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Gesellschaft & KulturFreitag, 19. Juni 2026

Das Verschwinden von Blau und Braun: Wie eine Süßwaren-Ikone den neuen Hunger nach natürlichen Tönen spiegelt

Während Mars gezwungen ist, seine M&M’s ohne künstliche Farbstoffe auf den Markt zu bringen, feiern Mode und Frisurentrends eine Rückkehr zu warmen, tiefen und multidimensionalen Naturtönen – ein Gleichklang, der weit über die Farbpalette hinausreicht.

In einem Labor im US-amerikanischen Hackettstown, New Jersey, standen die Techniker des Mars-Konzerns vor einem Problem, das an den Grundfesten einer neunzigjährigen Ikone rüttelte. Sie hatten aus Rote Bete, Kurkuma und Spirulina bereits überzeugende natürliche Farbvarianten für die roten, orangefarbenen und gelben Schokolinsen entwickelt. Doch das vertraute Blau, das erst 1995 in die Tüte gekommen war, erwies sich als widerspenstig: Die Spirulina-Alge, die den synthetischen Brillantblau-Farbstoff ersetzen sollte, verursachte in der Massenproduktion unerwartete technische Schwierigkeiten. Und das Braun, so stellte sich heraus, enthielt in seiner Rezeptur einen gehörigen Anteil eben jenes Blaus. Die neuen, ganz und gar natürlichen M&M’s würden also ohne die beiden Farbtöne auskommen müssen – ein Entschluss, den der Nordamerika-Chef des Unternehmens später als „beängstigend“ bezeichnete, weil man an einer 85 Jahre alten Ikone herumbastelte.

Im August 2026 wird Mars die erste Charge dieser natürlichen M&M’s exklusiv über Amazon ausliefern. Der Schritt ist Teil einer millionenschweren Anpassung an die „Make America Healthy Again“-Bewegung, die von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. mit Nachdruck vorangetrieben wird. Aus Washingtoner Sicht sind künstliche Farbstoffe in Lebensmitteln ein Gesundheitsrisiko, das besonders Kinder gefährdet; der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton hatte Mars sogar wegen angeblich irreführender Praktiken im Umgang mit synthetischen Farben untersucht. Die neue Rezeptur ist damit nicht nur eine technische, sondern auch eine politische Antwort. Dass die natürliche Variante zunächst ohne Blau und Braun auskommt und die klassische Linie parallel weiterverkauft wird, zeigt, wie schwer sich selbst ein globaler Konzern mit der vollständigen Abkehr vom industriellen Farbstandard tut.

Zeitgleich vollzieht sich in der Mode- und Schönheitsbranche eine Hinwendung zu Farbtönen, die eine ähnliche Sehnsucht nach Natürlichkeit, Wärme und Tiefe erkennen lassen. Für den Sommer 2026 propagieren internationale Magazine wie The Zoe Report und Vogue Haarfarben, die das Künstliche meiden: „goldene Erdbeere“, ein blonder Ton mit kupfernem Schimmer; „Champagner-Blond“ und „Kaschmir-Blond“, die maximale Leuchtkraft ohne grelle Übergänge versprechen; oder „sonnengeküsste Brünette“, ein tiefes Schokoladenbraun mit goldenen Einsprengseln, das wirkt, als hätte die Sonne selbst Hand angelegt. In der Wintermode wiederum löst, so beobachten Stilpublikationen in Spanien und Italien, ein sattes Schokoladenbraun das jahrelang dominierende Schwarz und Grau als Inbegriff leiser Eleganz ab. Es verbindet sich mit Naturmaterialien wie Leder, Wolle und Wildleder und strahlt eine Wärme aus, die in den kalten Monaten ebenso willkommen ist wie die neuen, multidimensionalen dunklen Haartöne – von „Espresso“ über „geschmolzene Schokolade“ bis zu „Weinbrünett“ und kühlem „Charcoal“.

Was die Süßwarenentwickler in New Jersey und die Coloristen in den Salons von Los Angeles bis Mailand eint, ist die Einsicht, dass echte Natürlichkeit ihre eigenen Komplexitäten mit sich bringt. Ein natürliches Blau ist nicht einfach ein Ersatz für Brillantblau, sondern ein eigenwilliger Stoff, der ganze Produktionslinien durcheinanderbringen kann. Ebenso ist ein natürliches Blond kein uniformes Bleichergebnis, sondern ein Zusammenspiel aus goldenen, kupfernen und aschigen Nuancen, das sich je nach Licht verändert. Die Verbraucher, so deuten die Trends an, honorieren diese Unvollkommenheit: Sie greifen zu den neuen M&M’s, obwohl zwei Farben fehlen, und sie tragen Haarfarben, die nicht mehr perfekt einfarbig sind, sondern lebendig schimmern.

