
Umstrittene Handgeste eines VAR-Offiziellen überschattet Deutschlands WM-Auftakt
Nach dem 7:1-Sieg gegen Curaçao fordert das Antidiskriminierungsnetzwerk Fare die Entfernung des australischen Schiedsrichters Shaun Evans, dessen Geste als rassistisches Symbol gedeutet wird.
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist nur wenige Tage alt, und schon sieht sich die FIFA mit einer Kontroverse konfrontiert, die weit über den Rasen hinausreicht. Im Mittelpunkt steht der australische Video-Schiedsrichterassistent Shaun Evans, der während der Live-Übertragung des Spiels zwischen Deutschland und Curaçao am Sonntag in Houston eine Handgeste zeigte, die von der Antidiskriminierungsorganisation Fare Network als neonazistisches Symbol eingestuft wird. Fare, die als offizieller Partner der FIFA für die Überwachung von Diskriminierung fungiert, forderte am Montag unmissverständlich die sofortige Entfernung des 38-Jährigen aus dem Turnier. Die Szene ereignete sich, als die Regie vor dem Anpfiff das Schiedsrichterteam aus dem VAR-Zentrum in Dallas einblendete: Evans formte mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand einen Kreis, während die übrigen drei Finger abgespreizt nach unten wiesen – eine Geste, die traditionell als „Okay“-Zeichen bekannt ist, in rechtsextremen Kreisen jedoch seit Jahren als Code für „White Power“ verwendet wird.
Die Ambivalenz des Zeichens ist der Kern des Konflikts. Die amerikanische Anti-Defamation League hatte das umgekehrte „OK“-Symbol bereits 2019 in ihre Liste der Hasssymbole aufgenommen, betonte aber zugleich, dass es nicht in jedem Kontext eine rassistische Botschaft transportiere. Aus dem Umfeld des Schiedsrichters verlautete, es habe sich um eine unbewusste Bewegung ohne ideologische Absicht gehandelt; andere Beobachter spekulierten über einen missglückten Scherz im Sinne des sogenannten „Circle Game“. In den sozialen Netzwerken, insbesondere auf X, entbrannte binnen Minuten eine hitzige Debatte, die von deutschen Medien wie der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aufgegriffen wurde. Während der deutsche TV-Kommentar die Geste zunächst ignorierte, meldeten sich Stimmen aus der arabischen Welt, aus Indien und Lateinamerika zu Wort, die unisono eine lückenlose Aufklärung verlangten.
Die FIFA selbst reagierte zunächst zurückhaltend. Man sei über den Vorfall informiert und habe eine Untersuchung eingeleitet, hieß es aus dem Weltverband; eine offizielle Stellungnahme blieb jedoch aus. Diese Vorsicht spiegelt die juristische und kommunikative Gratwanderung wider, vor der die Organisation steht: Einerseits hat sie sich mit Kampagnen wie „No Discrimination“ öffentlichkeitswirksam gegen Rassismus positioniert, andererseits muss sie den Grundsatz der Unschuldsvermutung wahren und darf sich nicht von internetgestützten Empörungswellen treiben lassen. Aus Washingtoner Sicht wird der Fall besonders brisant, weil die USA als Gastgeberland eine verschärfte Sensibilität für hate speech mitbringen und die ADL als einflussreiche Stimme gilt. Europäische Antirassismus-Initiativen wie Fare wiederum drängen auf ein Exempel, um die Glaubwürdigkeit der FIFA-Präventionsarbeit nicht zu untergraben.
Für die deutsche Mannschaft, die mit einem Kantersieg von 7:1 in das Turnier gestartet ist, rückt die sportliche Leistung durch die Affäre unfreiwillig in den Hintergrund. Der Deutsche Fußball-Bund hat sich bislang nicht öffentlich geäußert, doch intern dürfte man die Entwicklung mit Sorge verfolgen, schließlich hatte der DFB in der Vergangenheit selbst mit rassistischen Vorfällen in den eigenen Reihen zu kämpfen und legt heute gesteigerten Wert auf eine klare Haltung. Auch in Australien, der Heimat von Evans, wächst der Druck: Die dortige Football Federation Australia sieht sich mit Fragen konfrontiert, wie ein eigener Schiedsrichter derart in Verruf geraten konnte.
Der Fall Evans wird zur Belastungsprobe für das Antidiskriminierungsregime der FIFA in einem Turnier, das ohnehin unter hoher sozialer Beobachtung steht. Sollte die Untersuchung den Vorwurf erhärten, droht nicht nur die Entfernung des Schiedsrichters, sondern auch eine grundsätzliche Debatte über die Auswahl und Schulung von Offiziellen. Bleibt der Verdacht unbestätigt, wird die FIFA erklären müssen, warum ein mehrdeutiges Handzeichen in einer live übertragenen Szene nicht als Verstoß gegen ihre eigenen Richtlinien gewertet wird. So oder so: Die Bilder aus Dallas haben eine Diskussion entfacht, die weit über die Frage „Okay“ oder „White Power“ hinausweist – sie zwingt den Weltfußball, die Wirksamkeit seiner symbolpolitischen Instrumente neu zu vermessen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Ein australischer Videoschiedsrichter wird untersucht, nachdem er live eine als rechtsextremes Symbol bewertete Handgeste zeigte. Die europäische Presse spricht von einem Skandal und fordert schnelle Aufklärung sowie Konsequenzen vom Weltverband FIFA.
Ein australischer Schiedsrichter wurde beschuldigt, bei einer WM-Übertragung ein 'White Power'-Zeichen gezeigt zu haben, doch die angelsächsische Berichterstattung verweist auf die Doppeldeutigkeit der umgedrehten OK-Geste. Der Ton bleibt sachlich und konzentriert sich auf die Online-Kontroverse und die Symbolgeschichte.
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