
Tyra Banks zieht gegen Netflix vor Gericht: Dokumentation über «America’s Next Top Model» soll ihren Ruf beschädigt haben
Die Schöpferin des Castingformats wirft den Produzenten vor, ihr Interview von über drei Stunden auf 16 Minuten gekürzt und verfälscht zu haben.
In Los Angeles hat das Supermodel und Moderatorin Tyra Banks am Wochenende beim Bundesgericht eine Verleumdungsklage gegen den Streamingdienst Netflix sowie die Regisseure der Doku-Serie «Reality Check: Inside America’s Next Top Model» eingereicht. Banks, Schöpferin und langjähriges Gesicht der Kult-Castingshow, wirft den Produzenten vor, ein gegebenes dreieinhalbstündiges Interview gezielt auf nur 16 Minuten Bildmaterial gestutzt und durch aus dem Zusammenhang gerissene Aussagen eine falsche, rufschädigende Darstellung konstruiert zu haben. Die im Februar veröffentlichte dreiteilige Serie zeichnet den Aufstieg des Formats nach und lässt neben ehemaligen Kandidatinnen auch frühere Weggefährten wie Kreativdirektor Jay Manuel zu Wort kommen – doch aus Sicht der Klägerin diente das Projekt nicht der Aufarbeitung, sondern der Demontage ihrer Person.
Sowohl in der US-amerikanischen Berichterstattung als auch in deutschsprachigen und arabischen Medien wird der Fall als spektakuläre Konfrontation einer Medienpersönlichkeit mit einem Streamingriesen gewürdigt. Während amerikanische Wirtschafts- und Boulevardblätter die 65-seitige Beschwerdeschrift im Detail ausleuchten und auf die Forderung verweisen, die weitere Verwendung ihres Bildes zu unterbinden, titelt die Bild-Zeitung in Deutschland knapp, Banks schlage nach der Enthüllungsdoku zurück und kämpfe um ihren Ruf. Die libanesische Zeitung An-Nahar wiederum betont, die Verantwortung, die Banks während des Interviews übernommen habe, sei im Schneideraum gelandet und nicht in der Endfassung erschienen.
Banks hatte sich in dem Gespräch ausdrücklich zu umstrittenen Entscheidungen der Show bekannt, etwa zu fragwürdigen Castingmethoden oder Inszenierungen, die Teilnehmerinnen psychisch zugesetzt haben sollen. Diese Passagen wurden jedoch nicht veröffentlicht, während andere Szenen durch Montage einen falschen Eindruck erweckten. Die Klägerin verlangt daher neben Schadenersatz auch eine gerichtliche Anordnung, die Nutzung ihrer Person im Zusammenhang mit der Dokumentarserie zu untersagen – ein Schritt, der über die gewohnte Schadensersatzforderung hinausgeht und die Deutungshoheit über das eigene Bild ins Zentrum rückt.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Grenzen dokumentarischer Erzählweisen und die ethischen Standards im Streamingzeitalter. In Deutschland, wo die Adaption «Germany’s Next Topmodel» mit Heidi Klum seit Jahren zu den erfolgreichsten, aber auch umstrittensten Produktionen von ProSieben zählt, werden ähnliche Debatten über die Verantwortung von Showmachern und die Psychodynamik von Castingformaten geführt. Ein Urteil in den USA könnte daher über den Einzelfall hinaus Signalwirkung für den Umgang mit nachträglicher kritischer Berichterstattung und die Zulässigkeit von Schnitttechniken entfalten, die nach Aussage der Klägerin die Wahrheit verzerren. Die juristische Auseinandersetzung um «Reality Check» wird deshalb auch hierzulande aufmerksam verfolgt – sie zeigt einmal mehr, wie schnell aus vermeintlicher Selbstkritik ein öffentliches Tribunal werden kann, wenn redaktionelle Kontrolle und kommerzielle Interessen aufeinanderprallen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
2 Mediengruppen · 3 Sprachen
Das ehemalige Supermodel Tyra Banks verklagt Netflix wegen Verleumdung. Sie behauptet, die Darstellung in der Dokumentation sei falsch und rufschädigend. Die Klage wirft Fragen zur Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Schutz des persönlichen Images auf. Rechtsexperten erwarten einen langen und teuren Rechtsstreit.
Die Fehde zwischen Tyra Banks und Netflix landet vor Gericht: Das Ex-Topmodel wirft dem Streaming-Riesen vor, sie in einer Serie diffamiert zu haben. Ein weiterer Fall, in dem sich amerikanische Prominente in Millionenklagen streiten und dabei auch abseits der Leinwand für Unterhaltung sorgen. Für europäische Beobachter ein weiterer Beleg für ein US-Rechtssystem, in dem alles zum Geschäft wird.
Verwandte Artikel
Kap Verde schockt Spanien: Historisches Remis zum WM-Auftakt
7 Sprachen · 44 Quellen
SportTunesien entlässt Trainer Lamouchi nach 1:5-Auftaktdebakel gegen Schweden
8 Sprachen · 32 Quellen
GeopolitikHistorischer Auftakt: EU eröffnet Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine
9 Sprachen · 15 Quellen