
Südkoreas Kospi stürzt um über 10 Prozent ab – Chinesischer DUV-Durchbruch schockt Chipwerte
Eine Massenproduktion von DUV-Lithographieanlagen in China und zirkuläre Finanzierungsmodelle im KI-Sektor lösten eine panikartige Verkaufswelle bei asiatischen Halbleiteraktien aus.
Der südkoreanische Leitindex Kospi brach am Dienstag um mehr als 10 Prozent ein und löste eine Handelsunterbrechung aus. Die Aktien der beiden Schwergewichte Samsung Electronics und SK Hynix verloren zeitweise 13,4 beziehungsweise 14 Prozent. Gemeinsam machen sie fast die Hälfte der Marktkapitalisierung des Index aus. Auch in Tokio fiel der Nikkei 225 um knapp 4 Prozent, belastet von Kursverlusten bei Kioxia und Tokyo Electron. Der Ausverkauf erfasste europäische und amerikanische Vorbörsen: ASML notierte rund 5 Prozent schwächer, Nvidia gab vorbörslich nach.
Auslöser war ein Bericht des Branchendienstes The Information, wonach das staatlich gestützte chinesische Unternehmen Shanghai Yuliangsheng mit der industriellen Fertigung von Immersions-Lithographiesystemen für tiefes Ultraviolett (DUV) begonnen hat. Bislang wird diese Technologie vom niederländischen Konzern ASML dominiert. Aus Washingtoner Sicht untergräbt der Schritt die Wirksamkeit der Exportkontrollen, die China den Zugang zu modernsten EUV-Anlagen verwehren. Beobachter in Peking werten die Entwicklung als Beleg für beschleunigte Autarkiebestrebungen. Zwar liegen die chinesischen Systeme leistungstechnisch noch hinter ASML zurück, doch bereits die Aussicht auf eine Verringerung des Rückstands setzt die Gewinnerwartungen etablierter Hersteller unter Druck.
Parallel dazu verstärkten Meldungen über Finanzierungspraktiken im KI-Ökosystem die Nervosität. Das Wall Street Journal hatte berichtet, Nvidia könne dem KI-Unternehmen OpenAI eine Finanzierungszusage über 250 Milliarden Dollar für ein Rechenzentrum gewähren. Aus Sicht von Marktteilnehmern in New York nährt dies die Sorge vor zirkulären Geschäften, bei denen Chipanbieter ihre eigenen Kunden kreditfinanzieren – ein Muster, das an die Dotcom-Ära erinnert. Zugleich schürte der erfolgreiche Börsengang des chinesischen Speicherchip-Herstellers CXMT in Shanghai, dessen Kurs sich am ersten Tag versechsfachte, Befürchtungen vor wachsender Überkapazität und Preisdruck im globalen Speichermarkt.
Die Korrektur fällt in eine Phase ohnehin hoher Bewertungen. Der Kospi hatte seit Jahresbeginn trotz des jetzigen Einbruchs noch um fast 40 Prozent zugelegt. Analysten in Seoul verweisen zudem auf die unmittelbar bevorstehenden Quartalszahlen der großen KI-Infrastrukturanbieter. Die Berichte von Microsoft, Amazon, Meta und Apple in den kommenden Tagen gelten als entscheidender Test dafür, ob die Investitionen in Höhe hunderter Milliarden Dollar Renditen abwerfen. Ebenfalls richtungsweisend wird der Zinsentscheid der US-Notenbank am Mittwoch sein, da steigende Finanzierungskosten die Verschuldung der KI-Unternehmen zusätzlich belasten könnten.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.50 | critical |
Anleger bewerten den KI-Handel neu, nachdem Nvidias massive Finanzierungszusagen Fragen zu den Renditen aufgeworfen haben. Der Markt preist einfach ein höheres Risiko ein, und diese Korrektur ist eine gesunde Anpassung.
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