
Irans WM-Auftakt: Zwangsumzug, Visaprobleme und politische Proteste
Nach dem 2:2 gegen Neuseeland musste die iranische Mannschaft die USA sofort verlassen; Trainer Ghalenoei sprach vom „unterdrücktesten Team der WM-Geschichte“.
Das sportliche Ergebnis geriet fast zur Nebensache. Am Montagabend trennte sich Iran im Los-Angeles-Stadion mit 2:2 von Neuseeland – ein leidenschaftliches Spiel mit zweimaligem Rückstand und zweimaligem Ausgleich. Doch die eigentliche Geschichte spielte sich abseits des Rasens ab. Nur Stunden nach dem Abpfiff wurde die Delegation angewiesen, unverzüglich in ihr Trainingslager im mexikanischen Tijuana zurückzukehren. Eine Übernachtung zur Regeneration in Kalifornien, wie ursprünglich vorgesehen, wurde untersagt. Trainer Amir Ghalenoei zeigte sich fassungslos: „Wir sind vielleicht die am meisten unterdrückte Mannschaft in der Geschichte der Weltmeisterschaften“, sagte er. Der Hintergrund: Seit Februar befinden sich die USA und Iran in einem militärischen Konflikt; ein kurz zuvor verkündetes Friedensabkommen änderte an den Reisebeschränkungen nichts.
Die logistischen Hürden verschärften sich durch Visaprobleme. Dem Flügelspieler Mehdi Torabi war nur ein Visum zur einmaligen Einreise ausgestellt worden – es erlosch unmittelbar nach der Partie. Die iranische Föderation bemüht sich nun um eine Verlängerung, damit Torabi am kommenden Spiel gegen Belgien teilnehmen kann. Zudem wurden Kapitän Mehdi Taremi und ein Assistenztrainer am Flughafen von Los Angeles von den Einwanderungsbehörden festgehalten; ihr „unbegründeter Aufenthalt“ verzögerte den Abflug der gesamten Mannschaft. Iranische Staatsmedien berichteten von einem „Desaster“ und beklagten, dass wichtige Teile des Betreuerstabs sowie der Verbandspräsident gar keine Einreiseerlaubnis erhalten hatten und die Spiele von Mexiko aus verfolgen mussten.
FIFA-Präsident Gianni Infantino suchte nach dem Spiel die iranische Kabine auf, um den Spielern für ihren Einsatz zu danken. „Ihr seid stärker als alles und sendet eine starke Botschaft an die Welt“, sagte er. Doch die Geste stieß auf verhaltene Reaktionen. Ghalenoei nutzte die Gelegenheit für eine direkte Beschwerde: Die FIFA müsse sich für faire Bedingungen einsetzen, die ständigen Grenzübertritte und der Zeitdruck seien inakzeptabel. Aus europäischer Sicht wurde Infantinos Besuch als Versuch gewertet, die Wogen zu glätten, während die strukturellen Probleme ungelöst blieben.
Auch auf den Rängen war die Politik allgegenwärtig. Zehntausende iranischstämmige Amerikaner – Los Angeles beheimatet die größte iranische Diaspora außerhalb des Landes – nutzten das Spiel für Proteste gegen das Regime in Teheran. Vorrevolutionäre Flaggen mit Löwe-und-Sonne-Emblem, von der FIFA als politisches Symbol verboten, wurden in die Hosen geschmuggelt und entrollt. Die Nationalhymne wurde ausgepfiffen, Transparente erinnerten an getötete Demonstranten. Ein Torjubel von Mohammad Mohebi, der eine Pistolengeste in Richtung Zuschauer machte, sorgte für zusätzliche Kontroversen. Aus Washingtoner Sicht blieben die Behörden stumm; die Sicherheitsauflagen wurden mit Verweis auf den andauernden Konflikt gerechtfertigt.
Die Vorgänge werfen ein Schlaglicht auf die beispiellose Situation: Erstmals trägt ein Gastgeberland ein WM-Turnier aus, während es sich mit einem Teilnehmer im Krieg befindet. Irans Team muss für jedes Gruppenspiel aus Mexiko einfliegen und unmittelbar danach wieder ausreisen – ein Rhythmus, der nach Aussage der Spieler die Regeneration unmöglich macht und die Chancen auf ein faires Turnier schmälert. Während die iranische Führung von „Unterdrückung“ spricht, verweisen Beobachter in Asien und Europa auf die grundsätzliche Frage, ob Sport unter solchen Vorzeichen überhaupt seine integrative Kraft entfalten kann. Die nächsten Partien gegen Belgien und Ägypten werden zeigen, ob die sportliche Leistung unter dem politischen Druck bestehen kann – und ob Torabi überhaupt einreisen darf.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Der Iran wurde unmittelbar nach dem Abpfiff aus den USA ausgewiesen, ohne jede Erholungszeit. Der Trainer prangerte die Behandlung als Unterdrückung an und nannte sein Team das am stärksten verfolgte des gesamten Turniers. Der sofortige Ausweisungsbefehl wirkt wie politische Vergeltung, getarnt als logistische Maßnahme.
Irans Trainer gab an, das Team sei aufgefordert worden, die USA unmittelbar nach dem Spiel zu verlassen, sagte aber nicht, wer den Befehl erteilt habe. Die Mannschaft hatte erwartet, zur Regeneration in Kalifornien zu übernachten, und die plötzliche Änderung sorgte für Frust. Der Vorfall fügt einem ohnehin politisch aufgeladenen Turnier eine weitere Reibungsebene hinzu.
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