlungsrückständen. Die Entwicklung nährt die Sorge vor einer breiteren Destabilisierung des argentinischen Finanzsystems.
Während in Südamerika die privaten Schuldner straucheln, offenbart sich in Bangladesch eine andere Facette finanzieller Verwundbarkeit. Die Regierung in Dhaka hat den bislang größten Haushalt ihrer Geschichte vorgelegt – ein Volumen von umgerechnet rund 80 Milliarden Euro, das auch deutliche Akzente im Gesundheitswesen setzt. So wurde das Gesundheitsbudget nahezu verdoppelt, die Mehrwertsteuer auf Dialysefilter abgeschafft und die Rekrutierung von 100.000 Gesundheitsfachkräften angekündigt. Doch Beobachter in Dhaka verweisen auf einen eklatanten Widerspruch: Während nichtübertragbare Krankheiten zur nationalen Priorität erklärt werden, begünstigt die Steuerpolitik für Tabakwaren weiterhin die Industrie. Die Preiserhöhung für Zigaretten fließt vor allem in die Kassen der Hersteller, nicht in die Gesundheitsvorsorge. Gleichzeitig hat die haushaltspolitische Debatte mit der Vorlage vollständiger Schattenhaushalte durch Oppositionsparteien und zivilgesellschaftliche Analysen eine neue demokratische Qualität erreicht – ein Novum, das an Westminster-Traditionen erinnert.
Doch die Kehrseite des ambitionierten Budgets wird bereits sichtbar. Wirtschaftsvertreter in Dhaka warnen, dass die geplante massive Kreditaufnahme des Staates bei den Geschäftsbanken die Kreditvergabe an den Privatsektor verdrängen könnte. Schon jetzt ist die Investitionstätigkeit schwach; sollte der Staat die inländischen Kreditressourcen übermäßig beanspruchen, droht das Wachstumsziel von 6,5 Prozent unerreichbar zu werden. Die Folge wäre ein Teufelskreis aus verfehlten Steuereinnahmen und wachsendem Druck auf die ohnehin belasteten Steuerzahler.
Auch in Brasilien, der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas, richtet sich der Blick sorgenvoll auf die Kreditmärkte. Eine Umfrage des Industrieverbands CNI ergab, dass 45 Prozent der befragten Unternehmen in den kommenden drei Monaten mit einer Zunahme ihrer Bankverbindlichkeiten rechnen. Treiber sind die hohen Kreditkosten und der gestiegene Bedarf an Finanzierungen für laufende Ausgaben und Lagerhaltung. Die Erhebung spiegelt die Auswirkungen der restriktiven Geldpolitik wider, die die wirtschaftliche Aktivität dämpft und Unternehmen zwingt, trotz ungünstiger Konditionen auf Fremdkapital zurückzugreifen.
Aus globaler Perspektive verdichten sich damit die Anzeichen für eine zunehmende finanzielle Fragilität in Schwellenländern. Die Kombination aus steigenden Kreditausfällen, staatlicher Verdrängung privater Kreditnachfrage und einer trotz hoher Zinsen wachsenden Verschuldung der Industrie könnte die Binnennachfrage in diesen Märkten dämpfen. Für exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland, Österreich und die Schweiz, deren Maschinenbau-, Automobil- und Chemieindustrie eng mit Schwellenländern verflochten ist, bergen diese Entwicklungen mittelfristig Risiken für Auftragseingänge und Zahlungssicherheit. Die weitere Straffung der Geldpolitik in den Industrieländern dürfte den finanziellen Spielraum in den aufstrebenden Ökonomien zusätzlich einengen und den Druck auf private wie öffentliche Schuldner erhöhen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Aufsichtsbehörden zwingen Private-Credit-Fonds, ihre Vermögensbewertungen bis Ende Juni zu aktualisieren, und warnen, dass die aktuellen Zahlen der wirtschaftlichen Realität hinterherhinken. Der Sektor tritt in seine erste Phase erheblichen Stresses ein, mit steigenden Ausfällen und Rückständen. Die Unternehmensaufsicht hat die Branche in Alarmbereitschaft versetzt und verlangt realistische Annahmen.
Banken und Analysten sind alarmiert über steigende Zahlungsausfälle bei Privatkrediten und Kreditkarten, was die Schwierigkeiten der Haushalte widerspiegelt, mit den Ausgaben bei stagnierenden Einkommen Schritt zu halten. In Brasilien plant fast die Hälfte der Industrieunternehmen, trotz teurer Kredite bald mehr Bankkredite aufzunehmen, um das Betriebskapital zu finanzieren. Der Griff der kostspieligen Schulden zieht sich bei Familien und Unternehmen gleichermaßen zu.
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