
Fremdenfeindliche Gewalt in Südafrika: Nigeria und Ghana setzen Pretoria unter Druck
Während Abuja mit scharfen diplomatischen Schritten droht, verschiebt Accra einen hochrangigen Besuch – Pretoria weist die Vorwürfe zurück.
An den Wänden südafrikanischer Städte prangte wochenlang eine handgeschriebene Frist: Bis zum 30. Juni 2026 hätten alle irregulären Migranten das Land zu verlassen, andernfalls würden selbsternannte Bürgerwehren wie „Operation Dudula“ und „March and March“ selbst für Ordnung sorgen. Am Stichtag marschierten Tausende durch Johannesburg, Durban und andere Zentren; die meisten der 120 registrierten Protestzüge verliefen nach Polizeiangaben friedlich. Dennoch fielen Schüsse, Demonstranten drängten Migranten aus ihren Unterkünften, und die Behörden nahmen annähernd tausend Menschen fest – unter ihnen auch Migranten ohne Papiere. Das befürchtete Blutbad blieb aus, doch die Ankündigung von March and March, von nun an jeden Donnerstag bis zu den Kommunalwahlen im November auf die Straße zu gehen, verlieh dem Tag eine bedrohliche Permanenz.
Aus nigerianischer Sicht hat sich die Lage damit keineswegs entspannt. Außenministerin Bianca Odumegwu-Ojukwu erklärte, es gebe „keine Anzeichen für eine Besserung“, und kündigte weitere Evakuierungsflüge an. Der Senat in Abuja debattierte hitzig über mögliche Gegenmaßnahmen: Einige Abgeordnete forderten den Abbruch der diplomatischen Beziehungen oder gar die Verstaatlichung südafrikanischer Unternehmen wie MTN und DStV in Nigeria. Die Kammer lehnte solche radikalen Schritte schließlich ab, verlangte jedoch von Pretoria schriftliche Sicherheitsgarantien für nigerianische Staatsbürger sowie die Festnahme und Strafverfolgung der Täter. Zwei nigerianische Todesopfer – Musa Yunana Joe und Charles Iroegbu – sind aktenkundig; die südafrikanische Polizei bestreitet allerdings, dass Joes Tod mit den Protesten in Verbindung stehe, und verlangt von der nigerianischen Hochkommission verwertbare Hinweise.
Auch zwischen Accra und Pretoria haben sich die Spannungen verschärft. Ghana verschob einen für Anfang August geplanten Besuch von Präsident Cyril Ramaphosa – nach ghanaischer Lesart ein Staatsbesuch, nach südafrikanischer Darstellung lediglich die turnusgemäße Sitzung der Binationalen Kommission. Auslöser war der Tod des Ghanaers Bashiru Isak, der nach Angaben Accras am 30. Juni in Khayelitsha bei fremdenfeindlichen Ausschreitungen erschossen wurde. Südafrikas Justizministerin Mmamoloko Kubayi wies diese Darstellung als „Falschinformation“ zurück und warf Ghana vor, das Bild eines xenophoben Südafrika zu verbreiten. Ghanas Kommunikationsminister Felix Kwakye Ofosu betonte unterdessen, die Beziehungen seien weiterhin „herzlich“, der Besuch solle lediglich zu einem Zeitpunkt stattfinden, an dem die Sicherheitsbedenken ausgeräumt seien. Rund tausend Ghanaer hat Accra bereits repatriiert, Hunderte warten auf ihre Ausreise.
Die südafrikanische Regierung unter Cyril Ramaphosa verurteilte die Gewalt gegen Ausländer, erinnerte aber zugleich daran, dass die sozialen Verwerfungen des Landes – eine Arbeitslosenquote von über dreißig Prozent, eine beispiellose Ungleichheit und ein maroder Staatskonzern für die Stromversorgung – nicht von Migranten verursacht seien. Gleichwohl kündigte Ramaphosa schnellere Abschiebungen, verstärkte Kontrollen und die Entsendung von 3000 Soldaten in alle Provinzen an. Beobachter in der Region sehen darin ein Zugeständnis an die wachsende fremdenfeindliche Stimmung, die von Gruppen wie Operation Dudula politisch genutzt wird, um die regierende ANC-Partei unter Druck zu setzen. Pretoria betont, dass Ausländer nicht überproportional betroffen seien und die Kriminalitätsrate generell hoch sei – eine Argumentation, die in Abuja und Accra auf wenig Verständnis stößt.
Während Nigeria die Afrikanische Union zu einem Frühwarnmechanismus gegen xenophobe Gewalt drängt und Ghana auf schriftliche Sicherheitsgarantien pocht, bleibt die Lage in Südafrika angespannt. Die angekündigten wöchentlichen Proteste von March and March verleihen dem Konflikt einen festen Rhythmus. Jeden Donnerstag, so die Drohung, werde man auf die Straße gehen, bis „alle weg sind“. Ein Ultimatum, das nicht an einem einzigen Tag verstrich, sondern sich nun Woche für Woche erneuert.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.50 | critical |
|---|---|---|
| Subsaharisch-afrikanische Presse | −0.80 | critical |
Das kontinentale Europa verurteilt die fremdenfeindliche Gewalt und gibt den Opfern eine Stimme, wobei es die autoritäre Abdrift kritisiert.
Indem es persönliche Geschichten von Migranten erzählt und die wöchentliche Angst hervorhebt, erzeugt es Empathie und verurteilt implizit die Aktionen der Bürgerwehren.
Die diplomatischen Reaktionen betroffener afrikanischer Länder, wie Ghanas Ablehnung von Ramaphosas Staatsbesuch und Massenevakuierungen, werden nicht erwähnt.
Subsahara-Afrika beschuldigt Südafrika, Migranten nicht zu schützen, und ergreift konkrete diplomatische Maßnahmen, wie die Ablehnung des Staatsbesuchs und die Organisation von Evakuierungen.
Indem es die offiziellen Aktionen Ghanas und Nigerias berichtet, verwandelt es fremdenfeindliche Gewalt in eine zwischenstaatliche Krise und legitimiert die Reaktion der betroffenen Länder.
Die Tatsache, dass die meisten Proteste (108 von 120) laut südafrikanischer Polizei friedlich verliefen, wird nicht berichtet.
Erweitere deinen Horizont
USA bombardieren Iran und widerrufen Öllizenz nach Angriffen auf Tanker
11 Sprachen · 82 Quellen
Aus Economy & MarketsSamsung-Rekordgewinn löst globalen Tech-Ausverkauf aus
4 Sprachen · 9 Quellen
Aus TechnologyOhne US-Chips an die Weltspitze: Chinas Effizienz-Strategie treibt KI-Wettbewerb
2 Sprachen · 4 Quellen