
Von 0:2 zum 3:2: Argentinien entgeht der Blamage gegen Ägypten
Mit drei Toren in den letzten elf Minuten wendet der Weltmeister in Atlanta ein historisches Scheitern ab und zieht ins Viertelfinale ein.
Es war die 79. Minute, als Cristian Romero den Scheitelpunkt einer Partie markierte, die bis dahin auf eine der größten Sensationen der WM-Geschichte zusteuerte. Sein Kopfballtor nach einer Flanke von Lionel Messi leitete eine furiose Schlussphase ein, in der Argentinien einen 0:2-Rückstand gegen Ägypten noch in einen 3:2-Sieg verwandelte. Zuvor hatte der Titelverteidiger über weite Strecken wie der sichere Verlierer gewirkt: Yasser Ibrahim (15.) und Mostafa Ziko (67.) hatten die diszipliniert verteidigenden und konterstarken Nordafrikaner in Führung gebracht, während Messi einen Handelfmeter an Keeper Mostafa Shobeir scheitern ließ und mit einem Freistoß nur den Pfosten traf.
Die ägyptische Mannschaft, die erstmals in ihrer Geschichte ein WM-Achtelfinale erreicht hatte, sah sich nach dem Abpfiff als Opfer einer Schiedsrichterleistung, die aus Kairoer Sicht das gesamte Turnier in Frage stellt. Trainer Hossam Hassan sprach von einer „Ungerechtigkeit“ und kündigte an, keine weiteren Spiele mehr zu verfolgen. Ziko, der in der 58. Minute ein reguläres Tor nach VAR-Intervention aberkannt bekam, nannte das Turnier „manipuliert“. Die ägyptische Verbandsführung hatte bereits im Vorfeld Einwände gegen die Ansetzung des französischen Referees François Letexier erhoben. Aus europäischer Perspektive hingegen wurde die Aufholjagd als Beleg für die außergewöhnliche Resilienz des argentinischen Kollektivs gewertet, das nach dem Anschlusstreffer binnen vier Minuten durch einen wuchtigen Halbvolley Messis (83.) ausglich und in der Nachspielzeit durch einen Kopfball von Enzo Fernández (90.+2) das Spiel vollendete.
Messi, der mit nun acht Turniertoren die alleinige Führung in der Torschützenliste übernahm und als erster Spieler in sechs aufeinanderfolgenden K.-o.-Spielen traf, brach nach dem Schlusspfiff in Tränen aus. Sein Trainer Lionel Scaloni, selbst den Tränen nahe, sprach von einer „epischen“ Leistung und betonte, dass diese Mannschaft „niemals aufgibt“. Die emotionale Entladung stand sinnbildlich für eine Partie, die nach dem frühen Rückstand und dem verschossenen Strafstoß bereits verloren schien, ehe die individuelle Klasse des 39-jährigen Kapitäns und die Hereinnahme von Lautaro Martínez, der das Siegtor mustergültig vorbereitete, die Wende brachten.
Für Argentinien, das bereits im Sechzehntelfinale gegen Kap Verde nur mit Mühe in der Verlängerung bestanden hatte, offenbarte der Auftritt erneut defensive Anfälligkeiten und eine ausgeprägte Abhängigkeit von Messi. Gleichzeitig untermauerte das Team seine Fähigkeit, selbst in ausweglos erscheinenden Lagen Lösungen zu finden. Die Südamerikaner treffen nun im Viertelfinale am Samstag in Kansas City auf den Sieger der Partie zwischen der Schweiz und Kolumbien, die am späten Abend in Vancouver ausgetragen wird.
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