
Sinner vor Wimbledon: Kleine Stellschrauben gegen die Hitze, große Ambitionen auf dem Rasen
Nach seinem körperlichen Einbruch in Paris hat Jannik Sinner die Vorbereitung umgestellt und geht als Titelverteidiger in das Turnier – während der Streit um die Preisgelder den Auftakt überschattet.
Jannik Sinner betritt am Montag als amtierender Champion den Centre Court von Wimbledon. Der Italiener, der im vergangenen Jahr im Finale gegen Carlos Alcaraz triumphierte, hat seine Vorbereitung nach dem Hitzekollaps von Roland Garros neu justiert. „Wir haben etwas verändert, keine großen Dinge, aber kleine Details“, sagte Sinner bei seiner Medienrunde am Samstag. Die Trainingseinheiten seien nun länger und ohne Pausen, um den Körper an die Belastung unter extremer Sonne zu gewöhnen. Medizinische Untersuchungen in Mailand hätten zudem bestätigt, dass gesundheitlich alles in Ordnung sei. Sinner betonte jedoch, dass es sich um einen langen Prozess handele: „Das Ergebnis werden wir hier noch nicht sehen. Dahinter steckt keine Zauberei.“
Der Schock von Paris wirkt nach. In der zweiten Runde der French Open war der Weltranglistenerste nach einer 2:0-Satzführung gegen Juan Manuel Cerúndolo eingebrochen, hatte unter Krämpfen gelitten und das Match verloren. Die Bilder des apathisch wirkenden Südtirolers gingen um die Welt. In London, wo zuletzt Rekordtemperaturen herrschten, gilt nun eine Hitzeregel, die ab einem Hitzeindex von 30,1 Grad eine zehnminütige Pause erlaubt. Sinner selbst gab sich gelassen: „Ich fühle mich gut. Rasen ist ein ganz anderer Belag.“ Anders als in den Vorjahren verzichtete er auf ein Vorbereitungsturnier und reiste direkt aus dem Training in London an – ein Schritt, den er als Vorteil wertet, weil er ohne Zweifel anreise.
Abseits des Platzes sorgt der Konflikt um die Preisgeldverteilung für Unruhe. Führende Spieler, darunter Sinner und Aryna Sabalenka, haben angekündigt, ihre Medienverpflichtungen in der ersten Turnierwoche auf symbolische 15 Minuten pro Spieltag zu beschränken. Aus Sicht der Spielervertreter um den ehemaligen WTA-Chef Larry Scott entspricht dies dem Anteil der Einnahmen, den Wimbledon als Preisgeld ausschüttet – rund 14,4 Prozent. Sie fordern eine schrittweise Anhebung auf 22 Prozent bis 2030. Der All England Club hatte die Preisgelder zuvor um 20 Prozent auf insgesamt 64,2 Millionen Pfund erhöht und zeigte sich von der erneuten Protestaktion überrascht. Sinner äußerte sich auf Nachfrage knapp: „Es geht nicht nur ums Geld, sondern um das ganze Paket mit Wohlfahrt und allem.“ Weitere Fragen zum Thema blockte er ab. Nicht alle Profis tragen die Aktion mit: Der Australier Alex de Minaur und der Deutsche Alexander Zverev verzichteten auf eine Teilnahme, da sie die Erhöhung als wichtigen Schritt anerkennen.
Sportlich erwartet Sinner ein anspruchsvoller Weg. In der ersten Runde trifft er auf den Serben Miomir Kecmanović, im Viertelfinale könnte es zu einem Duell mit Daniil Medwedew kommen, gegen den er zehn der letzten elf Vergleiche gewann. In der gleichen Tableauhälfte steht Novak Djoković, der siebenmalige Champion, der als möglicher Halbfinalgegner gilt. Der verletzungsbedingte Ausfall von Carlos Alcaraz macht Sinner in den Augen vieler Beobachter zum Topfavoriten. Der 24-Jährige selbst hält den Ball flach: „Die ersten Runden sind mental immer sehr schwierig. Ich weiß, wie schwer es ist, hier weit zu kommen.“
Für Sinner beginnt die Titelverteidigung am Montag um 14:30 Uhr deutscher Zeit. Es ist der Auftakt zu einem Turnier, das für ihn nicht nur sportlich, sondern auch atmosphärisch eine besondere Bedeutung hat. Als Mitglied des All England Club genießt er Privilegien, die er nach eigener Aussage erst nach der Karriere richtig einordnen wird. Zunächst aber zählt nur der Rasen – und die Frage, ob die kleinen Stellschrauben gegen die Hitze den gewünschten Effekt bringen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Sinner has rebounded after the Paris collapse and arrives at Wimbledon with renewed energy. The narrative celebrates his resilience, turning the comeback into an inspiring story of determination.
Sinner still has to prove he can meet expectations after the Paris collapse. His preparation for Wimbledon is viewed with caution, with ironic undertones about his struggles on grass.
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