
ISS-Verlängerung bis 2030 vereinbart – Sojus MS-29 bringt neue Crew zur Station
Roskosmos und NASA einigen sich auf den Weiterbetrieb der Internationalen Raumstation und intensivieren die technische Koordination, während ein russisch-amerikanisches Team die Arbeit im All aufnimmt.
Die Internationale Raumstation wird mindestens bis 2030 gemeinsam betrieben. Darauf verständigten sich der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Bakanow, und NASA-Administrator Jared Isaacman am Rande des Sojus-Starts am 14. Juli in Baikonur. Die sofortige messbare Folge: Die 74. Langzeitbesatzung der ISS wird planmäßig um drei Personen erweitert, und die seit über 25 Jahren ununterbrochene menschliche Präsenz im Orbit ist für weitere vier Jahre institutionell abgesichert.
Der Zubringerflug selbst verlief nach einer zweieinhalbstündigen Ultra-Kurz-Anflugbahn. Das Raumschiff Sojus MS-29 mit den Roskosmos-Kosmonauten Pjotr Dubrow und Anna Kikina sowie dem NASA-Astronauten Anil Menon an Bord dockte automatisch am Modul „Pritschal“ an. Wenig später öffneten die Luken, und die Neuankömmlinge betraten die Station, wo sie von sieben Besatzungsmitgliedern – darunter Jessica Meir (NASA), Sergej Kud-Swertschkow (Roskosmos) und Sophie Adenot (ESA) – empfangen wurden. Für Dubrow und Kikina ist es der zweite Raumflug, für Menon der erste. Die Mission ist auf 261 Tage ausgelegt; das russische Programm sieht 38 Experimente und zwei Außenbordeinsätze vor.
Aus Moskauer Sicht markiert der Besuch des NASA-Chefs – der erste eines Leiters der US-Raumfahrtbehörde in Baikonur seit acht Jahren – eine pragmatische Fortsetzung der orbitale Kooperation trotz der Spannungen infolge des Ukraine-Kriegs. Bakanow und Isaacman vereinbarten neben der ISS-Verlängerung einen verstärkten Austausch technischer Parameter für die künftigen nationalen Orbitalstationen beider Länder sowie eine detailliertere Koordination der Satellitenkonstellationen, um Kollisionsrisiken zu minimieren. Der russische Erste Vizepremier Denis Manturow, der ebenfalls mit Isaacman zusammentraf, sprach zudem von Gesprächen über eine mögliche Zusammenarbeit bei Mondprogrammen – von Kopplungsmechanismen bis zur Weltraummedizin.
Die Crew wird in den kommenden Monaten ein breites Forschungsspektrum bearbeiten. Menon, ein Notfallmediziner und Oberst der US Space Force, soll unter anderem untersuchen, wie sich Langzeitaufenthalte auf den Blutkreislauf auswirken, KI-gestützte Ultraschallsysteme testen und Verfahren zur Herstellung von Halbleiterkristallen in Schwerelosigkeit erproben. Die Ergebnisse fließen in die Vorbereitung künftiger Mond- und Marsmissionen ein. Der nächste sichtbare Meilenstein ist der erste Außenbordeinsatz nach russischem Plan, während parallel die technischen Arbeitsgruppen beider Raumfahrtagenturen die Abstimmung über Satellitenbahnen und Stationsstandards aufnehmen.
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