
Überraschungscoup in der Startelf: Boca Juniors setzt auf Debütanten und Leandro Paredes
Boca Juniors startet mit einer unerwarteten Aufstellung in die Copa-Sudamericana-Playoffs – Kapitän Paredes kehrt nur vier Tage nach dem WM-Final direkt in die Startelf zurück.
Die am Vorabend verkündete Mannschaftsaufstellung von Boca Juniors für das Playoff-Hinspiel der Copa Sudamericana gegen O’Higgins birgt gleich mehrere Überraschungen. Trainer Rodolfo Arruabarrena setzt im Tor auf den kolumbianischen Neuzugang Álvaro Montero, der nach seinem Wechsel von Vélez Sarsfield und der WM-Teilnahme noch keine Wettkampfpraxis im neuen Trikot besitzt. Für die rechte Abwehrseite ist der erst 19-jährige Dylan Gorosito vorgesehen – ein Debütant, der von der Tribüne ins Rampenlicht rückt, weil der etatmäßige Zugang Leandro Lozano kurzfristig mit muskulären Problemen ausfiel und zwei weitere Optionen nicht im Kader stehen. Komplettiert wird die Offensive durch die Rückkehr von Sebastián Villa, dessen zweite Ära beim Klub nach einer konfliktreichen Trennung und juristischen Auseinandersetzungen beginnt.
Die personelle Neuausrichtung ist die unmittelbare Konsequenz eines verkorksten ersten Halbjahres. Nach dem enttäuschenden dritten Platz in der Libertadores-Gruppe hinter Universidad Católica und Cruzeiro wechselte Boca auf die internationale Nebenbühne und vertraut nun auf den „Vasco“ Arruabarrena, der in seinem zweiten Engagement an der Bombonera die Mannschaft sportlich und atmosphärisch neu justieren soll. Die Playoff-Paarung gegen den chilenischen Vertreter O’Higgins ist dabei weit mehr als eine Formsache: Ein Sieg im Hinspiel würde bereits ein Unentschieden im Rückspiel zum Weiterkommen genügen lassen, während ein Remis oder gar eine Niederlage den Druck auf das Auswärtsspiel in Rancagua enorm erhöhen würden.
Das überragende Thema der Vorberichterstattung war indes die physische und mentale Frische von Leandro Paredes. Der Weltmeister von 2022 hatte am vergangenen Sonntag mit Argentinien das WM-Endspiel gegen Spanien verloren – und stand dennoch keine 96 Stunden später in der heimischen Startformation. Eine Rippenfraktur, die er sich im Turnierverlauf zugezogen hatte, ignorierte er demonstrativ. „Ich wollte dem Team sofort zur Verfügung stehen“, ließ er vor dem Anpfiff verlauten, während andere argentinische Nationalspieler wie Enzo Fernández oder Alexis Mac Allister von ihren Klubs in die Ferien entlassen wurden. Paredes’ Entscheidung unterstreicht den Stellenwert dieser Partie, die für Boca nach 18 Jahren ohne internationalen Titel eine willkommene Chance zur Wiedergutmachung darstellt.
Für die beiden kolumbianischen Neuzugänge Montero und Villa markiert der Abend ebenfalls einen Neustart. Montero, 31, war bei Vélez Stammtorhüter und saß bei der WM als Ersatzmann hinter Camilo Vargas auf der Bank – nun soll er die verletzungsgeplagte Position zwischen den Pfosten langfristig stabilisieren. Villa hingegen, dessen erste Etappe in Buenos Aires zwischen 2018 und 2023 von sportlichen Erfolgen und außersportlichen Kontroversen geprägt war, wird am linken Flügel für Torgefahr sorgen, während Routinier Miguel Merentiel die Sturmspitze besetzt. O’Higgins, das mit einem 2:1-Erfolg gegen Unión Española im Rücken anreiste und auf den argentinischen Abwehrchef Alan Robledo baut, startet mit einer eingespielten Elf, die in der Gruppenphase nur São Paulo den Vortritt lassen musste.
Der Sieger dieses Duells trifft im Achtelfinale auf den paraguayischen Überraschungssieger Deportivo Recoleta. Für Arruabarrena, der erst im Juli das Chefzepter von Claudio Úbeda übernommen hatte, ist der internationale Auftakt eine Belastungsprobe, die über den Saisonverlauf entscheiden könnte – und die mit einer mutigen, verjüngten sowie international erfahrenen Achse bewältigt werden soll.
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