
Spionageverdacht im NATO-Hauptquartier: Belgische Justiz nimmt kanadische Praktikantin chinesischer Herkunft fest
Die belgische Bundesstaatsanwaltschaft ermittelt wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit; der Fall nährt in Bündniskreisen die Debatte über Spionageabwehr in sensiblen Militärstrukturen.
Am Freitag nahmen belgische Ermittlungsbehörden eine kanadische Staatsbürgerin chinesischer Herkunft im NATO-Hauptquartier SHAPE bei Mons unter dem Verdacht der Spionage für einen Drittstaat fest. Die Bundesstaatsanwaltschaft teilte am Samstag mit, der Praktikantin werde neben geheimdienstlicher Agententätigkeit auch die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Die Sicherheitsdienste des SHAPE hatten die Frau zuvor den belgischen Nachrichtendiensten gemeldet, nachdem ihr Verhalten aufgefallen war. Am Donnerstag durchsuchten Ermittler Wohnung und Arbeitsplatz der Beschuldigten, ehe eine Untersuchungsrichterin am Freitag Haftbefehl erließ. Die Unschuldsvermutung gelte, betonte die Staatsanwaltschaft.
Die belgische Justiz erklärte, aus ermittlungstaktischen Gründen würden weder die Identität der Frau noch der mutmaßlich begünstigte Staat preisgegeben. Ein Sprecher des SHAPE versicherte, Einsatzbereitschaft und Kommandostrukturen der Allianz seien nicht beeinträchtigt. Aus Ottawa und Peking lagen zunächst keine offiziellen Reaktionen vor. In sicherheitspolitischen Kreisen der NATO-Staaten wurde die chinesische Abstammung der Praktikantin als mögliches Indiz für eine Tätigkeit zugunsten Pekings gewertet, ohne dass die Ermittler diesen Verdacht bestätigten.
Aus Sicht westlicher Nachrichtendienste verdeutlicht der Vorfall die anhaltende Gefahr gegnerischer Aufklärung in sensiblen Militärzentren. Das SHAPE-Hauptquartier, das sämtliche NATO-Operationen plant und koordiniert, zählt zu den attraktivsten Zielen für fremde Geheimdienste. In Brüssel und Washington wird der Fall vor dem Hintergrund zunehmender chinesischer Cyber- und Humanintelligence-Aktivitäten gegenüber dem transatlantischen Bündnis gesehen. Zugleich verweisen Beobachter darauf, dass die frühzeitige Entdeckung durch die SHAPE-eigene Sicherheitsstruktur auf eine verbesserte Spionageabwehr hindeute.
Für Deutschland, das als großer Truppensteller mit eigenen Kommandostrukturen etwa in Ulm und Ramstein eng an SHAPE angebunden ist, birgt der Spionageverdacht unmittelbare sicherheitspolitische Relevanz. Deutsche Behörden registrieren seit längerem eine Zunahme verdächtiger Aktivitäten mit Bezug zu militärischen Liegenschaften. Die Ermittlungen führt die Föderale Kriminalpolizei in Charleroi unter strenger Geheimhaltung; weitere Schritte – darunter eine etwaige Anklageerhebung – sind derzeit nicht absehbar. Das belgische Außenministerium informierte die kanadische Botschaft, die konsularische Betreuung anbot.
Erweitere deinen Horizont
Iran droht Vergeltung nach ukrainischem Angriff auf Handelsschiff im Kaspischen Meer
6 Sprachen · 14 Quellen
Aus Economy & MarketsCXMT wird nach Börsendebüt mit 466 Prozent Kursplus wertvollstes Unternehmen Chinas
12 Sprachen · 23 Quellen
Aus TechnologyFaltbare Smartphones und KI: Die neue Gerätegeneration setzt auf Alltagstauglichkeit
5 Sprachen · 9 Quellen