
Indien und Australien operationalisieren Uranabkommen und vertiefen Sicherheitspartnerschaft
Beim dritten Jahresgipfel in Melbourne unterzeichneten beide Länder 18 Vereinbarungen, darunter die lang erwartete administrative Regelung für australische Uranexporte nach Indien.
Der indische Premierminister Narendra Modi und sein australischer Amtskollege Anthony Albanese haben am Rande ihres Gipfeltreffens in Melbourne die administrative Vereinbarung zur Operationalisierung des zivilen Nuklearabkommens von 2014 unterzeichnet. Damit wird der Weg für langfristige australische Uranlieferungen an indische Kernkraftwerke frei, die ausschließlich friedlichen Zwecken und der Überwachung durch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) unterliegen. Parallel verabschiedeten beide Regierungen eine gemeinsame Erklärung zur Verteidigungs- und Sicherheitskooperation, eine Roadmap für maritime Sicherheitszusammenarbeit sowie die Gründung der Partnerschaft für Cyber, kritische Technologien und Lieferketten (PACTS). Insgesamt wurden 18 Abkommen geschlossen, die von der Zusammenarbeit im Sport bis zur beschleunigten Aushandlung eines umfassenden Wirtschaftsabkommens (CECA) reichen.
Aus Sicht Neu-Delhis erfüllt die Uranvereinbarung ein zentrales energiepolitisches Ziel. Premierminister Modi bezeichnete das Abkommen als „bedeutenden Schritt“, der Indiens saubere Energieziele voranbringe und die Versorgungssicherheit diversifiziere. Der indische Außenminister Vikram Misri erläuterte, dass nach fast zweijährigen intensiven Verhandlungen Berichts- und Kontrollprotokolle vereinbart wurden, die beide Seiten hinsichtlich Lieferung, Handhabung und Buchführung des Materials zufriedenstellten. In Canberra wird die Vereinbarung als Teil einer breiteren wirtschaftlichen Diversifizierungsstrategie gesehen. Premierminister Albanese unterstrich, Australien wolle ein verlässlicher und vertrauenswürdiger Uranlieferant sein. Die australische Regierung betrachtet Indien als zentralen Pfeiler ihrer neuen ökonomischen Roadmap, die auf eine Verringerung der Abhängigkeit vom chinesischen Markt abzielt.
Die sicherheitspolitischen Abkommen vertiefen die praktische Zusammenarbeit im Indopazifik. Die gemeinsame Verteidigungserklärung sieht eine verstärkte Interoperabilität der Streitkräfte und industrielle Kooperation vor, während die maritime Roadmap gemeinsame Lagebilder und den Austausch zwischen der australischen Grenzschutzbehörde und der indischen Küstenwache institutionalisiert. Die PACTS-Initiative soll kritische Lieferketten widerstandsfähiger machen und die Kooperation bei kritischen Mineralien fördern – ein Bereich, den Modi als essenziell für die strategische Sicherheit und die Energiewende bezeichnete. Beide Seiten kündigten zudem an, gemeinsam an einem Korridor für kritische Mineralien zu arbeiten.
Regionale Analysten verweisen auf den geopolitischen Kontext dieser Vertiefung. Sowohl Indien als auch Australien streben demnach eine Absicherung gegen einseitige Abhängigkeiten in einer sich wandelnden globalen Ordnung an. Während Canberra unter dem Druck schwankender US-Verpflichtungen und wirtschaftlicher Spannungen mit Peking seine Partnerschaften diversifiziere, verfolge Neu-Delhi eine parallele Strategie der Streuung von Energielieferanten, Verteidigungsplattformen und Technologiepartnern. Die in Melbourne bekräftigte Unterstützung Australiens für einen ständigen indischen Sitz im UN-Sicherheitsrat und die Verurteilung von Terrorismus in allen Formen unterstrichen die normative Konvergenz. Das Treffen Modis mit Oppositionsführer Angus Taylor spiegelte zudem den parteiübergreifenden Rückhalt in Canberra für den Ausbau der Beziehungen wider.
Die unterzeichneten Abkommen treten nun in die Umsetzungsphase. Die Uranlieferungen können nach Erfüllung der vereinbarten Sicherungsprotokolle beginnen. Die Verhandlungen über das umfassende Wirtschaftsabkommen CECA und ein bilaterales Investitionsschutzabkommen sollen beschleunigt werden. Ein gemeinsam vorgestellter Fahrplan für Sportkooperation, der unter anderem den Austausch in Trainingswissenschaft und Technologie vorsieht, rundet die operative Agenda ab. Premierminister Modi setzte seine Reise im Anschluss nach Neuseeland fort, der letzten Station seiner sechstägigen Drei-Nationen-Tour.
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