
Lukaschenka entschuldigt sich bei Selenskyj und plädiert für Verhandlungen
Der belarussische Machthaber warnt vor einer militärischen Sackgasse, schließt einen Kriegseintritt Minsks aus und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Vatikan und Israel.
In einem bemerkenswerten Schwenk hat sich der belarussische Präsident Alexander Lukaschenka für seine jüngsten Drohungen gegenüber Kiew entschuldigt und zugleich beide Kriegsparteien zu Kompromissen aufgerufen. In einem Interview mit dem Fernsehsender Al Arabiya, das am Montag ausgestrahlt wurde, räumte Lukaschenka ein, er sei mit seiner harschen Reaktion auf angebliche ukrainische Angriffspläne womöglich „zu weit gegangen“. Zuvor hatte er Präsident Wolodymyr Selenskyj mit dem Sprichwort „Wie man singt, so wird man auch begraben“ gewarnt, nachdem Kiew von 500 Zielen in Belarus gesprochen hatte. Nun schlug er versöhnlichere Töne an: Belarus werde sich nicht an Kampfhandlungen beteiligen, und Selenskyj müsse als „unerfahrener, nicht militärischer Mensch“ vorsichtiger agieren.
Gleichzeitig unterstrich Lukaschenka, dass der Ukraine-Krieg militärisch nicht zu gewinnen sei – weder für Moskau noch für Kiew. Trotz russischer Geländegewinne sei ein vollständiger Sieg auf dem Schlachtfeld unrealistisch. Diese Einschätzung deckt sich mit der Haltung Pekings, das seit Kriegsbeginn auf Verhandlungen drängt und eigene Friedensinitiativen lanciert hat. Lukaschenka, dessen Land sich seit Jahren in einer immer engeren Abhängigkeit von Russland befindet, betonte, er habe mit Wladimir Putin mehrfach über einen möglichen belarussischen Kriegseintritt gesprochen. Der russische Präsident habe ihm zugestimmt, dass ein solcher Schritt mehr Schaden als Nutzen brächte. Belarus sei militärisch zu verwundbar: „Die Ukraine hat uns auf dem Tablett“, sagte Lukaschenka mit Verweis auf die 500 Ziele, die Kiew für den Fall eines belarussischen Eingreifens ins Visier nehmen könnte.
Für Aufsehen sorgte Lukaschenkas Darstellung der Ereignisse vom Frühjahr 2022. Er beschuldigte den Vatikan und „das jüdische Lobby, die Israelis“, den Kreml damals bewusst getäuscht zu haben. Sie hätten im Namen Selenskyjs Friedensbereitschaft signalisiert und so den Abzug der russischen Truppen aus der Region Kiew bewirkt. Ohne diesen angeblichen Betrug, so Lukaschenka, „wäre von Selenskyj und anderen nichts übrig geblieben“. Diese Äußerungen fügen sich in ein Narrativ, das die Schuld für das Scheitern der Istanbuler Verhandlungen von 2022 externen Akteuren zuschiebt – eine Lesart, die in Moskau gern aufgegriffen wird, im Westen jedoch auf Skepsis stößt.
Aus Washingtoner Sicht sind Lukaschenkas Avancen ambivalent. Einerseits signalisiert er Gesprächsbereitschaft mit Donald Trump und schließt ein Treffen nicht aus, was zur jüngsten vorsichtigen Annäherung zwischen Minsk und den USA passt. Andererseits bleibt er Putins engster Verbündeter und gewährt russischen Truppen logistische Unterstützung. In Berlin, Wien und Bern wird man die Entschuldigung gegenüber Kiew zur Kenntnis nehmen, ohne Illusionen über Lukaschenkas Rolle zu hegen. Seine Anschuldigungen gegen den Vatikan und Israel dürften in Europa als durchsichtiger Versuch gewertet werden, von der eigenen Mitverantwortung abzulenken.
Lukaschenkas Interview offenbart das Dilemma eines Autokraten, der zwischen vollständiger Unterordnung unter Moskau und dem Wunsch nach begrenzter internationaler Rehabilitation laviert. Seine Warnung vor einer endlosen militärischen Pattsituation könnte als indirekter Hinweis auf russische Erschöpfung gelesen werden. Für die Zukunft bleibt entscheidend, ob solche Äußerungen in Moskau toleriert werden oder ob Lukaschenka damit seinen ohnehin schmalen Handlungsspielraum weiter einengt. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob seine Worte in Kiew, Washington oder Peking auf fruchtbaren Boden fallen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Lukaschenko, Putins treuer Verbündeter, enthüllt die Täuschung durch den Vatikan und die israelische Lobby, die Moskau 2022 zum Rückzug aus Kiew verleitete. Er tut Selenskyjs Drohungen als unerfahrenes Prahlen ab, versichert, dass Belarus nicht in den Krieg eintreten wird, und bezeichnet den US-Konflikt mit dem Iran als fatalen Fehler.
Der belarussische Staatschef drängt Russland und die Ukraine zu einem Kompromiss und räumt ein, dass ein militärischer Sieg für beide Seiten unrealistisch ist. Minsk verbessert die Beziehungen zu Washington und schließt ein Treffen mit dem US-Präsidenten nicht aus, was auf eine mögliche Vermittlerrolle hindeutet.
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