Am Ende dieser kleinen Kulturgeschichte der Farbe bleibt ein unscheinbares Detail, das wie ein Emblem des Übergangs wirkt. Während Blau und Braun vorerst aus der natürlichen M&M’s-Tüte verschwunden sind, hat es das Grün geschafft. Es wird ebenfalls mit Spirulina hergestellt, aber in geringerer Dosierung, und behauptet seinen Platz im Sortiment. Eine einzelne grüne Schokolinse, die sich in einer Handvoll roter, orangefarbener und gelber verliert – und doch davon erzählt, dass der Weg zum Natürlichen kein gerader ist, sondern ein tastender, der manche Farben opfert und andere auf überraschende Weise bewahrt.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 5 Sprachen

44%
TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Stampa russa e CSIStampa atlantica / anglosfera
Stampa russa e CSI
distaccopragmatismo

Die Haartrends für den Sommer 2026 verabschieden sich von Schwarz und Blau zugunsten warmer, natürlicher Nuancen wie Strawberry Golden Blond und strahlender Blondtöne. Experten raten zu einem tiefen, goldenen Blond mit kupferfarbenen Reflexen, das Natürlichkeit und Glanz betont.

Stampa atlantica / anglosfera/ progressista
ironiascetticismo

M&M's bringt Süßigkeiten mit natürlichen Farbstoffen auf den Markt, doch Blau und Braun fehlen aufgrund technischer Hürden. Der Schritt ist Teil der 'Make America Healthy Again'-Kampagne von Gesundheitsminister RFK Jr. und zeigt, dass selbst die kultigsten Süßigkeiten dem Druck, künstliche Farbstoffe zu entfernen, nicht entkommen.

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Freitag, 19. Juni 2026

Das Verschwinden von Blau und Braun: Wie eine Süßwaren-Ikone den neuen Hunger nach natürlichen Tönen spiegelt

Während Mars gezwungen ist, seine M&M’s ohne künstliche Farbstoffe auf den Markt zu bringen, feiern Mode und Frisurentrends eine Rückkehr zu warmen, tiefen und multidimensionalen Naturtönen – ein Gleichklang, der weit über die Farbpalette hinausreicht.

In einem Labor im US-amerikanischen Hackettstown, New Jersey, standen die Techniker des Mars-Konzerns vor einem Problem, das an den Grundfesten einer neunzigjährigen Ikone rüttelte. Sie hatten aus Rote Bete, Kurkuma und Spirulina bereits überzeugende natürliche Farbvarianten für die roten, orangefarbenen und gelben Schokolinsen entwickelt. Doch das vertraute Blau, das erst 1995 in die Tüte gekommen war, erwies sich als widerspenstig: Die Spirulina-Alge, die den synthetischen Brillantblau-Farbstoff ersetzen sollte, verursachte in der Massenproduktion unerwartete technische Schwierigkeiten. Und das Braun, so stellte sich heraus, enthielt in seiner Rezeptur einen gehörigen Anteil eben jenes Blaus. Die neuen, ganz und gar natürlichen M&M’s würden also ohne die beiden Farbtöne auskommen müssen – ein Entschluss, den der Nordamerika-Chef des Unternehmens später als „beängstigend“ bezeichnete, weil man an einer 85 Jahre alten Ikone herumbastelte.

Im August 2026 wird Mars die erste Charge dieser natürlichen M&M’s exklusiv über Amazon ausliefern. Der Schritt ist Teil einer millionenschweren Anpassung an die „Make America Healthy Again“-Bewegung, die von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. mit Nachdruck vorangetrieben wird. Aus Washingtoner Sicht sind künstliche Farbstoffe in Lebensmitteln ein Gesundheitsrisiko, das besonders Kinder gefährdet; der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton hatte Mars sogar wegen angeblich irreführender Praktiken im Umgang mit synthetischen Farben untersucht. Die neue Rezeptur ist damit nicht nur eine technische, sondern auch eine politische Antwort. Dass die natürliche Variante zunächst ohne Blau und Braun auskommt und die klassische Linie parallel weiterverkauft wird, zeigt, wie schwer sich selbst ein globaler Konzern mit der vollständigen Abkehr vom industriellen Farbstandard tut.

