
Rubio wirft Iran Vertragsbruch vor – Teheran nennt US-Ansatz irrational
Während die militärische Eskalation anhält, bezichtigen sich Washington und Teheran gegenseitig der Verhandlungsunwilligkeit; der irakische Premier pendelt als Vermittler.
In einer scharfen wechselseitigen Zuspitzung hat US-Außenminister Marco Rubio der iranischen Führung vorgeworfen, getroffene Abmachungen stets zu brechen, während Teheran den amerikanischen Ansatz als „irrational und hegemonial“ zurückwies. Rubio erklärte am Donnerstag am Rande des ASEAN-Außenministertreffens in Manila, Iran „flehe täglich“ über Drittstaaten um ein Abkommen, sei aber nicht bereit, sich an Vereinbarungen zu halten. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi entgegnete in Teheran, nicht die Vermittlungskanäle seien das Problem, sondern die Weigerung Washingtons, die Interessen Irans zu respektieren.
Aus Washingtoner Sicht hat sich die Islamische Republik durch die wiederholte Änderung von Verhandlungspositionen und die Fortsetzung von Angriffen auf Schiffe im Persischen Golf als unzuverlässig erwiesen. Rubio betonte, Iran zahle dafür einen „jede Nacht steigenden Preis“; die US-Regierung werde die militärische Kampagne fortsetzen, bis die vollständige Denuklearisierung des Landes sichergestellt sei. Zugleich forderte er die internationale Gemeinschaft auf, sich stärker an der Sicherung der Handelswege im Hormus zu beteiligen, und wies Berichte über russische Unterstützung für das iranische Waffenprogramm zurück. Stattdessen beschuldigte er Teheran, die jemenitische Huthi-Miliz zu Angriffen auf saudisch verbundene Schiffe veranlasst zu haben.
Teheran stellt die Schuldfrage grundlegend anders dar. Außenminister Araghchi, der am selben Tag den irakischen Ministerpräsidenten Mohammed Schia al-Sudani empfing, bezeichnete den amerikanischen Verhandlungsstil als „unlogisch, expansionistisch und auf Hegemonie gegründet“. Solange Washington nicht die Souveränität und die Interessen der iranischen Nation anerkenne, seien Fortschritte ausgeschlossen. Die irakische Vermittlung – al-Sudani war zuvor bei Präsident Donald Trump in Washington – wird in Teheran als normaler diplomatischer Austausch gewertet; man habe, so Araghchi, keinerlei Schwierigkeiten mit der Übermittlung von Botschaften.
Die rhetorische Eskalation ist eingebettet in eine sich ausweitende militärische Konfrontation. Nach der Unterzeichnung eines Memorandums über eine Waffenruhe und Verhandlungen zum Nuklearprogramm am 18. Juni hatten die USA die Feuerpause Ende Juni für beendet erklärt und fliegen seither nächtliche Angriffe auf iranische Militärinfrastruktur – nach Angaben des US-Zentralkommandos in der zwölften Nacht in Folge. Iran reagierte mit Vergeltungsschlägen auf US-Stützpunkte in Kuwait, Bahrain, Jordanien und Katar, betont jedoch, diese richteten sich nicht gegen die „Bruderländer“ der Region. Die Rohölpreise zogen unterdessen an: Brent notierte bei 89,7 Dollar, WTI bei 83,8 Dollar je Barrel. Für die europäische Energieversorgung und die deutsche Industrie bleibt die freie Passage durch die Straße von Hormus ein kritischer Faktor. Ein Durchbruch in den festgefahrenen Gesprächen ist derzeit nicht absehbar; die nächste Runde der irakischen Pendeldiplomatie dürfte die Positionen lediglich erneut vermessen.
| Lateinamerikanische Presse | −0.10 | neutral |
|---|---|---|
| Russische & GUS-Presse | −0.60 | critical |
| Israelische Presse | −0.70 | critical |
| Südostasiatische Presse | −0.30 | critical |
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