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Ausgabe von 10:00 CETDonnerstag, 2. Juli 2026
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Gesellschaft & KulturMittwoch, 1. Juli 2026

Unter dem Alpenregen: Die Lefebvrianer weihen Bischöfe und vollziehen den Bruch

In Écône trotzten Tausende dem Wetter und dem Papst, als die Piusbruderschaft vier Bischöfe ohne Mandat weihte – ein Akt, der die Exkommunikation automatisch nach sich zieht.

Der Regen setzte am späten Vormittag ein, als die Prozession der Priester das Feld erreichte. Unter einem großen weißen Zelt, aufgeschlagen auf der Wiese neben dem Priesterseminar von Écône, lagen vier Männer in roten Samtkissen mit dem Gesicht nach unten, während die Litanei der Heiligen gesungen wurde. Die Orgel spielte, Weihrauch hing in der kühlen Alpenluft, und auf den Bänken verfolgten Gläubige aus aller Welt eine Zeremonie, die ganz dem 16. Jahrhundert verpflichtet war – und doch in sieben Sprachen live auf YouTube übertragen wurde. Ein QR-Code, eingeblendet während der Gabenbereitung, lud zu Spenden aus der Ferne ein.

Es war der 1. Juli 2026, und die Priesterbruderschaft St. Pius X. weihte an diesem Morgen vier neue Bischöfe: den Schweizer Pascal Schreiber, den US-Amerikaner Michael Goldade sowie die Franzosen Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier. Der spanische Bischof Alfonso de Galarreta, selbst 1988 ohne päpstliches Mandat geweiht, legte ihnen die Hände auf. Papst Leo XIV. hatte noch am Vortag in einem Brief an den Generaloberen Davide Pagliarani „mit ganzem Herzen“ gebeten, umzukehren, und gewarnt, die Tat beraube die Gläubigen des rechtmäßigen und teils sogar gültigen Empfangs der Sakramente. Die Antwort aus Écône kam in der Predigt Pagliaranis: Man sei bereit, „jeden Preis zu zahlen, um die Kirche zu retten“, und betrachte alle Strafen als nichtig.

Die Bruderschaft, 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet, verwirft zentrale Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils – die Religionsfreiheit, den ökumenischen Dialog, die Liturgie in der Landessprache. Ihre Priester zelebrieren die Messe nach dem vorkonziliaren Ritus, stets auf Latein und dem Altar zugewandt. Was für aussenstehende Betrachter wie eine folkloristische Nische wirken mag, ist für die etwa 600.000 Anhänger weltweit Ausdruck eines exklusiven Wahrheitsanspruchs: Nur hier, so die Überzeugung, werde der unverfälschte Glaube bewahrt, während Rom sich dem Modernismus ausgeliefert habe. In Deutschland, Österreich und der Schweiz unterhält die Gemeinschaft Priorate und Kapellen; ihr Einfluss in traditionalistischen Milieus ist nicht zu unterschätzen, auch wenn sie innerhalb der Weltkirche von über 1,3 Milliarden Katholiken eine kleine Minderheit bleibt.

Die Reaktionen aus dem Vatikan liessen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sprach von „tiefem Schmerz“ und bestätigte, dass die Exkommunikation als Tatstrafe eingetreten sei. Der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, früherer Präfekt der Glaubenskongregation, nannte das Verhalten der Bruderschaft im Gespräch mit dem Corriere della Sera „lächerlich“ und zog eine Parallele zu Luther: „Sie akzeptieren den Papst nur, wenn er ihre Idee von Tradition akzeptiert.“ In Écône selbst hingegen feierten die Anwesenden den Tag als historisch. Eine 57-jährige Kolumbianerin, eigens aus den USA angereist, sagte, Gott habe sie hierhergeführt. Unter den Gästen wurden auch Delegationen der italienischen Neofaschisten von Forza Nuova gesichtet.

Gegen Ende der mehrstündigen Feier entlud sich ein kräftiges Gewitter über dem Rhonetal. Die Gläubigen suchten Schutz, während die neu geweihten Bischöfe in den gleichen Paramenten dastanden, die schon 1988 bei der ersten unerlaubten Weihe getragen worden waren. Auf dem Gelände wurden Baseballkappen mit dem Aufdruck „Écône2026“ verkauft, und für 92 Dollar konnte man einen Wein erwerben, dessen Etikett eine Mitra zierte – ein Bischofshut als Souvenir eines Tages, der die Gemeinschaft erneut ins kanonische Abseits stellte.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

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TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Kontinentaleuropäische PresseLateinamerikanische Presse
Kontinentaleuropäische Presse/ Mediterran
AlarmEmpörungDringlichkeit

Die Lefebvrianer haben das Schisma vollzogen, indem sie vier Bischöfe ohne päpstliches Mandat weihten und den eindringlichen Appell des Papstes ignorierten. Die automatische Exkommunikation ist eingetreten, genau wie 1988, und das Gewand Christi ist erneut zerrissen. Die live übertragene Zeremonie ist eine offene Herausforderung der kirchlichen Autorität.

Lateinamerikanische Presse/ Markt
DistanzPragmatismus

Die traditionalistische Gruppe weihte vier Bischöfe ohne päpstliche Genehmigung, trotz eines Appells in letzter Minute. Der Vatikan reagierte negativ, nannte den Akt schismatisch und leitete die Exkommunikation ein. Die Zeremonie fand in der Schweiz vor Tausenden Gläubigen statt.

