
Nach Spahn-Rücktritt: Merz stellt Kabinett um – Warken erste Frau im Kanzleramt, Verkehrsminister bleibt vorerst
Merz ernennt Nina Warken zur ersten Kanzleramtschefin und Carsten Linnemann zum Gesundheitsminister, die Neubesetzung des Verkehrsministeriums verzögert sich nach Absage von Fritz Güntzler.
Ausgelöst durch den Rücktritt des Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eine Umbildung seines Kabinetts vorgenommen. Am Freitag gab er im Kanzleramt bekannt, dass Gesundheitsministerin Nina Warken als erste Frau die Leitung des Bundeskanzleramts übernehmen wird. Der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann rückt als Gesundheitsminister nach, und Philipp Amthor wird Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehungen. Gleichzeitig verschob Merz die ursprünglich vorgesehene Entlassung von Verkehrsminister Patrick Schnieder – der designierte Nachfolger, der Finanzpolitiker Fritz Güntzler, hatte seine Zusage in der Nacht zuvor zurückgezogen. Der Kanzler kündigte lediglich an, es werde „weitere Veränderungen im Bundeskabinett geben“, die aber noch Zeit benötigten.
Aus Sicht der Bundesregierung soll die Umbesetzung den Reformwillen der Koalition unterstreichen. Merz lobte Warken als „harte Verhandlerin“ und Linnemann als „reformwilligen standfesten Minister“. Der Koalitionspartner SPD versicherte über Generalsekretär Tim Klüssendorf eine verlässliche Zusammenarbeit und wünschte den neuen Amtsinhabern einen guten Start. Die Opposition der Grünen hingegen bewertete das Vorgehen als chaotisch und unprofessionell. Die Fraktionsvorsitzenden Britta Haßelmann und Katharina Dröge sprachen von einer Salamitaktik, die Unruhe in die Regierungsgeschäfte bringe; der verkehrspolitische Sprecher Tarek Al-Wazir nannte die gescheiterte Verkehrsminister-Neubesetzung handwerklich katastrophal. Auch innerhalb der Unionsfraktion sorgte der Umgang mit Schnieder für Unmut, wie deutsche Medien vermelden.
Der Wechsel Warkens aus dem Gesundheitsressort in das Führungsamt der Regierungszentrale vollzieht sich zu einem Zeitpunkt, an dem zentrale Reformen – etwa zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung und zur Pflegeversicherung – erst begonnen wurden. Ihr Nachfolger Linnemann, ein marktwirtschaftlich orientierter Ökonom, steht damit vor der Aufgabe, die von Warken vorgelegten Spargesetze umzusetzen und die strukturelle Neuausrichtung des Gesundheitswesens weiterzuführen. Die Pannen bei der Verkehrsminister-Nachfolge deuten auf Abstimmungsprobleme innerhalb der CDU und zwischen Kanzleramt und Fraktion hin. Darüber hinaus nähren sie Spekulationen über eine mögliche Ablösung der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, deren Verhältnis zum Kanzler nach Berichten aus Regierungskreisen angespannt ist.
Der Kabinettsumbau vollzieht sich vor einem angespannten politischen Hintergrund. Umfragen zufolge ist die Zufriedenheit mit der Arbeit der Bundesregierung auf einen historischen Tiefstand gesunken – nur 14 Prozent der Befragten äußerten sich zufrieden mit dem Kanzler. Die in Teilen rechtsextreme AfD führt die bundesweiten Umfragen an und könnte bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September erstmals stärkste Kraft werden. Die weltwirtschaftlichen Unsicherheiten, insbesondere die von den USA verhängten Zölle und der energiepreisbedingte Kostendruck, verstärken die Erwartung an die Regierung, mit Reformen das Wirtschaftswachstum wiederzubeleben.
Die nächsten formellen Schritte stehen bereits fest: Am 29. Juli soll Thorsten Frei, bisheriger Kanzleramtschef, von der Unionsfraktion zum neuen Vorsitzenden gewählt werden. Die Ernennungsurkunden für die neuen Minister sind für den 29. Juli vorgesehen, die Vereidigung im Bundestag wird jedoch erst im September nach der Sommerpause erfolgen. Der Kanzler kündigte für Montag zudem Entscheidungen über die Nachfolge an der CDU-Parteispitze an – als neue Generalsekretärin ist nach Medieninformationen die bisherige Bundesschatzmeisterin Franziska Hoppermann im Gespräch. Das Ausmaß der weiteren Kabinettsumbildung bleibt vorerst offen.
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