
Nach Friedensabkommen zwischen USA und Iran: Öltanker passieren wieder die strategisch wichtige Straße von Hormus
US-Präsident Trump meldet das Auslaufen beladener Ölschiffe aus der Meerenge; die Einigung beendet einen über drei Monate dauernden Konflikt und lässt die Energiepreise sinken, doch die Schifffahrtsbranche warnt vor Verzögerungen bei der Normalisierung.
Am Montagmorgen deutscher Zeit meldete US-Präsident Donald Trump via Truth Social, dass erste Schiffe – viele mit Erdöl beladen – das enge Nadelöhr der Straße von Hormus verlassen. „Die Schiffe beginnen, sich zu bewegen, viele davon mit Öl beladen, aus der Straße von Hormus hinaus“, schrieb Trump und präzisierte, sie nähmen die südliche Route, die er als „absolut sicher, geschützt und makellos“ bezeichnete. Der Präsident der Vereinigten Staaten ist auf dem Weg zum G7-Gipfel im französischen Évian, wo der Nahostkonflikt das beherrschende Thema ist. Die Nachricht aus Washington elektrisierte die Energiebörsen – der Ölpreis gab spürbar nach.
Der Ankündigung war ein am Wochenende ausgehandelter Friedensdeal zwischen den USA und der Islamischen Republik Iran vorausgegangen. Nach mehr als einhundert Tagen kriegerischer Spannungen, die Ende Februar eskaliert waren, hob Trump die amerikanische Seeblockade gegen iranische Häfen auf. Im Gegenzug verpflichtet sich Teheran, die Schifffahrtsroute durch die Meerenge in Kooperation mit dem Sultanat Oman zu regulieren und laut Trump auf die Erhebung von Durchfahrtsgebühren zu verzichten. Beobachter in Wien merken an, Teheran habe in ersten Stellungnahmen jedoch auf nautische Servicegebühren verwiesen. Der Vertrag soll nach übereinstimmenden Berichten am kommenden Freitag unterzeichnet werden. Weltweit reagierten Regierungen erleichtert auf die unerwartete Entspannung zwischen den Erzfeinden.
Für die deutsche, österreichische und schweizerische Volkswirtschaft ist die Wiedereröffnung der Straße von Hormus von eminenter Bedeutung. Rund ein Fünftel des globalen Rohölhandels durchläuft dieses Nadelöhr. Die seit Monaten volatilen Energiepreise hatten die Inflationsdynamik im Euroraum angefacht und die Industrie belastet. Nun, mit der Aussicht auf stabile Lieferketten, könnten die Notierungen an den Zapfsäulen und in den Heizungskellern spürbar nachgeben. In Berlin und Bern hoffen Konjunkturexperten auf eine Belebung der exportorientierten Wirtschaftszweige. Dennoch mahnen Logistikexperten zur Vorsicht: Eine vollständige Normalisierung des Schiffsverkehrs könne Wochen in Anspruch nehmen, da Versicherungs- und Sicherheitsfragen noch ungeklärt seien.
Aus geopolitischer Perspektive markiert der Pakt eine bemerkenswerte Wende. Washington gibt mit dem Abkommen einen Teil seiner militärischen Drohkulisse auf, während Teheran ohne formellen Vertrag einlenkt. Kritiker in den USA sehen darin eine Schwächung der eigenen Verhandlungsposition. Nüchtern betrachtet bleibt die Lage fragil: Das iranische Atomprogramm und die Unterstützung militanter Gruppen im Nahen Osten sind nicht Teil der Vereinbarung. Dennoch überwiegt im ersten Schritt die Erleichterung. In den Hauptstädten Europas dominiert die Hoffnung, dass die wieder fliesende Ölader die Weltkonjunktur stützt und zugleich den diplomatischen Gesprächsfaden stärkt – ein doppelter Gewinn für das vielerorts krisengeschüttelte Jahr 2025.
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