
Milei stützt Flávio Bolsonaros Kandidatur und attackiert Lula
Argentiniens Präsident nimmt am Nominierungsparteitag des PL in São Paulo teil, während Brasiliens Regierung von Einmischung spricht.
Mit der offiziellen Nominierung von Senator Flávio Bolsonaro zum Präsidentschaftskandidaten des Partido Liberal (PL) hat am Samstag in São Paulo der brasilianische Wahlkampf begonnen. An der Veranstaltung nahm der argentinische Präsident Javier Milei teil, der dem ältesten Sohn des inhaftierten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro seine uneingeschränkte Unterstützung zusicherte und in einer scharfen Rede den amtierenden Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva als „Dieb“ und „Totalitaristen“ verunglimpfte. Mileis Auftritt, der von der Kampagne als Gegengewicht zur politischen Isolation des Kandidaten inszeniert wurde, löste in Brasília heftige Reaktionen aus: Aus Regierungskreisen wurde der Besuch als „Einmischung in innere Angelegenheiten“ gewertet; zudem untersagte der Oberste Gerichtshof Milei den angestrebten Besuch bei Jair Bolsonaro, der wegen versuchten Staatsstreichs eine 27-jährige Haftstrafe im Hausarrest verbüßt.
Aus der Perspektive der brasilianischen Regierung gefährdet die explizite Parteinahme des argentinischen Staatschefs die ohnehin belasteten bilateralen Beziehungen. Lulas Wahlkampfteam sieht in Mileis Provokationen den Versuch, im Vorfeld der Wahl vom 4. Oktober ein regionales Bündnis rechter Kräfte zu schmieden, das von Washington bis Buenos Aires reicht. Demgegenüber betonen Quellen im Umfeld Mileis, sein Engagement in São Paulo diene der Konsolidierung einer „blauen Welle“ in Lateinamerika und festige seine eigene Rolle als führender Vertreter des libertären Konservatismus. Der PL wiederum hofft, durch die internationale Rückendeckung von den inneren Schwierigkeiten der Kandidatur abzulenken: Flávio Bolsonaro verfügt weder über eine Vizepräsidentschaftskandidatin noch über formelle Allianzen mit den zentristischen Parteien des „Centrão“, die sich überwiegend neutral verhalten.
Die gleichzeitig in Campinas stattfindende Nominierung des ehemaligen Finanzministers Fernando Haddad zum Gouverneur von São Paulo durch den Partido dos Trabalhadores (PT) unterstrich die strategische Bedeutung des Bundesstaates als größtes Wählerreservoir. Haddad nutzte die Bühne, um den amtierenden Gouverneur Tarcísio de Freitas scharf anzugreifen und eine direkte Verbindung zwischen dessen Amtsführung und den von US-Präsident Trump verhängten Strafzöllen herzustellen. Während der PL-Konvent mit KI-generierten Videobotschaften des inhaftierten Jair Bolsonaro versuchte, dessen charismatische Wirkung zu simulieren, kämpfte die Kampagne gleichzeitig mit den Folgen eines öffentlich ausgetragenen Familienkonflikts: Ex-First-Lady Michelle Bolsonaro, zentrale Figur für die Mobilisierung weiblicher und evangelikaler Wähler, hatte sich erst nach wiederholten Entschuldigungen des Senators zu einer versöhnlichen Videobotschaft bereit erklärt, erschien aber nicht persönlich.
Für europäische Beobachter wirft die Entwicklung ein Schlaglicht auf die wachsende transatlantische Vernetzung rechtskonservativer Akteure und die Fragilität regionaler Integrationsprojekte wie des Mercosur. Die handelspolitische Dimension ist konkret: Argentinien bleibt mit einem Handelsvolumen von über 13 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr Brasiliens drittgrößter Partner; eine diplomatische Eskalation könnte die für beide Seiten wichtige wirtschaftliche Verflechtung belasten. Der Wahlkampf tritt nun in eine entscheidende Phase: Die offizielle Propaganda beginnt am 16. August, und bis zum 5. August muss Flávio Bolsonaro seinen Vizepräsidentschaftskandidaten benennen. Parallel dazu wird eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in der Affäre um die Finanzierung des Films „Dark Horse“ über seinen Vater mit Spannung erwartet.
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