
BJP-Regierung in Westbengalen setzt mit Straßenumbenennung und neuem Gedenktag politische Zeichen
Die neue Landesregierung unter Suvendu Adhikari ersetzt den von der Vorgängerin eingeführten ‚Khela Hobey Divas‘ durch den ‚Ayushman Divas‘ und benennt eine Straße nach einem umstrittenen Hindu-Aktivisten um – ein Schritt mit historischer und wahlstrategischer Bedeutung.
Die im Juni 2026 vereidigte BJP-Regierung des indischen Bundesstaates Westbengalen hat binnen weniger Wochen zwei symbolträchtige Entscheidungen getroffen: Die bisherige Suhrawardy Avenue in Kalkutta trägt nun den Namen Gopal Mukherjee Road, und der 16. August wird künftig nicht mehr als „Khela Hobey Divas“, sondern als „Ayushman Divas“ begangen. Eine amtliche Mitteilung der Stadtverwaltung vom 20. Juni verfügte die Umbenennung der Straße; die Neugestaltung des Gedenktags gab Chief Minister Suvendu Adhikari nach einer Parteisitzung in Tamluk bekannt.
Aus Sicht der Regierung in Kolkata ehrt die Straßenumbenennung einen Hindu-Aktivisten, der während der „Great Calcutta Killings“ 1946 Hindus vor Übergriffen geschützt haben soll. Zugleich wird die bisherige Benennung nach der Familie Suhrawardy als Verharmlosung der Rolle des damaligen Ministerpräsidenten Huseyn Shaheed Suhrawardy bei den kommunalen Ausschreitungen gewertet. Die Trinamool Congress (TMC) unter der abgewählten Ministerpräsidentin Mamata Banerjee hatte den 16. August 2021 zum „Khela Hobey Divas“ erklärt, um den Wahlsieg der Partei zu feiern und den Breitensport zu fördern; der Slogan „Khela Hobey“ („Das Spiel wird gespielt“) war zentrales Kampagnenmotiv Banerjees. Die BJP-Administration sieht in der Umwidmung eine längst überfällige historische Korrektur und verknüpft den Tag nun mit der Ausweitung des zentralstaatlichen Krankenversicherungsprogramms Ayushman Bharat.
Historiker in Kalkutta verweisen darauf, dass die umbenannte Straße nicht nach Huseyn Shaheed Suhrawardy, sondern nach dessen Onkel Sir Hassan Suhrawardy benannt war, einem angesehenen Mediziner und zweimaligen Vizekanzler der Universität Kalkutta. Die Verwechslung oder bewusste Gleichsetzung der beiden Persönlichkeiten verleiht dem Vorgang eine zusätzliche geschichtspolitische Dimension. Die „Great Calcutta Killings“ vom August 1946, die nach Schätzungen rund 4.000 Todesopfer forderten, gelten in der indischen Geschichtsschreibung als ein Katalysator der Teilung des Subkontinents. In Neu-Delhi wird die Umbenennung als Teil einer breiteren Bestrebung der BJP gesehen, die Erinnerung an die Opfer kommunaler Gewalt im kolonialen Indien neu zu justieren und den Einfluss der Partei in Westbengalen durch eine eigene Geschichtserzählung zu festigen.
Die Entscheidungen fallen in eine Phase der Konsolidierung der BJP-Herrschaft in Westbengalen, wo die Partei bei der Parlamentswahl 2026 erstmals die Mehrheit errang. Die Einführung des „Ayushman Divas“ ist mit der Ausweitung des Krankenversicherungsprogramms verknüpft, das nach Regierungsangaben rund 70 Prozent der Bevölkerung abdecken soll; die übrigen 30 Prozent sollen über ein landeseigenes Programm versichert werden. Die TMC, nun in der Opposition, hat die Maßnahmen als Versuch der Geschichtsklitterung und der politischen Instrumentalisierung von Sozialprogrammen kritisiert. Die nächste Bewährungsprobe für die Regierung Adhikari steht mit der Nachwahl im Wahlkreis Nandigram bevor, in dem der Chief Minister selbst 2021 einen knappen Sieg errungen hatte; der Urnengang wird als Stimmungstest für die umstrittene Neuausrichtung des Bundesstaates gewertet.
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