Zeitgleich vollzieht sich in der Mode- und Schönheitsbranche eine Hinwendung zu Farbtönen, die eine ähnliche Sehnsucht nach Natürlichkeit, Wärme und Tiefe erkennen lassen. Für den Sommer 2026 propagieren internationale Magazine wie The Zoe Report und Vogue Haarfarben, die das Künstliche meiden: „goldene Erdbeere“, ein blonder Ton mit kupfernem Schimmer; „Champagner-Blond“ und „Kaschmir-Blond“, die maximale Leuchtkraft ohne grelle Übergänge versprechen; oder „sonnengeküsste Brünette“, ein tiefes Schokoladenbraun mit goldenen Einsprengseln, das wirkt, als hätte die Sonne selbst Hand angelegt. In der Wintermode wiederum löst, so beobachten Stilpublikationen in Spanien und Italien, ein sattes Schokoladenbraun das jahrelang dominierende Schwarz und Grau als Inbegriff leiser Eleganz ab. Es verbindet sich mit Naturmaterialien wie Leder, Wolle und Wildleder und strahlt eine Wärme aus, die in den kalten Monaten ebenso willkommen ist wie die neuen, multidimensionalen dunklen Haartöne – von „Espresso“ über „geschmolzene Schokolade“ bis zu „Weinbrünett“ und kühlem „Charcoal“.

Was die Süßwarenentwickler in New Jersey und die Coloristen in den Salons von Los Angeles bis Mailand eint, ist die Einsicht, dass echte Natürlichkeit ihre eigenen Komplexitäten mit sich bringt. Ein natürliches Blau ist nicht einfach ein Ersatz für Brillantblau, sondern ein eigenwilliger Stoff, der ganze Produktionslinien durcheinanderbringen kann. Ebenso ist ein natürliches Blond kein uniformes Bleichergebnis, sondern ein Zusammenspiel aus goldenen, kupfernen und aschigen Nuancen, das sich je nach Licht verändert. Die Verbraucher, so deuten die Trends an, honorieren diese Unvollkommenheit: Sie greifen zu den neuen M&M’s, obwohl zwei Farben fehlen, und sie tragen Haarfarben, die nicht mehr perfekt einfarbig sind, sondern lebendig schimmern.

Am Ende dieser kleinen Kulturgeschichte der Farbe bleibt ein unscheinbares Detail, das wie ein Emblem des Übergangs wirkt. Während Blau und Braun vorerst aus der natürlichen M&M’s-Tüte verschwunden sind, hat es das Grün geschafft. Es wird ebenfalls mit Spirulina hergestellt, aber in geringerer Dosierung, und behauptet seinen Platz im Sortiment. Eine einzelne grüne Schokolinse, die sich in einer Handvoll roter, orangefarbener und gelber verliert – und doch davon erzählt, dass der Weg zum Natürlichen kein gerader ist, sondern ein tastender, der manche Farben opfert und andere auf überraschende Weise bewahrt.

Divergenz der Quellen

Gesellschaft & Kultur · 5 Quellen · 5 Sprachen

44%Mittel

Wie stark die Quellen die gleichen Fakten unterschiedlich darstellen.

Wie sie sich aufteilen

Gunstig33%
Neutral67%

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 5 Sprachen

TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Stampa russa e CSIStampa atlantica / anglosfera
Stampa russa e CSI
distaccopragmatismo

Die Haartrends für den Sommer 2026 verabschieden sich von Schwarz und Blau zugunsten warmer, natürlicher Nuancen wie Strawberry Golden Blond und strahlender Blondtöne. Experten raten zu einem tiefen, goldenen Blond mit kupferfarbenen Reflexen, das Natürlichkeit und Glanz betont.

Stampa atlantica / anglosfera/ progressista
ironiascetticismo

M&M's bringt Süßigkeiten mit natürlichen Farbstoffen auf den Markt, doch Blau und Braun fehlen aufgrund technischer Hürden. Der Schritt ist Teil der 'Make America Healthy Again'-Kampagne von Gesundheitsminister RFK Jr. und zeigt, dass selbst die kultigsten Süßigkeiten dem Druck, künstliche Farbstoffe zu entfernen, nicht entkommen.

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