
Iran nach drei Remis ausgeschieden: Ein Abseits um Zehenspitze und ein Kopfball in letzter Sekunde beenden die Hoffnungen
Nach drei Unentschieden ohne Niederlage scheitert die iranische Mannschaft dramatisch an der besten dritten Platzierung – belastet von logistischen Hürden und einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung.
Der entscheidende Schlag fiel nicht auf dem Rasen von Seattle, sondern in Kansas City. Vier Minuten nachdem Riyad Mahrez Algerien in der Nachspielzeit scheinbar zum 3:2-Sieg und Iran damit in die K.-o.-Runde geschossen hatte, stieg Sasa Kalajdzic nach einem Kopfball von Michael Gregoritsch in der letzten Aktion des Spiels ebenfalls per Kopf zum 3:3-Ausgleich hoch. Für Iran bedeutete dieser späte Treffer das jähe Ende aller Hoffnungen: Weil auch Kroatien Ghana mit 2:1 bezwang und die DR Kongo Usbekistan mit 3:1 besiegte, waren alle drei Szenarien, die dem Team noch einen Platz unter den acht besten Gruppendritten beschert hätten, binnen weniger Stunden geplatzt.
Auf dem Feld hatte sich die Enttäuschung bereits eine Nacht zuvor angebahnt. Im letzten Gruppenspiel gegen Ägypten lag Iran früh durch einen Gegentreffer zurück, glich durch einen verwandelten Foulelfmeter von Ramin Rezaeian aus, sah aber auch Mehdi Taremi mit einem Strafstoß scheitern. Als Verteidiger Shoja Khalilzadeh in der dritten Minute der Nachspielzeit nach einem Gewühl im Strafraum den Ball über die Linie drückte, feierte die Bank bereits den ersten Einzug in eine WM-K.-o.-Runde. Nach minutenlanger Videobebachtung erkannte der Unparteiische jedoch eine hauchdünne Abseitsposition – die Spitze von Khalilzadehs Fuß war dem vorletzten ägyptischen Verteidiger um Zentimeter voraus. Ein letzter Kopfball des Torschützen klatschte noch an die Latte, ehe das 1:1 endgültig besiegelt war. Rezaeian hielt die Tränen vor den Reportern kaum zurück: „Ich kann nicht sehen, dass wir Glück haben. Wir wollten unser Volk einfach glücklich machen.“
Die sportliche Dramatik überlagerte ein Turnier, das für die iranische Delegation von außersportlichen Erschwernissen geprägt war. Wegen des seit Februar andauernden Kriegszustands zwischen den USA und Iran hatte die US-Regierung die Einreisebestimmungen drastisch verschärft: Mehr als ein Dutzend Betreuer und Verbandsmitarbeiter erhielten keine Visa, das ursprünglich in Tucson, Arizona, geplante Basislager wurde ins mexikanische Tijuana verlegt. Die Mannschaft durfte amerikanischen Boden erst am Vortag der Spiele betreten und musste unmittelbar nach Abpfiff wieder ausreisen. Erst zur letzten Partie lockerte Washington die Auflagen und gewährte eine Einreise zwei Tage vor dem Ägypten-Spiel. Die iranische Seite verurteilte in mehreren Schreiben die Behandlung als „ungerecht und unsportlich“ und beklagte eine bewusste Behinderung durch den Co-Gastgeber. Aus US-Sicht verwiesen Offizielle hingegen darauf, alle Einschränkungen seien dem Team vor Turnierbeginn bekannt gewesen.
Während der gesamten Gruppenphase blieb Iran ungeschlagen, ohne jedoch ein Spiel zu gewinnen. Drei Remis gegen Belgien (0:0), Neuseeland (0:0) und Ägypten (1:1) sowie null Tore Differenz reichten nur zu Platz drei hinter Belgien und Ägypten mit je fünf Punkten. Zwei weitere annullierte Treffer – ein zweiter Abseits-Zentimeter gegen Belgien, ein Lattentreffer gegen Neuseeland – nährten in Teheran die Wahrnehmung einer von Pech verfolgten Mannschaft. Trainer Amir Ghalenoei sprach von der „am schlechtesten behandelten Mannschaft des gesamten Turniers“, sein Kapitän Mehdi Taremi nannte die Weltmeisterschaft eine „Katastrophe“ und forderte den Weltverband auf, die logistischen Probleme künftig zu unterbinden.
Iran verlässt das Turnier als einer der prominentesten Leidtragenden der Drittplatzierungsregel und hinterlässt eine Debatte über die Verquickung von Sport und Geopolitik. Während die deutsche Nationalmannschaft und die Schweiz im weiteren Turnierverlauf stehen, ist für die Nachbarn aus Asien die Reise beendet. Der Dank der iranischen Spieler galt dem mexikanischen Publikum, das sie in Tijuana „mit Wärme und Großzügigkeit“ empfangen habe – ein Zeichen der Verbundenheit, das in den sozialen Netzwerken weite Verbreitung fand.
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