
Argentiniens WM-Auftakt gegen Algerien: Messis 200. Länderspiel und die Lehren von Katar
Während Lionel Messi sein 200. Länderspiel bestreitet und Emiliano Martínez rechtzeitig fit wird, hütet Trainer Scaloni noch ein Abwehrgeheimnis vor dem ersten Gruppenspiel in Kansas City.
Die Titelverteidigung beginnt mit einer symbolträchtigen Zahl. Wenn Argentinien am Dienstagabend (Ortszeit, Mittwoch früh in Mitteleuropa) im Arrowhead Stadium von Kansas City gegen Algerien antritt, wird Lionel Messi zum 200. Mal das albiceleste Trikot tragen – ein Meilenstein, der zwanzig Jahre nach seinem ersten WM-Tor gegen Serbien und Montenegro die außergewöhnliche Langlebigkeit des Kapitäns unterstreicht. Aus argentinischer Sicht ist die personelle Lage trotz kleinerer Blessuren stabil: Emiliano Martínez hat seine Fingerfraktur auskuriert und steht im Tor, auch Julián Álvarez ist einsatzbereit. Einzig der verletzte Linksverteidiger Nicolás Tagliafico fehlt, was Trainer Lionel Scaloni zwingt, die Abwehr umzubauen. Die letzte offene Frage betrifft die Innenverteidigung: Ob Routinier Nicolás Otamendi oder Lisandro Martínez an der Seite von Cristian Romero aufläuft, will Scaloni erst unmittelbar vor dem Anpfiff entscheiden.
Aus nordafrikanischer Perspektive ist die Partie mehr als ein Prestigeduell. Algerien, das erstmals seit 2014 wieder auf der WM-Bühne steht, hat in der Universitätsstadt Lawrence unerwartete Unterstützung gefunden. Die Einwohner haben die «Wüstenfüchse» adoptiert, und Trainer Vladimir Petković, einst selbst Vorgesetzter von Scaloni bei einem europäischen Klub, hofft auf die Sympathien der Neutralen. Sein Team setzt auf schnelle Vertikalspiele und die individuelle Klasse von Routinier Riyad Mahrez, doch die algerischen Medien dämpfen die Erwartungen: Das Spiel beginnt für die heimischen Fans um zwei Uhr morgens, ein Umstand, der die Distanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit symbolisiert.
In den USA, wo das Turnier gemeinsam mit Mexiko und Kanada ausgetragen wird, hat der argentinische Anhang bereits Tage vor dem Anpfiff für eine beeindruckende Kulisse gesorgt. Tausende Anhänger versammelten sich im Mill Creek Park zu einem «Banderazo», der die Straßen von Kansas City in ein Meer aus Hellblau und Weiß verwandelte. Die lokale Polizei spricht von der größten Fan-Mobilisierung, die die Stadt je erlebt hat. Für die nordamerikanischen Gastgeber ist dieser Auftakt auch ein Testlauf für die Infrastruktur: Das Arrowhead Stadium, sonst Heimat der Kansas City Chiefs, muss beweisen, dass es Fußball auf Weltniveau beherbergen kann.
Scaloni selbst hat die Erfahrung von Katar 2022 verinnerlicht, als eine Auftaktniederlage gegen Saudi-Arabien beinahe alle Träume zerstört hätte. «Wir brauchen Spannung, nicht Druck», gab er in der Pressekonferenz zu Protokoll und erinnerte daran, dass noch kein Team seit Brasilien 1962 den Titel erfolgreich verteidigen konnte. Die deutsche Perspektive mag hier mitschwingen: Auch der DFB-Elf gelang es nach 2014 nicht, den Schwung mitzunehmen. Argentinien hingegen reist mit dem Selbstverständnis des amtierenden Copa-América-Siegers an, gestützt auf eine eingespielte Achse um Martínez, Romero, De Paul und Messi.
Der Ausblick auf das Turnier ist von vorsichtigem Optimismus geprägt. Nach dem Auftakt gegen Algerien warten in der Gruppe J noch Österreich und Jordanien – machbare Aufgaben, die jedoch genau jene Fallhöhe bergen, vor der Otamendi warnte: «Jeder will uns schlagen.» Sollte Argentinien die Vorrunde überstehen, könnte das Viertelfinale auf Deutschland oder einen anderen europäischen Schwergewichtler treffen. Für Messi, der sein letztes WM-Turnier bestreitet, wäre der erneute Triumph die Krönung einer Laufbahn, die längst alle Rekorde gebrochen hat. Die Scaloneta, wie das Team liebevoll genannt wird, weiß: Der Weg zum fünften Stern beginnt mit einem ersten Schritt, der nicht stolpern darf.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die argentinische Presse rahmt das Debüt als Reifeprüfung für die 'Scaloneta', die vom Schock der Niederlage 2022 gegen Saudi-Arabien überschattet wird. Trotz Verletzungen und taktischer Zweifel demonstriert das Team durch symbolische Videos Einheit und Selbstvertrauen, angeführt von Messi bei der Titelverteidigung. Die Erzählung verbindet vorsichtigen Optimismus mit der Last der Geschichte.
Die algerische Presse betrachtet das Spiel mit pragmatischer Gelassenheit, verweist auf die frühe Anstoßzeit und die Herausforderung, gegen den Weltmeister anzutreten. Es gibt eine leise Hoffnung, dass die 'Fennecs' für eine Überraschung sorgen könnten, doch der Ton bleibt zurückhaltend und sachlich, fokussiert auf Logistik und die Außenseiterrolle.
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