
Haiti versinkt in Bandengewalt – während die UN über ihre Zukunft debattiert
Während UN-Generalsekretär Guterres das krisengeschüttelte Haiti besucht, stellen sich in New York Kandidaten für seine Nachfolge vor – und fordern eine schlankere Weltorganisation.
Die humanitäre Katastrophe in Haiti erreicht immer neue Dimensionen. Seit Januar sind nach Angaben des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Volker Türk, mindestens 2.300 Menschen durch Bandengewalt ums Leben gekommen, 1.100 wurden verletzt und 99 entführt. Haiti, das ärmste Land der westlichen Hemisphäre, wird seit Jahren von kriminellen Banden terrorisiert, die ganze Stadtviertel kontrollieren und für Mord, Vergewaltigung und Plünderung verantwortlich sind. Inmitten dieser Eskalation reiste UN-Generalsekretär António Guterres am Dienstag zu einem Solidaritätsbesuch in die Karibikrepublik – seine erste Visite dort seit 2023. Er traf auf Menschen, deren Leben von der Gewalt gezeichnet ist, und verschaffte sich ein Bild der humanitären und sicherheitspolitischen Herausforderungen. Mehr als 1,5 Millionen der rund elf Millionen Haitianer sind binnenvertrieben, über fünf Millionen leiden unter akuter Ernährungsunsicherheit. Der Sicherheitsrat hatte im September die Entsendung einer multinationalen Sicherheitsunterstützungsmission gebilligt, doch die Lage bleibt prekär.
Während Guterres in Port-au-Prince die Dringlichkeit internationaler Solidarität betont, hat in New York bereits das Ringen um seine Nachfolge begonnen. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen führte am Montag den fünften interaktiven Dialog mit einer Kandidatin für das Amt des Generalsekretärs. Die Ecuadorianerin María Fernanda Espinosa, frühere Außen- und Verteidigungsministerin sowie ehemalige Präsidentin der UN-Generalversammlung, präsentierte ihre Vision und stellte sich den Fragen der Mitgliedstaaten. Sie wurde im Mai von Antigua und Barbuda nominiert und gehört zu einem Feld von mindestens sechs Bewerbern, die sich für die Nachfolge von Guterres positionieren, dessen zweite Amtszeit am 31. Dezember 2026 endet.
Espinosa machte deutlich, dass sie die Vereinten Nationen für unverzichtbar hält, aber eine verantwortungsvolle Verschlankung der Organisation anstrebt. „Die UN muss ihre Glaubwürdigkeit wiederaufbauen“, sagte sie und verwies auf die schwindende Autorität der Weltorganisation. Neben ihr werden weitere prominente lateinamerikanische Persönlichkeiten gehandelt: der Argentinier Rafael Grossi, derzeit Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation, sowie die frühere chilenische Präsidentin und UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet. Aus Sicht europäischer Diplomaten, insbesondere in Berlin, Wien und Bern, ist die Auswahl eines reformorientierten Kandidaten entscheidend, um die Handlungsfähigkeit der UN in Krisen wie jener in Haiti zu stärken und das Vertrauen der großen Beitragszahler zurückzugewinnen.
Obwohl die Wahl erst in eineinhalb Jahren ansteht, mahnen Beobachter zur Eile. Die informellen Sondierungen im Sicherheitsrat, vor allem unter den fünf Vetomächten, benötigen oft Monate, um einen konsensfähigen Namen zu finden. Guterres’ Nachfolger wird eine Organisation erben, die mit schwindendem Einfluss, geopolitischen Blockaden und chronischer Unterfinanzierung kämpft. Die Gleichzeitigkeit von akuter Gewalt in Haiti und der Suche nach neuer Führung illustriert das Dilemma: Die Vereinten Nationen müssen unmittelbare humanitäre Not lindern und zugleich eine grundlegende institutionelle Erneuerung einleiten. Wie dieser Spagat gelingt, wird nicht nur in Port-au-Prince, sondern auch in den Hauptstädten der D-A-CH-Region mit Sorge beobachtet.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Haiti ist in einer Spirale der Bandengewalt gefangen, die seit Jahresbeginn über 2.300 Todesopfer gefordert hat, so die UN-Zahlen. Der UN-Menschenrechtskommissar hat Alarm geschlagen, während Generalsekretär Guterres das Land besucht, um den Opfern dieser unerbittlichen Krise seine Solidarität zu bekunden.
Die UN-Generalversammlung hat ihren fünften interaktiven Dialog mit einer Kandidatin für das Amt des Generalsekretärs abgehalten. Maria Fernanda Espinosa, ehemalige UNGA-Präsidentin und Ex-Ministerin Ecuadors, stellte ihre Vision vor und beantwortete Fragen der Mitgliedstaaten und der Zivilgesellschaft.
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