
US-Konsum trotzt Zinswende: Einzelhandel und Immobilienmarkt überraschen im Mai
Trotz hoher Hypothekenzinsen und schwindender Steuerimpulse legten die Umsätze stärker zu als erwartet – ein Signal für die Widerstandskraft der amerikanischen Binnenwirtschaft.
Die amerikanischen Verbraucher haben im Mai ihre Ausgaben unerwartet kräftig gesteigert und zugleich den Immobilienmarkt belebt. Nach revidierten Daten des Handelsministeriums in Washington stiegen die Einzelhandelsumsätze gegenüber April um 0,9 Prozent auf 763,7 Milliarden Dollar. Analysten hatten lediglich mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet, nachdem der Vormonatswert auf 0,4 Prozent nach unten korrigiert worden war. Ohne die schwankungsanfälligen Autoverkäufe ergab sich ein Zuwachs von 0,8 Prozent, während die Erlöse abseits der Tankstellen – begünstigt durch sinkende Benzinpreise – um 0,7 Prozent zulegten. Besonders deutlich griffen die Konsumenten bei Online-Händlern zu, deren Umsätze um 1,5 Prozent kletterten; Möbel- und Einrichtungshäuser verbuchten ein Plus von 1,0 Prozent, während Elektronikmärkte einen leichten Rückgang hinnehmen mussten.
Parallel dazu überraschte der Immobiliensektor mit einem deutlichen Sprung bei den schwebenden Hausverkäufen. Der von der National Association of Realtors ermittelte Index stieg im Mai um 3,8 Prozent auf 76,8 Punkte – Volkswirte hatten nur mit einem Anstieg von 1 Prozent gerechnet. Aus Washingtoner Sicht wertete der NAR-Chefökonom die späte Frühjahrsbelebung als Beleg für eine aufgestaute Nachfrage und eine zunehmende Akzeptanz der Käufer, Hypothekenzinsen von über sechs Prozent als „neue Normalität“ zu betrachten. Gegenüber dem Vorjahresmonat lag der Index um 4,8 Prozent höher, was die Robustheit des Immobilienmarktes trotz restriktiver Geldpolitik unterstreicht.
Als kurzfristige Stützen wirkten in beiden Bereichen die großzügigen Steuerrückerstattungen, die in den USA traditionell im Frühjahr ankommen, sowie das wärmere Wetter, das den Konsum im Freien und den Besuch von Geschäften begünstigte. Allerdings warnen Ökonomen in Washington und São Paulo übereinstimmend, dass dieser fiskalische Puffer bereits an Wirkung verliert. Die inflationsbereinigte Kaufkraft dürfte daher in den kommenden Monaten nachlassen, zumal die nominalen Einzelhandelszahlen nicht preisbereinigt sind und die jüngsten Zuwächse teilweise höhere Preise widerspiegeln.
Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft sind die Signale aus den USA dennoch ermutigend. Eine widerstandsfähige Konsumnachfrage im wichtigsten Absatzmarkt außerhalb Europas stützt die Auftragslage bei Maschinenbauern, Automobilherstellern und der Chemieindustrie, die unter der schwächelnden Binnenkonjunktur in Deutschland leiden. Zugleich bleibt die Zinslandschaft ein Risiko: Sollte die US-Notenbank angesichts des robusten Konsums und eines sich stabilisierenden Wohnungsmarktes länger an hohen Leitzinsen festhalten, könnte dies den Druck auf die Europäische Zentralbank erhöhen, ihre eigene Zinswende behutsam zu dosieren, um den Euro nicht zu schwächen und importierte Inflation zu vermeiden.
Der Ausblick bleibt damit zwiespältig. Die Mai-Daten zeigen eine Wirtschaft, die sich gegen geldpolitische Gegenwinde stemmt, doch die nachlassende Fiskalstütze und die schleichende Ermüdung der Haushalte nach zwei Jahren erhöhter Lebenshaltungskosten mahnen zur Vorsicht. Für die deutschsprachigen Volkswirtschaften, die eng mit dem amerikanischen Konjunkturzyklus verflochten sind, bleibt die Entwicklung der realen Kaufkraft in den USA der entscheidende Gradmesser – nicht die nominalen Schlagzeilen eines einzelnen Monats.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die US-Haushalte zeigten sich im Mai widerstandsfähig: Die Einzelhandelsumsätze stiegen um 0,9 %, begünstigt durch wärmeres Wetter und sinkende Benzinpreise. Ökonomen warnen jedoch, dass der Impuls durch großzügige Steuerrückerstattungen nachlässt und die Dynamik möglicherweise nicht anhält.
Die Berichterstattung wendet sich vollständig von den USA ab und richtet den Blick auf Südafrika, wo die Einzelhandelsumsätze im April im Jahresvergleich um 1,3 % stiegen. Die kurze Meldung gibt lediglich die Zahlen wieder und enthält keinerlei Kommentar zum amerikanischen Geschehen.
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