
Sozialbudget auf Rekordhoch – westliche Wohlfahrtsstaaten geraten an finanzielle Grenzen
Deutschlands Sozialleistungsquote klettert auf 32 Prozent des BIP, während in Frankreich und den USA die Debatte über Renten, Pflege und die Belastung der Haushalte an Schärfe gewinnt.
Das deutsche Sozialbudget hat im vergangenen Jahr mit 1.431 Milliarden Euro einen neuen Höchststand erreicht und ist damit doppelt so stark gewachsen wie die nominale Wirtschaftsleistung. Der Anteil aller Sozialausgaben am Bruttoinlandsprodukt stieg von 31,3 auf 32,0 Prozent – der höchste Wert außerhalb des Corona-Jahres 2020. Getrieben wurde der Anstieg vor allem von der Arbeitslosen- und der Pflegeversicherung, deren Ausgaben um 15,7 beziehungsweise 11,2 Prozent zulegten, während die gesetzliche Rentenversicherung mit 432 Milliarden Euro der größte Einzelposten bleibt.
Parallel dazu verdichten sich in Frankreich die Vorschläge, Rentner stärker zur Finanzierung des Sozialsystems heranzuziehen. Angesichts eines Rentensystems, das ein Viertel der öffentlichen Ausgaben und 14,6 Prozent des BIP bindet, sprechen sich Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2027 offen für höhere Abgaben auf Pensionen und Vermögen aus. In den USA wiederum warnt der Treuhandbericht der Social Security vor einer Zahlungsunfähigkeit des wichtigsten Rentenprogramms im Jahr 2032; ab dann könnten nur noch 78 Prozent der Leistungen ausgezahlt werden, was für Millionen Empfänger einen monatlichen Verlust von durchschnittlich 450 Dollar bedeuten würde.
Die fiskalische Schieflage trifft auf Haushalte, die bereits an anderer Stelle unter Druck stehen. US-Eltern geben in diesem Jahr laut National Retail Federation mit 146,8 Milliarden Dollar so viel für den Schulstart aus wie nie zuvor, obwohl Umfragen eine deutlich gestiegene Sorge vor der wirtschaftlichen Entwicklung zeigen. Gleichzeitig dokumentiert eine Erhebung von Care.com, dass die sogenannte Sandwich-Generation – Erwachsene, die gleichzeitig Kinder und alternde Eltern versorgen – im Schnitt mit 34 Jahren in diese Doppelbelastung gerät und sich finanziell wie beruflich zurückgeworfen fühlt. Mehr als die Hälfte der Befragten hat nach eigenen Angaben eine Beförderung oder Gehaltserhöhung aufgrund der Pflegeverantwortung abgelehnt.
Vor diesem Hintergrund gewinnen strukturelle Reformen an Dringlichkeit. In den USA liegt dem Repräsentantenhaus ein Gesetzespaket vor, das über 60 lange blockierte Vorhaben bündelt – darunter die Aufhebung der Anrechnung von Invaliditätsrenten auf die Altersversorgung kriegsversehrter Veteranen und erweiterte Leistungen für Hinterbliebene. Im Hochschulbereich setzen inzwischen mehr als 60 amerikanische Colleges auf dreijährige Bachelor-Programme mit reduzierten Credit-Anforderungen, um die Kosten für Familien zu senken. Die nächste Belastungsprobe steht in Washington bevor, wenn der Social-Security-Treuhandfonds ohne gesetzgeberisches Eingreifen in sechs Jahren erschöpft ist; in Paris wird die Rentenbesteuerung spätestens mit dem Präsidentschaftswahlkampf 2027 zur zentralen Verteilungsfrage.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.40 | critical |
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