
Spider-Man in Arkansas: Wie ein 20-Jähriger im Kostüm zum Verkehrshelden wurde
Eine Überwachungskamera in Jonesboro filmte, wie ein als Spider-Man verkleideter Trampolinpark-Mitarbeiter einem Rollstuhlfahrer über eine Kreuzung half – ein Bild, das sich in Sekunden weltweit verbreitete.
Die Ampel an der Kreuzung von Jonesboro, Arkansas, stand auf Rot, die sechs Fahrspuren waren dicht befahren. Auf dem Gehweg bewegte sich ein Rollstuhlfahrer nur zentimeterweise voran – zu langsam, um die andere Straßenseite vor dem Umschalten des Lichts zu erreichen. Plötzlich öffnete sich die Tür eines roten Jeeps, und eine schlanke Gestalt in einem hautengen rot-blauen Spider-Man-Anzug sprang heraus, packte den Rollstuhl und schob den Mann zielstrebig über die Fahrbahn. Kaum auf der gegenüberliegenden Seite angekommen, eilte der Kostümierte zurück zu seinem Wagen, der noch mitten auf der Straße stand, und fuhr davon, bevor die Ampel auf Grün umsprang. Die städtische Überwachungskamera zeichnete den gesamten Vorgang auf – ein Dokument unfreiwilliger Komik und stiller Entschlossenheit.
Der Mann in der Maske war Christopher Hellenthal, ein zwanzigjähriger Angestellter des „Ultimate Air Trampoline Park“. Er hatte an jenem Vormittag einen „Superhelden-Tag“ für Kleinkinder betreut und trug das Kostüm aus reiner Bequemlichkeit noch, als er in die Stadt fuhr. „Ich sah, dass dieser Mann es nicht schaffen würde“, sagte Hellenthal später der Polizei. Gegenüber CNN Brasil, wo er zunächst eine „geheime Identität“ beanspruchte, ergänzte er: „Mir blieb keine andere Wahl, als zu handeln und ihn zu retten.“ Das Adrenalin habe ihn getrieben; erst hinterher sei ihm bewusst geworden, wie komisch die Szenerie gewirkt haben muss. Dass er denselben Stan Lee als Kind getroffen hatte, den Miterfinder der Spinne, gab seiner spontanen Tat eine beinahe märchenhafte Kontur.
Innerhalb weniger Stunden verbreitete sich der Clip weltweit. Die Polizei von Jonesboro teilte das Video auf ihrer Facebook-Seite mit den Worten, man habe „ein kleines Netz der Freundlichkeit“ entdeckt und danke dem „wahren Superhelden“. BBC, Fox News und CNN Brasil griffen die Geschichte auf; sie traf in den Vereinigten Staaten auf eine Öffentlichkeit, die den Superhelden-Mythos längst in ihr Alltagsvokabular aufgenommen hat. Die Nachricht, dass nur eine Woche später der neue Spider-Man-Film „Brand New Day“ anlaufen würde, verschränkte den Vorfall zusätzlich mit dem popkulturellen Kalender. Hellenthals Handlung war kein bloßes Zitat der Comicwelt, sondern ein realer Eingriff, der die Grenze zwischen Fiktion und Zivilsorge für einen Moment auflöste.
Für Betty Smith, Sprecherin der örtlichen Polizei, war das Geschehene auch nach sieben Dienstjahren beispiellos. Der Parkmanager Packy Magel erkannte seinen Mitarbeiter trotz Vermummung sofort und bestätigte, die Aktion sei „sehr typisch für ihn“ – ein Hinweis darauf, dass sich Zivilcourage nicht in großen Gesten erschöpft, sondern in kleinen, fast beiläufigen Handlungen an den Tag tritt. Während der filmische Spider-Man bald wieder über Leinwände schwingt, bleibt das Standbild einer Verkehrskamera: ein roter Jeep, ein geretteter Mann auf sicherem Gehweg und eine Gestalt im Spandex, die nach getaner Arbeit im Strom des Alltags verschwindet.
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