
Melatonin und gezielte Physiotherapie: Neue Wege in der Schmerz- und Stressbewältigung
Eine Metaanalyse attestiert dem Schlafhormon Melatonin eine mit Standardanalgetika vergleichbare Wirkung bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen, während australische Forscher ein Übungsprogramm gegen Migräne in die klinische Prüfung überführen.
Die Behandlung chronischer Schmerzen könnte künftig um eine kostengünstige und nebenwirkungsarme Option erweitert werden. Eine an der Universität Sydney durchgeführte Metaanalyse von 23 klinischen Studien mit insgesamt 2.028 Teilnehmern kommt zu dem Ergebnis, dass synthetisches Melatonin Schmerzen des Bewegungsapparats – darunter Rückenschmerzen, Arthrose und Fibromyalgie – auf einer 100-Punkte-Skala um durchschnittlich neun Punkte reduziert. Die in der Fachzeitschrift Pain publizierte Auswertung stuft die schmerzlindernde Wirkung als vergleichbar mit der von nichtsteroidalen Antirheumatika oder Paracetamol ein. Die übliche Dosierung lag zwischen drei und zehn Milligramm täglich, wobei die Verträglichkeit im kurzfristigen Einsatz von ein bis zwei Monaten als gut bewertet wurde.
Der Wirkmechanismus wird in der doppelten Beeinflussung von Schmerz und Schlaf vermutet. „Melatonin scheint beide Faktoren gleichzeitig zu adressieren, was es besonders für Patienten mit chronischen Schmerzzuständen interessant macht“, erklärte der Leiter der Studie, Kangchao Wu. Die Forscher betonen jedoch, dass das Hormon bestehende Schmerzmittel nicht ersetzen, sondern nach ärztlicher Rücksprache ergänzen soll. Parallel dazu verfolgt ein Team der University of Queensland einen physiotherapeutischen Ansatz: Gezielte Rotationsübungen der oberen Halswirbelsäule sollen die Frequenz und Intensität von Migräneattacken senken. Eine Pilotstudie, bei der acht von zehn Teilnehmern über weniger Anfälle berichteten, hat nun zur Rekrutierung für eine erste randomisierte klinische Studie geführt.
Aus mexikanischer Perspektive verweist die Forschungskoordinatorin für Psychiatrie der UNAM, Ingrid Vargas Huicochea, auf die enge Verflechtung von Stress, Schlafstörungen und Schmerzchronifizierung. Dauerhaft erhöhte Cortisolspiegel beeinträchtigen Aufmerksamkeit und Gedächtnis und können somatische Beschwerden wie Muskelverspannungen oder gastrointestinale Probleme verstärken. Die von der UNAM empfohlenen Gegenstrategien – Identifikation von Stressoren, Anpassung der Routine und Techniken wie Yoga oder Meditation – decken sich mit den in internationalen Leitlinien genannten nicht-medikamentösen Interventionen zur Cortisolregulation.
Die Befunde aus Sydney und Queensland unterstreichen einen Paradigmenwechsel hin zu multimodalen, risikoarmen Therapiekonzepten. Während die Melatonin-Studie aufgrund ihres Review-Charakters weitere großangelegte Untersuchungen zur Bestätigung der Langzeiteffekte fordert, steht die australische Migräne-Studie vor dem entscheidenden Schritt der klinischen Validierung. Beide Ansätze könnten, so sie sich bewähren, die Abhängigkeit von opioidhaltigen Analgetika verringern und die Selbstwirksamkeit der Patienten stärken – ein Ziel, das auch in der studentischen Gesundheitsprävention, etwa an indonesischen Hochschulen, zunehmend in den Fokus rückt.
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Melatonin ist eine billige und sichere Waffe gegen chronische Schmerzen, bereits verfügbar und in der Lage, die Abhängigkeit von riskanteren Medikamenten zu verringern.
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