
Eskalation am Roten Meer: Huthi beschießen saudische Ölanlagen, Riad antwortet mit Luftschlägen
Die Huthi-Miliz attackierte Aramco-Einrichtungen in Dschāzān und Yanbu, während Saudi-Arabien Stellungen in Hodeidah bombardierte – der Konflikt strahlt auf die internationale Schifffahrt aus und treibt Ölpreise über 100 Dollar.
Am Samstagmorgen gaben die saudi-arabischen Behörden kurzzeitige Gefahrenwarnungen für die Küstenstädte Yanbu und Dschāzān heraus, nachdem die von Iran unterstützte Huthi-Miliz aus Jemen nach eigenen Angaben Raketen- und Drohnenangriffe auf dortige Ölanlagen des Staatskonzerns Aramco geflogen hatte. Satellitenbilder zeigten Brände östlich der Raffinerie in Dschāzān, und auch für Yanbu, einen der grössten saudi-arabischen Ölverladehäfen am Roten Meer, wurde die Bedrohungslage als real eingestuft. Ein von griechischen Soldaten in Saudi-Arabien betriebenes Patriot-Raketenabwehrsystem fing nach Angaben athener Sicherheitsquellen zwei aus Jemen abgefeuerte ballistische Raketen ab. Die Angriffe gelten als Vergeltung der Huthi für vorausgegangene Luftangriffe der von Saudi-Arabien geführten Koalition auf militärische Ziele in der jemenitischen Hafenstadt Hodeidah sowie auf eine Marinebasis und ein Kommunikationszentrum.
Die Huthi-Führung erklärte den Beschuss als Teil einer "Seeblockade gegen Saudi-Arabien", die sie zuvor als Reaktion auf die mehrjährige Blockade des Jemen durch die Koalition ausgerufen hatte. Sie kündigte an, die gesamte saudi-arabische Ölinfrastruktur ins Visier zu nehmen, sollte Riad sein Engagement im Konflikt ausweiten, und forderte die sofortige Aufhebung der Belagerung. Aus Sicht Riads stellten die Gegenschläge eine "verhältnismässige militärische Antwort" auf wiederholte Attacken auf Handelsschiffe dar. Die Huthi hatten zuvor zwei saudische Öltanker im Roten Meer attackiert und einen davon leicht beschädigt. Die USA warnten nach den Vorfällen, dass Washington die iranische Führung für weitere Huthi-Aktionen verantwortlich machen werde, und drohten mit "schwerer militärischer Bestrafung" – gleichzeitig verwies Präsident Trump auf laufende Gespräche und signalisierte eine mögliche Verhandlungslösung.
Die Eskalation im Roten Meer trifft die globale Energieversorgung an einer empfindlichen Stelle. Weil der Transport durch die Strasse von Hormus infolge des militärischen Konflikts zwischen den USA und Iran stark eingeschränkt ist, sind Saudi-Arabiens Red-Sea-Häfen und die durch sie führenden Pipelines zu einem Ausweichkorridor für Millionen Barrel Rohöl pro Tag geworden. Reedereien reagierten prompt: Mindestens neun Schiffe änderten ihre Route, einige wurden gezwungen, das Kap der Guten Hoffnung zu umrunden, was die Fahrtzeiten nach Asien erheblich verlängert. Rohöl der Sorte Brent übersprang infolge der Unsicherheit erstmals seit Mai wieder die Marke von 100 Dollar je Barrel, sank jedoch später wieder leicht, nachdem zwei chinesische Supertanker unbehelligt das Bab el-Mandeb passierten. Für die europäische Energiesicherheit – und damit für Deutschland, Österreich und die Schweiz – sind Störungen dieser Seeroute von strategischem Belang, auch wenn die Importabhängigkeit vom Nahen Osten zuletzt zurückging.
Die Vorfälle fügen sich in eine spannungsgeladene Regionalkonstellation. Seit dem Ausbruch offener Feindseligkeiten zwischen den USA und Iran vor zwei Wochen hatten sich beide Seiten nächtliche Luftschläge geliefert; am Wochenende jedoch blieben neue Angriffe aus. Gleichzeitig wurden Vermittlungsinitiativen bekannt: Omanische Vertreter reisten nach Teheran, und Pakistan lotet nach Angaben aus Islamabad Wege aus, die festgefahrenen amerikanisch-iranischen Gespräche wiederzubeleben. Unklar bleibt, ob die Huthi ihre Drohung wahrmachen, den Schiffsverkehr durch das Bab el-Mandeb vollständig zu unterbrechen – derzeit halten sie die Passage für nicht von der Blockade betroffene Nationen offen, doch die Lage kann sich jederzeit ändern. Die nächsten Tage dürften zeigen, ob die Deeskalationssignale aus Washington und Teheran ausreichen, um eine weitere Ausweitung der Kampfhandlungen auf die Seewege des Roten Meeres zu verhindern.
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