
Ein Himmel aus Rauch und Licht: Washingtons Rekordfeuerwerk und seine Schatten
Während die Trump-Regierung mit 850.000 Granaten das größte Feuerwerk der Geschichte verspricht, wachsen in der Hauptstadt die Sorgen vor Smog, Waldbränden und verschreckten Tieren.
Russell Dickerson, Chemieprofessor an der University of Maryland, wird am Samstagabend nicht auf die National Mall gehen. „Ich finde es beängstigend“, sagt er mit Blick auf die 850.000 Feuerwerkskörper, die über dem Lincoln Memorial und dem Potomac gezündet werden sollen. Es ist ein heißer, windstiller Tag, die Temperaturen sollen auf 103 Grad Fahrenheit klettern, und die Luft über der Ostküste steht. Dickerson denkt an die Feinstaubwolke, die nach der Show in der Atmosphäre hängen wird, und fügt hinzu: „Ich würde meine Enkelkinder dort ganz sicher nicht hinbringen.“
Das Spektakel, das die Regierung als „Freedom250“ bewirbt, soll alle bisherigen Dimensionen sprengen. Das Unternehmen Pyrotecnico aus Pennsylvania wird von zehn Abschussorten aus 850.000 Granaten in den Nachthimmel jagen – 40.000 mehr als der bisherige Guinness-Weltrekord, aufgestellt 2016 auf den Philippinen, und etwa das Fünfzigfache der sonst üblichen Washingtoner Show. Vierzig Minuten lang, beginnend um 22.30 Uhr, soll der Himmel über dem Potomac in ein Meer aus Licht und Donner getaucht werden. Die Kosten für das Unterfangen bleiben indes undurchsichtig: Während das Weiße Haus 1,5 Millionen Dollar an einen weiteren Pyrotechnikanbieter zahlte, fehlen öffentliche Belege für den Vertrag mit Pyrotecnico. Insgesamt fließen nach Recherchen 90 Millionen Dollar aus einem Fonds für die Instandsetzung von Nationalparks in die Feierlichkeiten, und ein von früheren Trump-Beratern gegründetes Unternehmen wickelt die „America250“-Festivitäten über eine schwer durchschaubare Non-Profit-Organisation ab. Auf der Dachterrasse des Kennedy Center werden derweil Tischpakete für bis zu 25.000 Dollar angeboten – inklusive Klimaanlage und prominenter Namensnennung auf dem Eventplan.
Die vierte Juli-Woche ist in den Vereinigten Staaten eine Zeit der Tradition, und Jodi Dague, Marketingleiterin bei Pyrotecnico, beschwört die „Kindheitserinnerungen“, die Feuerwerke wachriefen. Doch der schiere Umfang des Vorhabens und seine geografische Ausdehnung rufen auch andernorts Widerstand hervor. In South Dakota soll am Mount Rushmore erstmals seit sechs Jahren wieder ein Feuerwerk stattfinden, obwohl weite Teile des Pennington County unter mittlerer bis extremer Dürre leiden und die Waldbrandgefahr im Black Hills National Forest hoch ist. Jay Davis vom Sierra Club South Dakota nennt die Pläne eine „sehr schlechte Idee“. Die endgültige Entscheidung über die Durchführung soll erst am Tag selbst fallen, abhängig von den Bedingungen vor Ort.
Für Anwohner und Umweltexperten in Washington steht weniger die Symbolik als die körperliche Belastung im Vordergrund. Die US-Umweltbehörde EPA setzt die Grenze für Feinstaub bei 35 Mikrogramm pro Kubikmeter im 24-Stunden-Mittel an. Am 4. Juli 2025, so Daten von IQAir, schnellte die Konzentration in der Hauptstadt auf 133 Mikrogramm – ein Luftqualitätsindex von 208, wie man ihn sonst aus südasiatischen Metropolen kennt. Glory Dolphin Hammes von IQAir sprach von einem „apokalyptischen“ Niveau. Ohne Regen, der die Partikel auswäscht, kann der Rauch stundenlang in der schwülen Luft verharren. Auch Tiere leiden: Adrian Aceves, ein Arzt aus Washington, wird seiner fünfjährigen Hündin vorsorglich Medikamente verabreichen. Eine europäische Studie zeigte zudem, dass Silvesterfeuerwerke Zugvögel dauerhaft von ihren Rastplätzen vertreiben können. Und eine Untersuchung der US-Regierung von 2016 wies nach, dass Perchlorat aus Feuerwerkskörpern am Mount Rushmore ins Grundwasser gelangt war.
Wenn am Samstagabend die ersten Raketen in den Nachthimmel steigen, wird Adrian Aceves zu Hause bei seiner Hündin sein. Über dem Potomac wird der Rauch noch lange nach dem letzten Knall in der drückenden Juliluft hängen, eine graue, schwer zu verortende Erinnerung an den Versuch, Geschichte zu schreiben.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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The fireworks display in Washington is portrayed as a smokescreen to distract the public from political and security failures. The enormous costs and triumphalist rhetoric conceal real risks to domestic stability. The dominant narrative is that of a top-down celebration that ignores the country's actual vulnerabilities.
The mega-fireworks over the Potomac are read as yet another waste by a declining empire, while the peoples of the Global South suffer under neoliberal policies. The celebration is seen as an act of arrogance that ignores global inequalities. Progressive Latin American media frame it as a symbol of imperialist hypocrisy.
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