
Chip-Rally und Iran-Deal bescheren Wall Street Erholung
Ein vorläufiges Abkommen zwischen Washington und Teheran sowie eine Intel-Apple-Partnerschaft treiben die US-Börsen an, während Europa verhaltener reagiert.
Die amerikanischen Aktienmärkte haben sich am Donnerstag kräftig erholt, angetrieben von einem doppelten Impuls: der überraschenden Ankündigung einer weitreichenden Chip-Kooperation zwischen Intel und Apple sowie der Unterzeichnung eines Interimsabkommens zwischen den USA und Iran, das die Ölmärkte entlastet. Der Philadelphia-Halbleiterindex schoss um mehr als sechs Prozent in die Höhe, nachdem Präsident Donald Trump verkündet hatte, Apple werde künftig mit Intel zusammenarbeiten, um Prozessoren in den Vereinigten Staaten zu entwickeln und zu fertigen. Intel-Aktien legten daraufhin um über zehn Prozent zu und erreichten ein Rekordhoch. Gleichzeitig fielen die Rohölpreise auf den tiefsten Stand seit Anfang März, weil das Abkommen die seit April geltende Waffenruhe um weitere 60 Tage verlängert und die ersten Schiffe wieder den strategisch wichtigen Strait of Hormuz passierten – jene Meerenge, über die ein Grossteil des globalen Öl-, Gas- und Düngemitteltransports läuft.
Die Entspannungssignale aus dem Nahen Osten wirkten wie ein willkommenes Gegengewicht zu den wachsenden Zinssorgen, die noch am Vortag für Abgaben an der Wall Street gesorgt hatten. Aus Washingtoner Sicht hatte die Federal Reserve mit ihrem neuen Vorsitzenden Warsh einen strafferen geldpolitischen Kurs signalisiert; die Notenbanker unterstrichen die Notwendigkeit, die Inflation weiter zu bekämpfen. Die Märkte preisten daraufhin eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinserhöhung im September ein. Dass nun eine greifbare Perspektive auf ein Ende der militärischen Konfrontation mit Iran und auf eine Normalisierung der Energielieferungen besteht, dämpfte diese Inflationsängste spürbar. Beobachter in New York sprachen von einer Erleichterungsrally, die den S&P 500 um rund ein Prozent steigen und den technologielastigen Nasdaq sogar noch stärker zulegen liess.
An den europäischen Handelsplätzen fiel die Reaktion verhaltener aus. Während die Wall Street bereits den positiven Nachrichten folgte, lastete auf Frankfurt, Paris und Mailand noch die späte Verarbeitung der hawkishen Fed-Signale. Der Dax trat nahezu auf der Stelle, der Pariser CAC 40 gewann leicht, und der Mailänder Leitindex gab minimal nach. Besonders deutlich zeigte sich die Ambivalenz in London: Der FTSE 100 verlor über ein Prozent, belastet durch die hohe Gewichtung von Öl- und Gaskonzernen, deren Kurse unter dem fallenden Ölpreis litten. Für die energieimportabhängigen Volkswirtschaften Kontinentaleuropas – darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz – birgt die Entspannung am Golf hingegen die Aussicht auf nachlassenden Kostendruck bei Treibstoffen und in der Industrie, was die Konjunktur stützen könnte.
Die weitere Entwicklung hängt indes an seidenen Fäden. Das Interimsabkommen mit Iran ist fragil; Trump drohte bereits mit der Wiederaufnahme von Angriffen, sollte Teheran seine Verpflichtungen nicht einhalten. Die Passage durch die Strasse von Hormuz bleibt damit eine Wette auf diplomatische Stabilität. Gleichzeitig wird die US-Notenbank ihre Haltung erst dann grundlegend ändern, wenn der Inflationspfad nachhaltig sinkt – ein Szenario, das mit jedem neuen geopolitischen Schock wieder in Gefahr geraten kann. Die Intel-Apple-Partnerschaft hingegen nährt die Hoffnung auf eine technologische Renaissance der amerikanischen Halbleiterindustrie, deren Ausstrahlung auch europäische Zulieferer und Chipwerte erfassen könnte. Vorerst bleibt die Erholung ein fragiles Gebilde, getragen von der Aussicht auf Frieden und der Kraft der Innovation.
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Die Wall-Street-Indizes erholen sich, angetrieben von einer Halbleiter-Rallye und Optimismus über die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran, die den Ölpreis auf den tiefsten Stand seit März drückt. Die Euphorie wird durch die Fed gedämpft, Analysten rechnen mit einer längeren Zinspause.
Die Wall Street steigt dank Chip-Stärke und der Iran-Waffenruhe, doch Trump droht mit neuen Angriffen, falls Teheran die Vereinbarung nicht einhält. Das Abkommen bietet nur eine vorübergehende Atempause, das Risiko weiterer Eskalation bleibt.
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