
T-MEC-Revision: Washington und Mexiko-Stadt vertiefen bilaterale Gespräche – Kanada im Wartestand
Die zweite Verhandlungsrunde zur Überprüfung des nordamerikanischen Handelsabkommens findet ohne Ottawa statt, während die USA Zölle auf Stahl und Autos als Druckmittel einsetzen.
In Washington hat diese Woche die zweite Runde der bilateralen Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko über die Zukunft des trilateralen Handelsabkommens USMCA (in Mexiko T-MEC) begonnen. Mexikos Wirtschaftsminister Marcelo Ebrard und der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer verhandeln dabei über sensible Sektoren wie Landwirtschaft, Energie, Automobilbau und die umstrittenen Stahl- und Aluminiumzölle nach Section 232. Aus mexikanischer Sicht steht die Bewahrung des präferenziellen Marktzugangs im Vordergrund, während Washington auf strengere regionale Ursprungsregeln drängt, insbesondere bei Fahrzeugkomponenten. Präsidentin Claudia Sheinbaum betonte, Mexiko sei bereit, die regionalen Wertschöpfungsquoten zu stärken, sofern dies auf einer echten nordamerikanischen Produktionsbasis beruhe.
Auffällig ist die Abwesenheit Kanadas in diesem Gesprächsformat. Während Mexiko und die USA einen detaillierten Zeitplan mit einer dritten Runde für den 20. Juli vereinbart haben, führt Ottawa lediglich parallele Sondierungsgespräche. Handelsminister Dominic LeBlanc traf Greer am Rande des G7-Gipfels in Frankreich und bezeichnete den Austausch als keine „Einbahnstraße“. Kanada strebt eine Verlängerung des Abkommens um 16 Jahre an, doch Greer signalisierte, dass es keine automatische Bestätigung geben werde. Die Ratingagentur Moody’s wertet diese Entwicklung als Hinweis auf eine zunehmend bilaterale Architektur des Abkommens und sieht in den Bereichen Autos, Stahl und Energie die größten Hindernisse für eine einvernehmliche Lösung.
Für deutsche und europäische Unternehmen mit Produktionsstandorten in Mexiko – darunter Volkswagen, BMW und Daimler Truck – sind die Verhandlungen von erheblicher Bedeutung. Die Unsicherheit über Ursprungsregeln und mögliche Strafzölle zwingt Konzerne bereits dazu, Lieferketten und Investitionspläne neu zu bewerten. Mexiko hat sich im April 2026 zum wichtigsten Warenlieferanten der USA entwickelt, gerade weil viele Exporte die bestehenden Ursprungsregeln erfüllen und so den protektionistischen Maßnahmen Washingtons entgehen. Diese Resilienz könnte sich jedoch als fragil erweisen, sollte die US-Regierung unter Donald Trump die Regeln einseitig verschärfen oder das Abkommen ganz in Frage stellen. Trump selbst hat öffentlich bezweifelt, ob er das Abkommen erneuern will, während Ebrard betont, Mexiko wüsste es längst, wenn Washington aussteigen wollte.
Aus Washingtoner Perspektive ist der Verhandlungsprozess durch den Trade Act von 1974 streng reguliert, was der US-Administration klare gesetzliche Leitplanken setzt. In Mexiko-Stadt hingegen sind die Zuständigkeiten flexibler; die Präsidentin kann die Verhandlungsführung situativ anpassen, was Beobachter als strategischen Vorteil, aber auch als Risiko mangelnder institutioneller Berechenbarkeit werten. Die kommenden Wochen bis zur formellen Überprüfung am 1. Juli werden zeigen, ob es gelingt, die widerstreitenden Interessen in einem trilateralen Rahmen zu versöhnen oder ob das Abkommen faktisch in ein Netz bilateraler Absprachen zerfällt. Für die exportorientierte deutsche Industrie bleibt die Entwicklung ein Gradmesser für die Verlässlichkeit des nordamerikanischen Marktes in einer Ära wachsenden Protektionismus.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Mexiko führt die Überprüfungsgespräche zum USMCA direkt mit den Vereinigten Staaten, während Kanada am Rande bleibt. Die bilateralen Diskussionen über Landwirtschaft, Energie und Autos verlaufen pragmatisch, und die mexikanische Regierung ist zuversichtlich, dass das Abkommen trotz Trumps Zolldrohungen erhalten bleibt.
Kanada sieht sich bei der Überprüfung des CUSMA an den Rand gedrängt, da bilaterale Gespräche zwischen Mexiko und den USA es ausschließen. Kanadische Beamte versuchen, ihre Bedenken geltend zu machen, warnen jedoch, dass die Abhängigkeit von den USA verringert werden muss, während Trump das gesamte Handelsabkommen infrage stellt.
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