
Mord an britischer Ex-Ministerin Ann Widdecombe: Polizei nimmt 26-Jährigen fest
Die 78-jährige konservative Politikerin wurde mit schweren Verletzungen in ihrem Haus in Devon aufgefunden; die Polizei schließt ein politisches Motiv oder Terrorismus derzeit aus.
Am Donnerstag wurde die ehemalige britische Ministerin und Reform-UK-Sprecherin Ann Widdecombe tot in ihrem Haus in Haytor, Devon, aufgefunden. Wie die Polizei von Devon und Cornwall mitteilte, wies die 78-Jährige schwere Verletzungen auf. Noch am Freitag nahmen die Beamten einen 26-jährigen weißen Briten in der nahegelegenen Stadt Newton Abbot unter Mordverdacht fest. Der stellvertretende Polizeichef Matt Longman erklärte, es gebe derzeit „keine Informationen, die auf ein politisch motiviertes Verbrechen hindeuten“, und der Fall werde nicht als Terrorakt behandelt.
Die Nachricht löste in Westminster und darüber hinaus Bestürzung aus. Premierminister Keir Starmer sprach von einer „wirklich schockierenden Nachricht“ und würdigte Widdecombe als „herausragende Politikerin“. Innenministerin Shabana Mahmood rief die Öffentlichkeit dazu auf, nicht zu spekulieren, und bezeichnete die Umstände als „äußerst erschütternd“. Die Vorsitzende der Konservativen, Kemi Badenoch, zeigte sich „fassungslos“. Nigel Farage, der Vorsitzende von Reform UK, äußerte sich „zutiefst bestürzt“ über die Art ihres Todes. Aus dem Umfeld der Opposition wurde zudem die Sorge um die Sicherheit von Mandatsträgern laut, auch wenn ein politischer Hintergrund bislang nicht bestätigt ist.
Widdecombe galt über Jahrzehnte als eine polarisierende Figur der britischen Rechten. Von 1987 bis 2010 saß sie für die Konservativen im Unterhaus und amtierte unter John Major als Staatsministerin für das Gefängniswesen. Später schloss sie sich der Brexit-Partei an, war von 2019 bis 2020 Mitglied des Europäischen Parlaments und wurde schließlich Sprecherin für Einwanderung und Justiz von Reform UK. Bekannt war sie für ihre strikt konservativen Positionen gegen Abtreibung und die Gleichstellung Homosexueller sowie für ihre Befürwortung der Todesstrafe. Der gewaltsame Tod einer ehemaligen Abgeordneten weckt Erinnerungen an die Morde an der Labour-Politikerin Jo Cox 2016 und dem Konservativen David Amess 2021, die zu einer Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen für Parlamentarier geführt hatten.
Die Polizei hat eine großangelegte Untersuchung eingeleitet. Forensische Experten untersuchen weiterhin den Tatort, während Beamte Befragungen in der Nachbarschaft durchführen und Aufnahmen von Überwachungskameras auswerten. Die Ermittler riefen Zeugen dazu auf, sich zu melden, und baten insbesondere um Hinweise zu verdächtigen Beobachtungen im Gebiet Haytor Vale. Der festgenommene Mann befindet sich in Polizeigewahrsam; über eine mögliche Beziehung zum Opfer machten die Behörden keine Angaben. Mit weiteren Ergebnissen der kriminaltechnischen Untersuchungen wird in den kommenden Tagen gerechnet.
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