
Ölpreis fällt nach Sprung über 100 Dollar zurück – Wochenbilanz bleibt stark positiv
Rohöl der Sorte Brent notierte am Freitag unter 98 Dollar, verzeichnete in der Woche jedoch einen Anstieg von rund zehn Prozent, getrieben von der Eskalation im Nahen Osten.
Nachdem der Preis für die Nordseesorte Brent am Donnerstag erstmals seit Mai die Marke von 100 Dollar je Barrel überschritten hatte, setzte am Freitag eine deutliche Korrektur ein. Mit einem Minus von knapp vier Prozent auf 96,78 Dollar blieb der Wochengewinn allerdings mit rund zehn Prozent einer der stärksten der vergangenen Monate. Auch die US-Sorte WTI gab um gut drei Prozent auf 89,31 Dollar nach, nachdem sie am Vortag um mehr als sechs Prozent gestiegen war. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem sich die Befürchtung einer vollständigen Blockade der Meerenge Bab al-Mandeb nicht bestätigt hatte.
Auslöser des Preissprungs waren die dreizehnte Nacht in Folge mit US-Luftangriffen auf iranische Stellungen sowie Angriffe der jemenitischen Huthi-Rebellen auf zwei saudische Öltanker im Roten Meer. Die Huthi erklärten eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien, was die Sorge vor einer Unterbrechung der Öltransporte durch eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt schürte. Das US-Militärkommando Centcom betonte, man unterstütze weiterhin die Passage von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus. Daten des Trackingdienstes Kpler zufolge passierten am Donnerstag jedoch lediglich ein Tanker die Meerenge. Die Schifffahrt durch Bab al-Mandeb nahm indes zu, was Analysten wie Giovanni Staunovo von UBS als Beleg dafür werteten, dass noch keine vollständige Blockade bestehe.
Während die Notierungen international anzogen, senkte der Iran seine offiziellen Verkaufspreise für asiatische Kunden drastisch. Rohöl der Sorte Iranian Light wird im August mit einem Abschlag von 4,35 Dollar gegenüber dem Oman/Dubai-Index angeboten, nach einem Aufschlag von 7,15 Dollar im Juli. Aus Teheraner Sicht hat die Sicherung von Marktanteilen unter dem Druck der Sanktionen Vorrang vor kurzfristigen Preiserlösen. Die US-Bank JPMorgan schätzt, dass jeder Monat anhaltender Versorgungsstörungen den Brent-Preis um sieben bis acht Dollar erhöhen könnte; bei einer dreimonatigen Krise wäre ein Durchschnitt von 114 Dollar möglich.
An den Aktienmärkten stabilisierten sich die Kurse in Europa und den USA nach den Vortagesverlusten, während asiatische Börsen deutlich nachgaben. Technologiewerte gerieten erneut unter Druck, da Alphabet und Tesla hohe Investitionen in künstliche Intelligenz meldeten. In Washington mehrten sich derweil die politischen Spannungen: Der Senat lehnte eine Resolution zur Begrenzung von Präsident Trumps militärischer Handlungsfreiheit ab, während Trump massive Schläge gegen den Iran androhte. Gleichzeitig bemüht sich Pakistan mit chinesischer Unterstützung um eine Wiederaufnahme der festgefahrenen Verhandlungen zwischen Washington und Teheran – ein Faktor, der die Korrektur am Ölmarkt zusätzlich begünstigte. Der weitere Kurs der Rohölpreise hängt nun maßgeblich von diesen diplomatischen Initiativen und der tatsächlichen Sicherheitslage an den beiden strategischen Meerengen ab.
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