
Volkswagen stößt Mehrheit an Everllence ab – Bain Capital zahlt 7,4 Milliarden Euro
Der Verkauf der Großmotorensparte bringt dem Konzern dringend benötigte Liquidität für die Elektro-Transformation und wirft ein Schlaglicht auf die Führungsstruktur.
Der Volkswagen-Konzern gibt die Mehrheit an seiner Großmotoren-Tochter Everllence an den US-Finanzinvestor Bain Capital ab. Für 51 Prozent der Anteile fließen 7,4 Milliarden Euro nach Wolfsburg; VW behält 49 Prozent. Die Transaktion, die noch unter behördlichem Genehmigungsvorbehalt steht, soll die finanzielle Basis des Konzerns in der laufenden Transformation stärken.
Der Verkauf reiht sich in eine branchenweite Fokussierung auf das Kerngeschäft ein. Während VW mit dem Erlös Investitionen in die Elektromobilität und digitale Technologien vorantreiben will, kündigte Renault zeitgleich den Abbau von 800 Ingenieursstellen in Frankreich an. Beide Konzerne reagieren damit auf einen verschärften Wettbewerbsdruck, insbesondere durch chinesische Hersteller, die neue Modelle in etwa zwei Jahren entwickeln – halb so schnell wie europäische Wettbewerber. In Wolfsburg sind zudem bis 2030 insgesamt 50.000 Stellenstreichungen geplant, von denen 28.000 bereits über freiwillige Programme vereinbart wurden.
Aus Sicht der Finanzmärkte ist die Trennung von Everllence, das bis 2024 als MAN Energy Solutions firmierte, überfällig. Das Unternehmen mit rund 16.000 Beschäftigten, darunter 900 in Zürich, produziert Großmotoren für Schiffe und Industrieanlagen sowie Wärmepumpen. Drei Bieterkonsortien hatten Angebote abgegeben, die laut mit der Sache vertrauten Personen deutlich über neun Milliarden Euro lagen. Bain Capital erhielt den Zuschlag, obwohl das Gebot das niedrigste war, weil der Investor die umfassendsten Zusagen zur Übernahme möglicher Haftungsrisiken aus japanischen Ermittlungen zu überhöhten Verbrauchswerten bei Schiffsmotoren machte.
Die Transaktion wirft zugleich ein Schlaglicht auf die VW-Führungsstruktur. Weil die Porsche SE und der Großaktionär Katar in einem konkurrierenden Bieterkonsortium vertreten waren, mussten sechs Aufsichtsräte von der Abstimmung ausgeschlossen werden. Beobachter in Frankfurt monieren, dass es dem Gremium an unabhängigen Kontrolleuren fehle, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Für die Beschäftigten von Everllence gelten unterdessen Standort- und Beschäftigungsgarantien bis 2030. Der Abschluss der Transaktion wird für Ende 2026 erwartet, sobald die Kartellbehörden und die Arbeitnehmervertretungen in Frankreich zugestimmt haben.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
2 Mediengruppen · 2 Sprachen
Der Verkauf der Mehrheit an Everllence an Bain Capital für 7,4 Milliarden Euro wird als pragmatischer Schritt dargestellt, um die teure Elektrowende von Volkswagen zu finanzieren. Dennoch schwingt Skepsis mit, einen Industriebetrieb mit 900 Beschäftigten an einen Finanzinvestor abzugeben, aus Sorge, dass Finanzlogik über Industriestrategie siegt. Der Deal gilt als notwendiger Kompromiss, der jedoch einen bitteren Beigeschmack hinterlässt.
Angelsächsische Medien rahmen den Everllence-Verkauf als erzwungene Veräußerung zur Geldbeschaffung und heben die Schwierigkeiten von Volkswagen hervor, die Elektrowende zu finanzieren, ohne nicht-strategische Vermögenswerte abzustoßen. Der Einstieg von Bain Capital wird mit der üblichen Skepsis gegenüber Private Equity betrachtet, wobei Risiken für Arbeitsplätze und die industrielle Zukunft der Marke betont werden. Der Deal gilt als Gradmesser für den finanziellen Druck auf europäische Autobauer.
Erweitere deinen Horizont
USA bombardieren Iran nach Drohnenangriff auf Frachter – Waffenruhe in der Krise
7 Sprachen · 47 Quellen
Aus TechnologyFehlalarm in den Emiraten: Technischer Defekt löst Raketenwarnung aus
4 Sprachen · 11 Quellen
Aus Science & HealthSemaglutid-Daten belegen Nutzen bei Herz, Leber und Atemwegen – Paradigmenwechsel in der Adipositas-Behandlung
2 Sprachen · 6 Quellen