
Perus Präsidentenwahl: Keiko Fujimori führt hauchdünn – doch das Ergebnis bleibt offen
Nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen liegt die konservative Kandidatin rund 30.000 Stimmen vor dem linken Rivalen Roberto Sánchez, doch angefochtene Wahlprotokolle und Neuauszählungen im Ausland verzögern die endgültige Verkündung bis Mitte Juli.
Mehr als eine Woche nach der Stichwahl um das peruanische Präsidentenamt ist die Auszählung der Stimmen auf 99 Prozent vorangeschritten, doch das offizielle Ergebnis bleibt weiterhin in der Schwebe. Nach Angaben des nationalen Wahlbüros ONPE führt die konservative Kandidatin Keiko Fujimori mit 9.119.025 Stimmen (50,085 Prozent) vor dem linken Herausforderer Roberto Sánchez, der auf 9.088.104 Stimmen (49,915 Prozent) kommt. Der Vorsprung von rund 30.900 Stimmen ist hauchdünn und spiegelt eine tief gespaltene Wählerschaft wider. Bemerkenswert ist die geografische Kluft: Während Sánchez bei den im Inland abgegebenen Stimmen einen Vorsprung von fast 49.000 Stimmen verzeichnet, verdankt Fujimori ihre Führung den peruanischen Wählern im Ausland, die mehrheitlich für sie stimmten.
Die endgültige Entscheidung liegt nun beim Obersten Wahlgericht (Jurado Nacional de Elecciones, JNE), das über 1.661 beanstandete Wahlprotokolle befinden muss. Zusätzlich hat das Gericht in drei ausländischen Städten eine Neuauszählung der Stimmen angeordnet, nachdem Unregelmäßigkeiten gemeldet worden waren. Eine Sprecherin des JNE erklärte, die maximale Frist für die amtliche Verkündung des Ergebnisses liege bei Mitte Juli – nur etwa zwei Wochen vor der für Ende Juli vorgesehenen Vereidigung der neuen Regierung für die Amtszeit 2026 bis 2031. Diese Verzögerung nährt die politische Anspannung in Lima, wo Erinnerungen an die wochenlange Hängepartie nach der Wahl 2021 noch frisch sind.
Die Kandidaten verkörpern gegensätzliche politische Lager. Keiko Fujimori, Tochter des wegen Menschenrechtsverbrechen verurteilten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, steht für eine marktfreundliche, sicherheitsorientierte Politik und führt die Partei Fuerza Popular. Roberto Sánchez, Kandidat des linken Bündnisses Juntos por el Perú, verspricht eine Abkehr vom neoliberalen Kurs und eine Stärkung des Sozialstaats. Die Stichwahl am 7. Juni war eine der knappsten in der jüngeren Geschichte des Andenstaates; bereits in der ersten Runde hatte keiner der 18 Kandidaten eine klare Mehrheit errungen.
Für europäische Beobachter, insbesondere in Deutschland, Österreich und der Schweiz, ist der Ausgang der Wahl von Bedeutung, da Peru ein wichtiger Rohstofflieferant und Handelspartner ist. Die politische Stabilität des Landes beeinflusst Investitionsbedingungen und Lieferketten, etwa bei Kupfer und Agrarprodukten. Zudem wird die neue Regierung über die künftige Ausrichtung gegenüber China entscheiden müssen, das als größter Investor im Bergbausektor eine dominante Rolle spielt. Ein Sieg Fujimoris würde voraussichtlich die enge Anbindung an Washington und die marktwirtschaftliche Orthodoxie fortsetzen, während Sánchez eine Annäherung an linksgerichtete Regierungen der Region suchen dürfte.
Bis zur endgültigen Verkündung Mitte Juli bleibt die Lage angespannt. Die angefochtenen Protokolle und die Neuauszählungen im Ausland könnten den hauchdünnen Vorsprung noch kippen. Beide Lager haben ihre Anhänger zur Wachsamkeit aufgerufen, doch die Gefahr von Straßenprotesten und juristischen Manövern ist real. Für die internationale Gemeinschaft steht nicht nur die Legitimität des nächsten Präsidenten auf dem Spiel, sondern auch die Widerstandsfähigkeit der peruanischen Demokratie in einem polarisierten Umfeld.
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Die rechte Kandidatin Keiko Fujimori hat ihren Vorsprung auf rund 30.000 Stimmen ausgebaut, bei 99 % ausgezählten Stimmzetteln. Das Endergebnis hängt noch von der Prüfung einer kleinen Anzahl angefochtener Zählprotokolle ab, doch der Vorsprung festigt sich langsam.
Mit über 98,5 % der ausgezählten Stimmen führt Keiko Fujimori mit nur 18.478 Stimmen bzw. 0,1 Prozentpunkten. Es ist eine der knappsten Wahlen in der jüngeren Geschichte Lateinamerikas.
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