
Luxusjets und neue Routen: Nahost-Airlines treiben Expansion voran
Während Etihad den A380-Service nach Japan ausweitet, bauen Qatar Airways, Riyadh Air und Air Arabia ihre Netze aus – und Royal Air Maroc kehrt an den Golf zurück.
Mit der Landung eines Airbus A380 in Tokio-Narita hat Etihad Airways ein neues Kapitel im Premium-Luftverkehr aufgeschlagen. Die tägliche Verbindung von Abu Dhabi bringt erstmals die weltweit einzige Drei-Zimmer-Suite an Bord – The Residence – auf den japanischen Markt und unterstreicht den Anspruch der Golfcarrier, sich nicht allein über Kapazität, sondern über ein unvergleichliches Luxuserlebnis zu differenzieren. Für den deutschsprachigen Raum ist dies insofern relevant, als Etihad über ihr Drehkreuz Abu Dhabi eine attraktive Umsteigeverbindung für Geschäfts- und Privatreisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Ostasien bietet – mit einem Produkt, das in dieser Klasse selbst die First-Class-Kabinen europäischer Netzwerkairlines übertrifft.
Parallel dazu konsolidiert Qatar Airways ihr Netzwerk. Die Airline aus Doha hat nach eigenen Angaben das Vorkrisenniveau zu 85 Prozent wiederhergestellt und bietet im Sommerflugplan 2026 mehr als 140 tägliche Abflüge zu über 160 Zielen an. Um die nächste Wachstumsphase zu steuern, schuf die Konzernführung zwei neue Führungspositionen, die das Passagiererlebnis entlang der gesamten Reisekette und die Flottenmodernisierung vorantreiben sollen. Aus europäischer Perspektive festigt Katar damit seine Rolle als globaler Umsteigeknoten, der im Wettbewerb mit Emirates und Turkish Airlines zunehmend auf Servicequalität statt auf schiere Größe setzt.
Derweil treibt Saudi-Arabien den Aufbau seines nationalen Luftverkehrs voran. Riyadh Air, die neue staatliche Fluggesellschaft des Königreichs, hat mit der Aufnahme täglicher Dreamliner-Flüge zwischen Riad und Dubai ihre dritte Destination eröffnet. Das Loyalitätsprogramm Sfeer soll mit einer Bestpreisgarantie und exklusiven Vorteilen rasch eine Stammkundschaft aufbauen. Beobachter in Riad sehen darin einen weiteren Schritt, das Drehkreuz der saudischen Hauptstadt als Alternative zu den etablierten Golf-Drehscheiben zu positionieren – ein Vorhaben, das mittelfristig auch den Luftverkehr zwischen Europa und Asien beeinflussen dürfte.
Im Nahen Osten selbst verdichtet sich das Streckennetz ebenfalls. Air Arabia, der größte Billigflieger der Region mit Sitz in Schardscha, kündigte für Juli eine tägliche Nonstop-Verbindung nach Aleppo an. Zusammen mit den bestehenden 21 wöchentlichen Flügen nach Damaskus ab Schardscha und drei weiteren ab Abu Dhabi baut die Airline ihre Präsenz in Syrien deutlich aus. Für die große syrische Diaspora in Deutschland, Österreich und der Schweiz entstehen damit zusätzliche, preisgünstige Reisemöglichkeiten in die Heimat, die über die Drehkreuze der Vereinigten Arabischen Emirate gut erreichbar sind.
Auch Nordafrika verstärkt seine Anbindung an die Golfregion. Royal Air Maroc nimmt im Juli die Verbindungen von Casablanca nach Doha und Dubai wieder auf – täglich nach Katar, dreimal wöchentlich in die Emirate, jeweils mit Boeing 787-8. Die marokkanische Airline reagiert damit auf die wachsende Nachfrage nach Geschäfts- und Kulturreisen zwischen dem Maghreb und der arabischen Halbinsel. Für europäische Passagiere ergeben sich über Casablanca neue Umsteigeoptionen, die den Frankfurter oder Wiener Flughafen als Tor nach Westafrika ergänzen.
Ein Blick nach Lateinamerika rundet das Bild einer globalen Erholung ab: LATAM Airlines beförderte im Mai 7,2 Millionen Passagiere, ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kapazität im internationalen Geschäft stieg um nahezu 15 Prozent, getrieben von wiedereröffneten Routen wie Bogotá–Caracas und Buenos Aires–Rio de Janeiro sowie der neuen Langstrecke Fortaleza–Miami. Die kolumbianische Tochter trägt mit einem Kapazitätszuwachs von 4,5 Prozent im Inland zu diesem Wachstum bei. Die Zahlen belegen, dass die Erholung des Luftverkehrs nicht allein von den Golfcarriern getragen wird, sondern sich über mehrere Kontinente erstreckt. Insgesamt zeichnet sich ein Sommer 2026 ab, in dem die großen Airlines des Nahen Ostens mit Produktoffensiven und dichteren Netzen ihre Position als globale Brückenbauer festigen – zum Vorteil von Reisenden, die zwischen Europa, Asien und Afrika flexible und hochwertige Verbindungen suchen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Golf-Carrier treten in eine ambitionierte Expansionsphase ein, stellen Netzwerke wieder her und führen Premium-Dienste wie den A380 nach Tokio ein. Der Luftfahrtsektor der Region zeigt Widerstandsfähigkeit und setzt auf Luxus und Konnektivität, mit neuen Strecken und verbesserten Kundenerlebnissen.
Die aggressive Expansion der Golf-Carrier wirft Bedenken hinsichtlich Überkapazitäten und unlauteren Wettbewerbs für europäische Fluggesellschaften auf. Während sich die Konnektivität verbessert, bleiben Fragen zur langfristigen Tragfähigkeit und zu den Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Marktgleichgewicht in Europa.
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