
Hegseth sagt Israel-Besuch ab – Eskalation mit Iran überschattet Gespräche über F-35-Verkauf an die Türkei
Die Absage erfolgte nach neuen US-Luftangriffen auf Iran und der Aufkündigung des Waffenstillstands durch Präsident Trump, während in Ankara ein Nato-Gipfel tagt.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat einen für Mittwoch geplanten Besuch in Israel kurzfristig abgesagt. Nach übereinstimmenden Berichten israelischer und internationaler Nachrichtenagenturen, die sich auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen stützen, wurde die Reise am Morgen des 8. Juli gestrichen, obwohl die Vorbereitungen bereits liefen. Als unmittelbarer Grund gelten die in der Nacht zuvor begonnenen amerikanischen Militärschläge gegen Ziele im Iran sowie die Erklärung von Präsident Donald Trump, das im April geschlossene Waffenstillstandsabkommen mit Teheran sei „vorbei“. Die US-Botschaft in Israel und das Pentagon haben sich zu der Absage bislang nicht offiziell geäußert.
Im Zentrum der geplanten Gespräche Hegseths mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz hätte die von Trump in Aussicht gestellte Lieferung von F-35-Tarnkappenkampfflugzeugen an die Türkei gestanden. Trump hatte am Rande des Nato-Gipfels in Ankara gemeinsam mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan angekündigt, die 2020 unter dem CAATSA-Gesetz verhängten Sanktionen gegen die Türkei aufzuheben und eine Wiederaufnahme Ankaras in das F-35-Programm zu prüfen. Aus israelischer Sicht würde ein solcher Schritt das regionale Kräftegleichgewicht gefährden. Netanjahu hatte in einem Interview mit CNN erklärt, die Lieferung der Maschinen an die Türkei würde „die Machtbalance im Nahen Osten zerstören“, und Erdoğan als einen Präsidenten bezeichnet, der „mein Land, den einzigen jüdischen Staat, zu zerstören droht“.
In Washington stößt Trumps Vorstoß auf erheblichen Widerstand im Kongress. Eine überparteiliche Gruppe von Abgeordneten hatte den Präsidenten Anfang Juli in einem Schreiben vor einem Verkauf der F-35 an die Türkei gewarnt und auf die fortgesetzte Nutzung des russischen S-400-Luftabwehrsystems durch Ankara verwiesen. Das US-Gesetz verbietet die Lieferung der Jets, solange die Türkei das russische System besitzt. Aus Sicht von Kongressmitgliedern birgt die Kombination von F-35 und S-400 die Gefahr, dass sensible Technologie an Russland oder China abfließen könnte. Trump hingegen betonte in Ankara, er hege „keinerlei Bedenken“ hinsichtlich der Türkei und wolle „Freunde nicht sanktionieren“. Erdoğan erklärte, Ankara seien bereits fünf Flugzeuge zugesagt worden, und er erwarte eine „günstige Entscheidung“.
Die Absage des Israel-Besuchs fällt in eine Phase rapide eskalierender Spannungen zwischen den USA und Iran. Nach amerikanischen Angriffen auf mehr als 80 Ziele im Iran reklamierte die iranische Revolutionsgarde ihrerseits Attacken auf US-Militäreinrichtungen in Bahrain und Kuwait für sich. Die türkische Regierung, die israelische Militäroperationen in Gaza, Libanon und Syrien wiederholt kritisiert und Israel vorgeworfen hat, das von Pakistan vermittelte Waffenstillstandsabkommen zwischen Washington und Teheran untergraben zu wollen, drängt im Nato-Rahmen auf eine Aufhebung von Beschränkungen der verteidigungspolitischen Zusammenarbeit. Aus israelischer Perspektive wird die Türkei zunehmend als regionaler Rivale wahrgenommen, dessen Einfluss im östlichen Mittelmeer und in Syrien die eigene Sicherheitsarchitektur herausfordert.
Ob und wann Hegseth die Reise nach Israel nachholt, ist offen. Die rechtlichen Hürden für eine Wiederaufnahme der Türkei in das F-35-Programm bestehen fort; eine Aufhebung der Sanktionen müsste der Kongress bestätigen. Der Nato-Gipfel in Ankara wird an diesem Mittwoch mit einer Plenarsitzung und bilateralen Treffen Trumps mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa fortgesetzt.
| Iranische & verwandte Presse | −0.80 | critical |
|---|---|---|
| Russische & GUS-Presse | 0.00 | neutral |
| Lateinamerikanische Presse | 0.00 | neutral |
Der Iran verteidigt die regionale Stabilität und beschuldigt die USA und Israel der Kollusion. Er stellt sich auf die Seite der Türkei gegen die zionistische Entität.
Durch die ständige Bezeichnung Israels als 'besetzte Gebiete' und 'zionistisches Regime' delegitimiert die Erzählung den israelischen Staat und stellt jede US-israelische Zusammenarbeit als inhärent aggressiv dar. Diese rhetorische Wahl lässt den F-35-Verkauf an die Türkei als gerechtes Gegengewicht erscheinen.
Der iranische Block lässt die US-Luftangriffe auf den Iran in derselben Nacht aus, die den Besuch als Teil einer breiteren US-iranischen Konfrontation kontextualisieren würden.
Russland beobachtet die Dynamik zwischen den USA, Israel und der Türkei aus der Ferne und stellt die USA als Manager von Bündnisängsten dar. Es ergreift keine Partei, hebt aber die strategischen Auswirkungen auf das regionale Gleichgewicht hervor.
Durch die Verwendung neutraler Sprache und die Konzentration auf den diplomatischen Prozess präsentiert die russische Presse den Besuch als normalen Teil der US-Bündnispolitik und spielt Konflikte herunter. Die Erwähnung von Netanyahus Interview fügt eine sachliche Grundlage ohne emotionale Aufladung hinzu.
Das lateinamerikanische Medium berichtet über den Besuch als ein geradliniges diplomatisches Ereignis, ohne Stellung zu beziehen. Es konzentriert sich auf den logistischen Aspekt und die mögliche Störung durch US-Militäraktionen im Iran.
Durch das vollständige Weglassen des F-35-Kontexts reduziert der Bericht den Besuch auf ein routinemäßiges bilaterales Treffen und entzieht ihm seine geopolitische Bedeutung. Diese selektive Auslassung macht die Geschichte weniger kontrovers.
Der lateinamerikanische Block lässt das zentrale Thema des möglichen F-35-Verkaufs an die Türkei aus, der laut anderen Blöcken der erklärte Zweck des Besuchs ist.
Erweitere deinen Horizont
Rückschlag für Generika: Dr. Reddy’s stoppt Semaglutid, BMJ-Studie relativiert Nutzen
5 Sprachen · 11 Quellen
Aus TechnologyOpenAI startet GPT-5.6 und ChatGPT Work nach US-Regierungsprüfung
8 Sprachen · 17 Quellen
Aus Science & HealthSaudi-Arabien prüft Handelskorridor via Syrien – Kanada setzt auf Wirtschaftsdiplomatie
2 Sprachen · 5 Quellen