
„Home-Office-Nationalspieler“: Lula da Silvas Seitenhieb auf den verletzten Neymar
Während eines Krankenhausbesuchs in Belo Horizonte sorgte Brasiliens Präsident mit einer ironischen Bemerkung über den fehlenden Superstar für Heiterkeit – und für politische Repliken.
Als der Junge im Publikum den Namen Neymar nannte, zögerte Luiz Inácio Lula da Silva keine Sekunde. «Der spielt doch gar nicht!», entgegnete der brasilianische Präsident am Freitag bei einem Termin in einem Belo-Horizonter Krankenhaus und legte lächelnd nach: «Neymar ist der erste Home-Office-Nationalspieler der Welt. Home-Office-Fußballer.» Die Pointe, die Lula nach eigener Auskunft im Internet aufgeschnappt hatte, löste im Saal Gelächter aus. Dann setzte der 80-Jährige noch einen drauf: «Eines Tages müssen wir noch eine Auswahl mit künstlicher Intelligenz aufstellen – mit elf Pelés.»
Der bissige Humor des Staatsoberhaupts traf einen wunden Punkt der «Seleção». Neymar, mit 79 Treffern Rekordtorschütze Brasiliens, laboriert seit Mitte Mai an einer Wadenverletzung zweiten Grades und fehlte beim enttäuschenden 1:1 zum WM-Auftakt gegen Marokko. Auch für das zweite Gruppenspiel wenige Stunden später gegen Haiti stand der 34-Jährige nicht im Kader; er blieb im Teamquartier in New Jersey zurück, um den letzten Teil seiner Rehabilitation zu absolvieren. Carlo Ancelotti und sein Trainerstab wollen kein Risiko eingehen, zumal der Angreifer des FC Santos seit Oktober 2023 kein Pflichtspiel mehr für Brasilien bestritten hat und erst am Mittwoch wieder teilweise ins Mannschaftstraining eingestiegen war.
Lulas Scherz offenbarte indes nicht nur sportliche Sorgen, sondern auch die unterschwellige politische Spannung, die Neymar umgibt. Der Stürmer hatte sich im Wahlkampf 2022 offen für den rechten Amtsinhaber Jair Bolsonaro ausgesprochen und war mehrfach mit ihm aufgetreten. Die gelbe Nationalelf-Trikot wurde in jener Auseinandersetzung zum Symbol des Bolsonarismo – eine Vereinnahmung, von der sich der Verband CBF längst wieder zu lösen versucht. Dass nun Lula, der Bolsonaro besiegte, ausgerechnet Neymar öffentlich auf die Schippe nahm, blieb daher nicht ohne Echo. Senator Flávio Bolsonaro, Sohn des Ex-Präsidenten und selbst Präsidentschaftskandidat, konterte in sozialen Medien: «Neymar ist ein Star, Lula ein Touristen-Präsident.» Und der frühere Gouverneur von Minas Gerais, Romeu Zema (Novo), zielte auf Lulas Ehefrau: «Wäre Janja doch die erste Home-Office-First-Lady der Welt – das würde Brasilien eine Menge Geld sparen.»
Trotz aller Ironie: Für die «Seleção» geht es in der Gruppe C nun um den ersten Sieg. Nach dem Remis gegen Marokko und der Partie gegen Haiti steht am 24. Juni in Miami das Duell mit Schottland an. Die Hoffnung ruht darauf, dass Neymar dann zumindest ein paar Minuten beisteuern kann – und der Humor des Präsidenten endgültig wieder fußballerischen Realitäten weicht.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Bei einer Veranstaltung zur Gleichstellung der Geschlechter scherzte Lula mit einem Kind und nannte Neymar den 'ersten Homeoffice-Nationalspieler der Welt', ein virales Meme aufgreifend. Brasilianische Medien heben die Ironie des Präsidenten hervor, erinnern an einen früheren Fauxpas mit Ronaldo 2006 und an die politische Spannung, weil Neymar Bolsonaro unterstützt hatte. Die Episode vermischt Fußball, Politik und Spott.
Brasiliens Präsident scherzte, Neymar sei der erste Fußballer, der bei einer WM im Homeoffice arbeite, während er sich von einer Verletzung erhole. Die Meldung wird nüchtern wiedergegeben, ohne Hinweise auf politische Spannungen oder Hintergründe.
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