
Venezuela einen Monat nach den Beben: Opferzahlen steigen, Vermisste bleiben ungewiss
Die offizielle Zahl der Todesopfer der Erdstöße vom 24. Juni liegt bei über 5.300, doch wie viele Menschen noch unter Trümmern vermutet werden, ist weiterhin nicht amtlich bestätigt.
Einen Monat nach den zwei schweren Erdstößen, die am 24. Juni binnen 39 Sekunden den Norden Venezuelas erschütterten, haben die Behörden die Zahl der bestätigten Todesopfer auf mindestens 5.346 erhöht. Nach Angaben des Parlamentspräsidenten Jorge Rodríguez stieg die Zählung zuletzt auf 5.398, während die Zahl der Verletzten unverändert mit 16.740 angegeben wird. Besonders betroffen ist der Küstenstaat La Guaira, wo nach offiziellen Angaben 190 Gebäude vollständig einstürzten und weitere 856 beschädigt wurden.
Die Zahl der Vermissten bleibt indes eine der größten Ungewissheiten. Die Regierung in Caracas hat hierzu keine eigenen Zahlen veröffentlicht. Eine Bürgerinitiative namens „Desaparecidos Terremoto Venezuela“ registrierte rund 29.500 Personen, zu denen kein Kontakt hergestellt werden konnte. Das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) berichtete von unbestätigten Schätzungen, wonach bis zu 50.000 Menschen vermisst sein könnten. Um die Identifizierung der Toten voranzutreiben, rief der nationale forensische Dienst Senamecf Angehörige dazu auf, freiwillig DNA-Proben abzugeben. Nicht identifizierte Opfer wurden bereits in Massengräbern auf einem Friedhof in La Guaira beigesetzt.
Für den Wiederaufbau hat Interimspräsidentin Delcy Rodríguez die Bereitstellung von 4.000 Wohnungen bis Jahresende und 10.000 weiteren bis 2027 zugesagt. Der Internationale Währungsfonds gab rund 346 Millionen US-Dollar aus Währungsreserven frei, und die Nationalversammlung verabschiedete Reformen zur Beschleunigung des Wohnungsbaus. Parallel dazu läuft eine internationale Hilfswelle: Kolumbianische Stiftungen, Einzelhandelsketten und humanitäre Organisationen lieferten Dutzende Tonnen Lebensmittel, Medikamente und Ausrüstung. Die kolumbianische Fluggesellschaft Latam unterstützte den Transport erster Hilfsgüter, während die Kampagne „Venezuela: Un Minuto por los panas“ weiter Spenden sammelt.
Besondere Sorge gilt den schätzungsweise 36.000 vom Beben betroffenen Schwangeren. Nach Angaben von Save the Children werden in den kommenden Wochen rund 4.000 von ihnen entbinden – etwa 130 Geburten pro Tag. Das wichtigste Entbindungskrankenhaus in La Guaira ist weiterhin geschlossen; komplexe Fälle müssen nach Caracas verlegt werden. In den Notunterkünften fehle es an vorgeburtlicher Versorgung, nahrhafter Kost und sauberem Wasser, warnte die Organisation. Der hohe Stresspegel der Mütter könne zudem die Entwicklung der Neugeborenen beeinträchtigen und das Risiko von Frühgeburten erhöhen.
Die Such- und Rettungsarbeiten gehen unterdessen in eine neue Phase über. Nach mehr als 1.400 Nachbeben richtet sich der Fokus zunehmend auf humanitäre Hilfe und den Wiederaufbau. Die Identifizierung der Toten und die Klärung der Vermisstenzahlen bleiben vorerst provisorisch.
| Lateinamerikanische Presse | 0.00 | neutral |
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| Subsaharisch-afrikanische Presse | 0.00 | neutral |
| Japanisch-koreanische Presse | +0.50 | aligned |
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