
Warum jüngere Geschwister und Jungen in der Schule benachteiligt sind – und was das für den Arbeitsmarkt bedeutet
Neue Studien zeigen, dass frühkindliche Infektionen und veraltete Bewertungsmuster den Bildungserfolg prägen, während Soft Skills und frühes Bewerben über Karrierechancen entscheiden.
Eine überraschende Erkenntnis aus der Schweiz und Deutschland wirft neues Licht auf die Frage, warum jüngere Geschwister im Leben oft weniger erfolgreich sind als ihre älteren Brüder und Schwestern. Lange glaubte man, dass die geringere elterliche Zuwendung der entscheidende Faktor sei. Nun belegt eine Studie, dass schwere Atemwegsinfektionen in den ersten Lebensmonaten einen wesentlichen Anteil an dieser Ungleichheit haben. Zweitgeborene kommen demnach im ersten Lebensjahr zwei- bis dreimal häufiger wegen akuter Atemwegsinfekte ins Krankenhaus als Erstgeborene – eine Folge davon, dass ältere Geschwister Viren und Bakterien aus Kindergarten oder Schule mit nach Hause bringen. Diese frühen Infektionen können die kognitive Entwicklung langfristig beeinträchtigen und erklären einen Teil der schlechteren Bildungsabschlüsse und niedrigeren Einkommen der später Geborenen. Schutzmaßnahmen wie konsequentes Stillen, frühzeitige Impfungen und das Fernhalten erkrankter Geschwister vom Neugeborenen könnten die negativen Effekte abmildern.
Parallel dazu zeigt sich in deutschen Klassenzimmern eine systematische Benachteiligung, die ebenfalls mit frühen Entwicklungsunterschieden zusammenhängt. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, erhalten Jungen im Durchschnitt schlechtere Schulnoten als Mädchen, obwohl alle Kinder nach denselben Maßstäben bewertet werden. Die Ursachen liegen in Kompetenzen, die das Schulsystem kaum honoriert: Jungen schneiden beim Lesen und Schreiben schwächer ab, haben häufiger Aufmerksamkeitsprobleme und brechen Bildungswege öfter ab. Diese geschlechtsspezifische Diskrepanz ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleichermaßen zu beobachten und verweist auf eine Bewertungspraxis, die wichtige Fähigkeiten übersieht und unterschiedliche Entwicklungsvoraussetzungen nicht ausreichend berücksichtigt.
Die Folgen solcher Bildungsungleichheiten reichen weit in den Arbeitsmarkt hinein. Aus Algerien und Argentinien kommen dazu ergänzende Perspektiven: In Nordafrika zeigt sich, dass der Berufserfolg nicht allein von formalen Qualifikationen abhängt. Schnelligkeit bei der Bewerbung, frühzeitige Reaktion auf Arbeitgeberanfragen und der Aufbau belastbarer beruflicher Netzwerke sind oft entscheidender als Zeugnisnoten. Wer lange sucht, riskiert zudem das Erodieren von Fachwissen und den Verlust relevanter Kontakte. Aus Tucumán in Argentinien wird derweil eine grundsätzliche Debatte über die Zukunft der Sekundarschule geführt. Experten fordern eine Reform, die über das reine Vermitteln von Prüfungswissen hinausgeht und kritisches Denken sowie soziale Kompetenzen fördert. Mentoring-Programme mit Unternehmern sollen Jugendlichen den Übergang in Hochschule und Arbeitswelt erleichtern – eine Antwort auf die wachsende Demotivation, die selbst bei Schülern mit guten Noten zu beobachten ist.
Diese internationalen Befunde fügen sich zu einem klaren Bild: Erfolg in Bildung und Beruf wird nicht allein durch schulische Leistungsmessung bestimmt, sondern durch ein Zusammenspiel von frühkindlicher Gesundheit, entwicklungsgerechter Förderung und der Fähigkeit, sich in unsicheren Arbeitsmärkten zu behaupten. Für den deutschsprachigen Raum bedeutet dies, dass die Diskussion über gerechtere Noten um eine gesundheitspolitische Dimension erweitert werden muss – etwa durch besseren Infektionsschutz für Säuglinge in Mehrkindfamilien. Gleichzeitig mahnen die Erfahrungen aus Lateinamerika und der arabischen Welt, dass Schulen dringend jene überfachlichen Kompetenzen vermitteln müssen, die über den reinen Wissenserwerb hinausgehen. Die Herausforderung der kommenden Jahre wird sein, Bildungs- und Gesundheitspolitik so zu verzahnen, dass weder Geburtsrang noch Geschlecht über Lebenschancen entscheiden.
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Das Schulsystem bewertet alle mit gleichem Maß, benachteiligt aber systematisch Jungen und übersieht wichtige Kompetenzen. Jüngere Geschwister werden zudem durch frühe Atemwegsinfekte zurückgeworfen, was ihre späteren Bildungs- und Einkommenschancen mindert. Gesundheit und Benotungspraxis bilden unsichtbare Käfige, die den Erfolg junger Menschen bremsen.
Die heutige Schule bereitet junge Menschen nicht auf die künftigen Herausforderungen vor, sodass eine Kluft zu Universität und Arbeitsmarkt entsteht, die Demotivation erzeugt. Um diesen unsichtbaren Käfig zu durchbrechen, bieten NGOs und Unternehmen Mentoring-Programme an, die kritisches Denken und Soft Skills fördern. Eine Reform der Sekundarstufe, die sich an den realen Anforderungen orientiert, ist dringend geboten.
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