
NASA: Fast 59.000 Gebäude nach Erdbeben in Venezuela beschädigt
Satellitengestützte Schätzungen deuten auf umfangreiche Schäden hin; offiziell wurden über 1.700 Tote und Tausende Vermisste bestätigt.
Am 24. Juni 2026 erschütterten zwei schwere Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 die zentralvenezolanische Küste. Nach einer ersten, auf Radardaten des europäischen Sentinel-1-Satelliten gestützten Auswertung der US-Raumfahrtbehörde NASA könnten rund 58.870 Gebäude beschädigt oder zerstört worden sein. Die venezolanischen Behörden bestätigten unterdessen 1.719 Todesopfer.
Nach offiziellen Angaben aus Caracas wurden zudem mehr als 5.000 Menschen verletzt. Die Zahl der Vermissten wird von der Regierung mit etwa 16.000 beziffert, wobei zivilgesellschaftliche Plattformen von einer noch höheren Dunkelziffer ausgehen. Die Such- und Rettungsarbeiten in den Trümmern dauern an und werden von internationalen Spezialteams unterstützt.
Die am 27. Juni veröffentlichte NASA-Analyse identifizierte abrupte Oberflächenveränderungen, die mit Gebäudeschäden vereinbar sind. Die Behörde selbst spricht von einer „vorläufigen und schnellen Bewertung“, die noch nicht durch Bodenuntersuchungen validiert wurde. Demgegenüber meldete die venezolanische Regierung am Montag lediglich 855 beschädigte Gebäude, von denen 189 eingestürzt seien. Die Diskrepanz erklärt sich teilweise aus der Methodik: Während die Satellitenbilder großflächige Veränderungen erfassen, beruhen die offiziellen Zahlen auf lokalen Inspektionen, die in schwer zugänglichen Gebieten nur allmählich vorankommen.
Die Beben mit Epizentren nahe San Felipe und Yumare erschütterten vor allem den Bundesstaat La Guaira und die Hauptstadtregion Caracas. Die Europäische Weltraumorganisation ESA erstellte mithilfe derselben Satellitendaten Interferogramme, die Bodenverformungen bis in die Hafenstadt Puerto Cabello zeigen. Aus Washington wurde das Katastrophen-Koordinationssystem der NASA aktiviert, um weitere Karten und Datenprodukte bereitzustellen. Die venezolanische Opposition um María Corina Machado, die sich derzeit in Panama aufhält, erklärte, sie wolle ins Land zurückkehren, um bei den Hilfsmaßnahmen zu helfen, und warf der Regierung vor, dies zu behindern.
Die Validierung der Satellitenschätzungen steht noch aus. Die Behörden betonen, dass sich die Lage in den betroffenen Gebieten weiterhin unübersichtlich darstellt und die endgültige Schadensbilanz erst nach Abschluss der Feldarbeit feststehen wird.
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