
Großbritannien nach Starmer-Rücktritt: Siebter Premier in zehn Jahren erwartet
Der Rücktritt von Keir Starmer als Premierminister und Labour-Chef stürzt das Land in eine weitere Regierungskrise; als Nachfolger gilt der frühere Bürgermeister von Manchester, Andy Burnham.
Keir Starmer hat am Montag seinen Rücktritt als Premierminister und Vorsitzender der Labour Party angekündigt. Wie aus Parteikreisen verlautete, war ihm die Unterstützung im Kabinett und in der Fraktion nach einer Reihe von politischen Rückschlägen und internen Konflikten entzogen worden. Starmer ist damit der sechste Premierminister innerhalb eines Jahrzehnts; mit dem erwarteten Amtsantritt von Andy Burnham, dem früheren Bürgermeister von Greater Manchester, würde das Vereinigte Königreich binnen zehn Jahren den siebten Regierungschef erhalten.
Aus Sicht der Labour Party war Starmer zunehmend isoliert, nachdem er versucht hatte, die verschiedenen Flügel der Partei – von der linken Basis bis zu zentristischen Kräften – zu bedienen, ohne eine klare politische Linie zu verfolgen. Britische Kommentatoren verweisen auf seine niedrigen Popularitätswerte: Laut Ipsos lag seine Zustimmungsrate bereits vor der Wahl 2024 bei minus 21, dem niedrigsten Wert für einen designierten Premierminister in der Geschichte. Die Zeitung The Guardian analysiert, dass Starmer im Gegensatz zu seinem australischen Amtskollegen Anthony Albanese, der als geschickter im Umgang mit der eigenen Fraktion gilt, an mangelnder politischer Erfahrung und innerparteilicher Disziplin gescheitert sei. Die konservative Opposition und die erstarkende Reform-Partei unter Nigel Farage profitieren von der Schwäche der Regierung.
Die politische Instabilität fällt in eine Phase wirtschaftlicher Stagnation, die von Ökonomen der Stanford University und weiteren Forschern in einer aktuellen Studie auf den Brexit zurückgeführt wird. Demnach liegt das britische Bruttoinlandsprodukt heute um sechs bis acht Prozent niedriger als in einem Szenario ohne EU-Austritt; die Investitionen seien um zwölf bis dreizehn Prozent eingebrochen. Die brasilianische Zeitung UOL zitiert aus der Studie, dass der Schaden dauerhaft sei und das Land nicht mehr aufholen könne. Gleichzeitig meldet die britische Föderation der Lebensmittel- und Getränkehersteller (FDF) laut The Guardian einen Rückgang der Exporte in diesem Sektor auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren, was auf US-Zölle und Brexit-Folgen zurückgeführt wird. Aus Brüsseler Sicht hat der Austritt die Handelsbeziehungen nachhaltig belastet, doch die EU-Kommission hatte zuletzt mit der Regierung Starmer über eine Wiederannäherung verhandelt.
Außenpolitisch galt Starmer als verlässlicher Partner der EU in der Unterstützung der Ukraine. Wie die Denkfabrik Chatham House in London analysiert, war er eine treibende Kraft in der „Koalition der Willigen“ und im E3-Format mit Deutschland und Frankreich. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der französische Präsident Emmanuel Macron würdigten seine Rolle für die europäische Sicherheit. Die italienische Zeitung La Stampa berichtet, dass unter Starmer ein Abkommen zur Jugendmobilität mit der EU ausgehandelt wurde, das unter anderem die Rückkehr Großbritanniens zum Erasmus-Programm ab 2027 vorsieht. Ob Burnham diesen Kurs fortsetzt, ist aus Sicht von Beobachtern in Brüssel offen; er gilt zwar als pro-europäisch, hat sich aber bisher vor allem mit innenpolitischen Themen profiliert. Die nächsten Schritte umfassen die Wahl eines neuen Labour-Vorsitzenden und die Bildung einer neuen Regierung, deren außen- und wirtschaftspolitische Ausrichtung über die künftigen Beziehungen zur EU und die Stabilität des Landes entscheiden wird.
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Starmers Rücktritt stürzt Großbritannien in eine weitere Führungskrise, wobei Andy Burnham als größte Hoffnung der Labour-Partei gilt, um der erstarkenden radikalen Rechten entgegenzutreten. Es bleiben jedoch Zweifel, ob seine regionale Anziehungskraft in eine nationale Lösung umgemünzt werden kann.
Der Fall von Starmer ist nur ein weiteres Symptom der transatlantischen Unordnung, da die sogenannten Trump-Flüsterer einer nach dem anderen scheitern. Während Rom und Washington über Selfies und Zölle streiten, könnte Europa endlich gezwungen sein, zusammenzurücken.
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