
USA verhängen Zusatzzölle wegen Zwangsarbeit – WTO-Klage und bilaterale Verhandlungen als Antwort
Die Abgaben von 10 oder 12,5 Prozent auf Importe aus rund 60 Staaten treffen vor allem arbeitsintensive Branchen; zahlreiche Rohstoffe und Agrarprodukte bleiben ausgenommen.
Die Vereinigten Staaten haben in der vergangenen Woche Zusatzzölle auf Waren aus rund 60 Ländern verhängt, weil diese nach Ansicht des Handelsbeauftragten (USTR) nicht ausreichend gegen die Einfuhr von Produkten vorgehen, die ganz oder teilweise mit Zwangsarbeit hergestellt wurden. Die auf Grundlage von Section 301 des US-Handelsgesetzes erhobenen Abgaben betragen je nach Land 10 oder 12,5 Prozent und treten zusätzlich zu bereits bestehenden Sätzen in Kraft. Ausdrücklich ausgenommen sind zahlreiche Rohstoffe und Agrarerzeugnisse: Für Kolumbien etwa unterliegen Kaffee, Öl, Kohle und Gold weiterhin dem präferenziellen Marktzugang, in Uruguay bleiben Rindfleisch, Zellstoff und Orangen verschont, und in Indien sind Generika sowie Smartphones nicht betroffen.
In Lateinamerika wirkt sich der Schritt besonders auf arbeitsintensive Sektoren aus. Nach Berechnungen des kolumbianischen Außenhandelsverbands Analdex trifft der Zollsatz von 12,5 Prozent rund 30 Prozent der Exporte in die USA; am stärksten betroffen ist die Blumenindustrie, die 80 Prozent ihrer Lieferungen in den US-Markt schickt. Die Regierung in Bogotá wies jede Schuld von sich; Präsident Petro erklärte, nicht für die US-Handelspolitik verantwortlich zu sein, und verwies auf das hohe Militärbudget und fiskalische Defizite in Washington. Der designierte Vizepräsident Restrepo machte dagegen die Untätigkeit der scheidenden Regierung für die Eskalation verantwortlich und kündigte für die kommende Woche Gespräche mit US-Stellen an. Uruguay, das nun 12,5 statt zuvor 10 Prozent zahlt, verweist darauf, dass 77,5 Prozent seiner Exporte ausgenommen bleiben; die Regierung Orsi will im Rahmen eines Wettbewerbsgesetzes ein Importverbot für Zwangsarbeitsprodukte festschreiben. Brasilien, das bereits seit 2025 mit einem Strafzoll von 25 Prozent belegt ist, sieht sich durch die zusätzlichen 12,5 Prozent einer kumulierten Belastung von 37,5 Prozent für Maschinen, Holz, Fette und Schuhe gegenüber; das Wirtschaftsministerium in Brasília kündigte eine eigenständige Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) an.
Indien, das mit 10 Prozent Zuschlag zu den weniger stark belasteten Ländern zählt, betont, dass 45 Prozent seiner Ausfuhren – darunter Generika und Smartphones – zollfrei bleiben. Neu-Delhi unterstreicht die laufenden Verhandlungen über ein bilaterales Handelsabkommen, von dem es sich auch eine Lösung für Textilien erhofft; hier ist ein spezielles Quotenverfahren für Baumwolltextilien aus US-amerikanischer Faser zwar angekündigt, aber noch nicht in Kraft.
Während einige Staaten – wie Kolumbien – auf direkte Verhandlungen mit Washington setzen, um ein Dekret zum Verbot von Zwangsarbeitsimporten vorzulegen, wählt Brasilien den Weg über die WTO. Die ersten Konsultationen könnten noch im August beginnen. In jedem Fall dürften die neuen Abgaben die Handelsbeziehungen zwischen den USA und den betroffenen Ländern in den kommenden Monaten prägen und den Druck auf institutionelle Reformen zur Bekämpfung von Zwangsarbeit erhöhen.
Erweitere deinen Horizont
Indiens „Kakerlaken“-Proteste: Hungerstreik beendet, doch Rücktrittsforderung bleibt
11 Sprachen · 28 Quellen
Aus TechnologyElon Musk zieht Bilanz: Politische Reue und ungebremster Techno-Optimismus
3 Sprachen · 5 Quellen
Aus Science & HealthFortschritte bei seltenen Erkrankungen: Gentherapien und mRNA-Impfstoffe zeigen erste Erfolge
4 Sprachen · 6 Quellen