
Ukrainische Drohnen treffen Logistikzentren in Russland – mindestens acht Tote
Bei nächtlichen Drohnenangriffen auf Logistikzentren des Online-Händlers Wildberries in Russland kamen mindestens acht Menschen ums Leben, über 50 wurden verletzt.
In der Nacht zum 18. Juli haben ukrainische Drohnen Logistikzentren des größten russischen Online-Händlers Wildberries in Kotowsk (Region Tambow) und Elektrostal (Region Moskau) sowie ein Öldepot in Noginsk getroffen. Nach Behördenangaben starben in Kotowsk sieben Mitarbeiter der Nachtschicht, in Elektrostal erlag ein Verletzter seinen Wunden; insgesamt wurden mehr als 50 Menschen verletzt, etliche von ihnen schwer. Die Angriffe lösten Großbrände aus, erzwangen die Evakuierung einer Entbindungsklinik und eines Wohnhauses in Noginsk und führten zu Einschränkungen im Luftverkehr.
Aus Kiewer Sicht erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, die Schläge seien eine Vergeltung für russische Angriffe auf die ukrainische Zivilinfrastruktur. Er behauptete, die getroffenen Lager hätten der Versorgung mit sanktionierten Komponenten für die Drohnenproduktion und Navigationsausrüstung gedient. Aus Moskauer Sicht verurteilte das russische Ermittlungskomitee die Attacken als Terrorakte und leitete Strafverfahren ein. Der Gouverneur von Tambow, Jewgeni Perwyschow, sprach von einer beispiellosen terroristischen Attacke, bei der Drohnen mit vorgefertigten Splitterkörpern in Form von Metallkugeln bestückt gewesen seien, um möglichst viele zivile Opfer zu verursachen.
Das russische Verteidigungsministerium meldete den Abschuss von 379 Drohnen über 18 Regionen, darunter auch über dem Moskauer Umland, wo nach Angaben des Bürgermeisters mehr als 370 Fluggeräte gezählt und 64 beim Anflug auf die Hauptstadt zerstört worden seien. Die Gründerin von Wildberries, Tatjana Kim, sprach von einer „schrecklichen Nacht“ und sicherte den Familien der Opfer Unterstützung zu, ohne sich zu Entschädigungen für die betroffenen Händler zu äußern.
Die Attacken reihen sich in eine seit Monaten intensivierte ukrainische Kampagne ein, die auf logistische und energetische Infrastruktur tief im russischen Hinterland zielt. Aus westlicher Sicht wird dies als Versuch Kiews gewertet, die Nachschubwege und die Kriegsfinanzierung Moskaus zu stören. Die Angriffe auf zivile Logistikzentren, die nach Darstellung Kiews auch als Drehscheiben für sanktionierte Güter dienten, markieren eine neue Eskalationsstufe im Drohnenkrieg, der zunehmend Ziele in großer Entfernung zur Front erfasst. Die diplomatischen Bemühungen um eine Waffenruhe sind nach Darstellung aus Washington ins Stocken geraten, da sich der Fokus der USA auf den Konflikt mit Iran verlagert habe.
Die russischen Behörden kündigten an, die Ermittlungen zu den „Terroranschlägen“ fortzusetzen und die aufgefundenen Drohnentrümmer forensisch zu untersuchen. Eine unabhängige Bestätigung der von beiden Seiten vorgebrachten Darstellungen liegt nicht vor. Die nächsten Schritte auf internationaler Ebene bleiben ungewiss.
| Russische & GUS-Presse | −0.80 | critical |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | 0.00 | neutral |
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.10 | neutral |
Russland verurteilt den ukrainischen Terrorangriff und beansprucht den Erfolg seiner Luftabwehr, wobei es die zivilen Opfer betont.
Russland deutet den Angriff als Terrorakt um, nutzt den rechtlichen Rahmen, um die Ukraine zu delegitimieren und innenpolitische Unterstützung zu mobilisieren.
Russland lässt die ukrainische Rechtfertigung aus, dass der Angriff eine Vergeltung für russische Bombardierungen ziviler Infrastruktur war, und erwähnt nicht Selenskyjs Behauptung über Drohnenkomponenten in den Lagern.
Der Westen berichtet über den Angriff als Kriegsereignis mit zivilen Opfern und gleicht die Aussagen von Moskau und Kiew aus.
Der Westen verwendet eine 'beide Seiten'-Struktur, präsentiert ukrainische Rechtfertigungen als legitimes Gegenstück, ohne zu verurteilen oder zu feiern.
Der Westen lässt die russische Charakterisierung des Angriffs als Terrorismus und die Einleitung von Strafverfahren aus, ebenso wie die ukrainische Behauptung über Drohnenkomponenten.
Europa berichtet vorsichtig über den Angriff, gleicht die Narrative von Moskau und Kiew aus, führt aber durch Begriffe wie 'angeblich' Skepsis ein.
Europa verfolgt einen Ansatz der 'kritischen Distanz', berichtet russische Behauptungen, schwächt sie aber mit sprachlichen Qualifikationen ab, die Zweifel suggerieren.
Europa übernimmt den russischen Terrorismusrahmen nicht vollständig und berichtet nicht über die ukrainische Behauptung zu Drohnenkomponenten, um eine gleichmäßige Distanz zu wahren.
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