
Gegenseitige Luftangriffe: Afghanistan und Pakistan verschärfen Grenzkonflikt
Kabul meldet Drohnenangriffe auf IS-Stellungen in Pakistan, Islamabad spricht von abgeschossenen Fluggeräten – die Spannungen nach pakistanischen Luftschlägen mit zivilen Opfern eskalieren weiter.
Die Taliban-Regierung in Kabul hat nach eigenen Angaben in der Nacht zum Mittwoch Luftangriffe auf Stellungen des Islamischen Staats (IS) in den pakistanischen Provinzen Belutschistan und Khyber Pakhtunkhwa ausgeführt. Das afghanische Verteidigungsministerium erklärte, die Ziele seien als Koordinationszentren für Anschläge auf Zivilisten in Afghanistan genutzt worden; zivile Opfer habe es nicht gegeben. Pakistans Militärführung widersprach dieser Darstellung umgehend: Man habe vier einfache Drohnen aus afghanischem Luftraum identifiziert und mit Gegenmaßnahmen neutralisiert. Jede weitere Provokation werde eine angemessene Antwort erhalten, hieß es aus Islamabad.
Aus Sicht Kabuls handelt es sich um eine Vergeltungsaktion für pakistanische Luftschläge vom Sonntag, bei denen nach afghanischen Angaben mindestens 36 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, in den Provinzen Paktia, Paktika und Kunar getötet wurden. Die Vereinten Nationen bestätigten 28 zivile Todesopfer. Pakistan hingegen spricht von einer gezielten Operation gegen militante Gruppierungen, bei der 29 Aufständische getötet worden seien. Die Regierung in Islamabad wirft Kabul seit Langem vor, der Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP) und anderen Gruppen Unterschlupf zu gewähren, die für Anschläge auf pakistanischem Boden verantwortlich seien. Die Taliban weisen dies zurück und bezeichnen den militanten Extremismus als innerpakistanisches Problem.
Die wechselseitigen Angriffe markieren eine erneute Eskalation in einem seit Monaten schwelenden Grenzkonflikt. Bereits im Februar und März dieses Jahres hatten schwere Gefechte Dutzende Tote gefordert; im Oktober 2025 war unter chinesischer Vermittlung ein Waffenstillstand vereinbart worden, der jedoch brüchig blieb. Beobachter in Neu-Delhi verurteilten die pakistanischen Luftschläge als eklatanten Akt der Aggression und Verletzung afghanischer Souveränität – eine Position, die auch die afghanische Seite durch die Einbestellung des pakistanischen Geschäftsträgers in Kabul diplomatisch untermauerte.
Für die internationale Gemeinschaft, darunter Deutschland, das sich weiterhin humanitär in Afghanistan engagiert, wächst die Sorge vor einer unkontrollierten Ausweitung der Feindseligkeiten. Die 2.600 Kilometer lange, kaum kontrollierte Grenze bleibt ein Rückzugsraum für bewaffnete Gruppen, deren Aktivitäten die Stabilität beider Staaten bedrohen. Während Islamabad mit weiteren Militärschlägen droht, beharrt Kabul auf seinem Recht zur Selbstverteidigung. Ein neuer Anlauf zu Gesprächen ist derzeit nicht in Sicht; die nächste Sitzung des von China moderierten Dialogs wurde noch nicht terminiert.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Pakistanische Luftangriffe in afghanischen Provinzen töteten nach UN-Angaben mindestens 28 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. Die Taliban-Regierung verurteilte den Angriff als feige Gräueltat. Die Grenzspannungen sind wieder aufgeflammt, und die Taliban reagierten mit Angriffen auf angebliche ISIS-Stellungen in Pakistan.
Die afghanischen Taliban beanspruchten Drohnenangriffe auf ISIS-Stützpunkte in den pakistanischen Provinzen Belutschistan und Khyber Pakhtunkhwa. Sie behaupteten, eine Schule im Saran-Gebiet sei als Versteck für ISIS-Kämpfer genutzt worden. Die Angriffe bedeuten eine neue Eskalation der grenzüberschreitenden Spannungen.
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