
Rutte beschwichtigt vor NATO-Treffen: US-Kürzungen kein Abzug, Europa investiert massiv
Trotz amerikanischer Reduzierungen bei Krisenreserven betont Mark Rutte die ungebrochene Bündnistreue Washingtons, während die europäischen Partner ihre Verteidigungsausgaben binnen eines Jahres um fast 20 Prozent erhöht haben.
Am Vorabend des NATO-Verteidigungsministertreffens in Brüssel hat Generalsekretär Mark Rutte versucht, die Wogen zu glätten. Die Ankündigung Washingtons, seine Zusagen für das neue NATO-Kräftemodell zu reduzieren, sei „als Problem dargestellt worden, als zögen sich die USA von ihren Verbündeten zurück“, sagte Rutte. „Doch das entspricht nicht der Realität.“ Die Vereinigten Staaten blieben dem Bündnis fest verpflichtet, die Anpassungen beträfen vor allem die Frage, wer im Krisenfall welche Fähigkeiten bereitstelle. Es gehe nicht um den Abzug stationierter Truppen, sondern um eine Neugewichtung der Lastenverteilung, bei der Washington von den Europäern die „primäre Verantwortung“ für die konventionelle Verteidigung erwarte.
Hintergrund sind konkrete Kürzungen: Amerikanische Medien berichten von einer Reduzierung der in Europa vorgehaltenen Kampfjets um ein Drittel, der Verlegung von Bomberstaffeln und der Ausdünnung von Luftbetankungs- und Marinekapazitäten. In NATO-Kreisen wird hinter vorgehaltener Hand von einer „ungesunden Abhängigkeit“ von US-Fähigkeiten gesprochen. Aus Washingtoner Sicht ist der Schritt Teil der seit Jahren von Präsident Trump forcierten Neuausrichtung: Die Europäer sollen ihre Verteidigungsetats endlich auf ein Niveau bringen, das der strategischen Realität entspricht. Die USA würden der Ukraine weiterhin essenzielle Militärhilfe leisten, so Rutte, doch die finanzielle Hauptlast werde künftig Europa tragen.
Die europäischen Verbündeten und Kanada haben darauf mit einer beispiellosen Investitionsoffensive reagiert. Nach Angaben Ruttess stiegen ihre Verteidigungsausgaben im Jahr 2025 um mehr als 90 Milliarden Dollar – ein Plus von nahezu 20 Prozent innerhalb eines Jahres. Weitere Steigerungen sind für 2026 bereits eingeplant. Viele Staaten seien auf Kurs, das auf dem Gipfel in Den Haag vereinbarte Ziel von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2035 zu erreichen. Auch bei den Krisenreserven des neuen NATO-Kräftemodells hätten europäische Partner bereits zusätzliche Kräfte gemeldet, um die von Washington hinterlassenen Lücken zumindest teilweise zu schließen. Für Deutschland, das seine Verteidigungsausgaben zuletzt deutlich erhöht hat, aber noch immer unter der Fünf-Prozent-Marke liegt, bedeutet dies anhaltenden politischen Druck. Österreich und die Schweiz, die nicht der NATO angehören, beobachten die Dynamik mit Sorge: Eine Verschiebung der sicherheitspolitischen Architektur Europas berührt auch ihre Neutralität und ihre Fähigkeit zur Landesverteidigung.
Die Verteidigungsminister werden bei ihrem Treffen nicht nur die neuen Lastenteilungspläne erörtern, sondern auch die Vorbereitung des NATO-Gipfels in Ankara. Die entscheidende Frage bleibt, ob die europäischen Staaten die finanziellen und industriellen Anstrengungen dauerhaft durchhalten und vor allem jene strategischen Fähigkeiten ersetzen können, die bisher fast exklusiv von den USA bereitgestellt wurden – von der Satellitenaufklärung bis zur strategischen Luftbetankung. Moskau, das die Entwicklung aufmerksam verfolgt, sieht in der US-Anpassung einerseits eine Schwächung der transatlantischen Klammer, andererseits aber auch einen europäischen Rüstungsschub, der das Kräfteverhältnis an der Ostflanke langfristig verändern könnte. Die NATO tritt in eine Phase ein, in der europäische Souveränität in der Verteidigung nicht mehr nur Schlagwort, sondern operative Notwendigkeit ist.
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Rutte drängt Europa, glaubwürdige Pläne vorzulegen, um das Ziel von 5 % des BIP für Verteidigungsausgaben bis 2035 zu erreichen, und stellt die US-Reduzierung nicht als Rückzug, sondern als notwendigen Anstoß für europäische Eigenständigkeit dar. Er hebt zudem Trumps sehr positive Rolle im Ukraine-Friedensprozess hervor und stellt klar, dass die essenzielle Militärhilfe fortgesetzt wird, aber Europa die Last tragen muss.
Die Vereinigten Staaten lassen Europa im Stich und demontieren die NATO-Verteidigung mit beispiellosen Kürzungen: Ein Drittel der Kampfjets, Luftbetankungssysteme, Bomber und Marinepräsenz werden drastisch reduziert. Washington zwingt die europäischen Verbündeten, ihre vollständige Abhängigkeit aufzugeben und selbst für ihre Sicherheit zu sorgen – eine gefährliche strategische Wende.
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