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Mittwoch, 1. Juli 2026

Unter dem Alpenregen: Die Lefebvrianer weihen Bischöfe und vollziehen den Bruch

In Écône trotzten Tausende dem Wetter und dem Papst, als die Piusbruderschaft vier Bischöfe ohne Mandat weihte – ein Akt, der die Exkommunikation automatisch nach sich zieht.

Der Regen setzte am späten Vormittag ein, als die Prozession der Priester das Feld erreichte. Unter einem großen weißen Zelt, aufgeschlagen auf der Wiese neben dem Priesterseminar von Écône, lagen vier Männer in roten Samtkissen mit dem Gesicht nach unten, während die Litanei der Heiligen gesungen wurde. Die Orgel spielte, Weihrauch hing in der kühlen Alpenluft, und auf den Bänken verfolgten Gläubige aus aller Welt eine Zeremonie, die ganz dem 16. Jahrhundert verpflichtet war – und doch in sieben Sprachen live auf YouTube übertragen wurde. Ein QR-Code, eingeblendet während der Gabenbereitung, lud zu Spenden aus der Ferne ein.

Es war der 1. Juli 2026, und die Priesterbruderschaft St. Pius X. weihte an diesem Morgen vier neue Bischöfe: den Schweizer Pascal Schreiber, den US-Amerikaner Michael Goldade sowie die Franzosen Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier. Der spanische Bischof Alfonso de Galarreta, selbst 1988 ohne päpstliches Mandat geweiht, legte ihnen die Hände auf. Papst Leo XIV. hatte noch am Vortag in einem Brief an den Generaloberen Davide Pagliarani „mit ganzem Herzen“ gebeten, umzukehren, und gewarnt, die Tat beraube die Gläubigen des rechtmäßigen und teils sogar gültigen Empfangs der Sakramente. Die Antwort aus Écône kam in der Predigt Pagliaranis: Man sei bereit, „jeden Preis zu zahlen, um die Kirche zu retten“, und betrachte alle Strafen als nichtig.

Die Bruderschaft, 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet, verwirft zentrale Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils – die Religionsfreiheit, den ökumenischen Dialog, die Liturgie in der Landessprache. Ihre Priester zelebrieren die Messe nach dem vorkonziliaren Ritus, stets auf Latein und dem Altar zugewandt. Was für aussenstehende Betrachter wie eine folkloristische Nische wirken mag, ist für die etwa 600.000 Anhänger weltweit Ausdruck eines exklusiven Wahrheitsanspruchs: Nur hier, so die Überzeugung, werde der unverfälschte Glaube bewahrt, während Rom sich dem Modernismus ausgeliefert habe. In Deutschland, Österreich und der Schweiz unterhält die Gemeinschaft Priorate und Kapellen; ihr Einfluss in traditionalistischen Milieus ist nicht zu unterschätzen, auch wenn sie innerhalb der Weltkirche von über 1,3 Milliarden Katholiken eine kleine Minderheit bleibt.

Die Reaktionen aus dem Vatikan liessen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sprach von „tiefem Schmerz“ und bestätigte, dass die Exkommunikation als Tatstrafe eingetreten sei. Der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, früherer Präfekt der Glaubenskongregation, nannte das Verhalten der Bruderschaft im Gespräch mit dem Corriere della Sera „lächerlich“ und zog eine Parallele zu Luther: „Sie akzeptieren den Papst nur, wenn er ihre Idee von Tradition akzeptiert.“ In Écône selbst hingegen feierten die Anwesenden den Tag als historisch. Eine 57-jährige Kolumbianerin, eigens aus den USA angereist, sagte, Gott habe sie hierhergeführt. Unter den Gästen wurden auch Delegationen der italienischen Neofaschisten von Forza Nuova gesichtet.

Gegen Ende der mehrstündigen Feier entlud sich ein kräftiges Gewitter über dem Rhonetal. Die Gläubigen suchten Schutz, während die neu geweihten Bischöfe in den gleichen Paramenten dastanden, die schon 1988 bei der ersten unerlaubten Weihe getragen worden waren. Auf dem Gelände wurden Baseballkappen mit dem Aufdruck „Écône2026“ verkauft, und für 92 Dollar konnte man einen Wein erwerben, dessen Etikett eine Mitra zierte – ein Bischofshut als Souvenir eines Tages, der die Gemeinschaft erneut ins kanonische Abseits stellte.

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Die Lefebvrianer haben das Schisma vollzogen, indem sie vier Bischöfe ohne päpstliches Mandat weihten und den eindringlichen Appell des Papstes ignorierten. Die automatische Exkommunikation ist eingetreten, genau wie 1988, und das Gewand Christi ist erneut zerrissen. Die live übertragene Zeremonie ist eine offene Herausforderung der kirchlichen Autorität.

Lateinamerikanische Presse/ Markt
DistanzPragmatismus

Die traditionalistische Gruppe weihte vier Bischöfe ohne päpstliche Genehmigung, trotz eines Appells in letzter Minute. Der Vatikan reagierte negativ, nannte den Akt schismatisch und leitete die Exkommunikation ein. Die Zeremonie fand in der Schweiz vor Tausenden Gläubigen statt.

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